Zeit in der Literatur:
Alban Nikolai Herbst - Eine Sizilische Reise


Rechtlicher Hinweis:
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Muchachas que buscabais
el gran amor, el gran amor terrible,
qué ha pasado, muchachas?

Tal vez
el tiempo, el tiempo!



Pablo Neruda, Las Muchachas *)

 

 

 

Inhaltsübersicht

1. IRRITIERENDE ZEIT. EINE EINLEITUNG

2. MYTHEN, ALL ÜBERALL
2.1. Der Namenlose
2.2. Der Menschenjäger
2.3. Die Auftraggeberin
2.4. Die Nymphe& der Schöpfer
2.4.1. Ciane
2.4.2. "Herbst"


3. …DIE ZEIT, DIE ZEIT! VON ARISTOTELES BIS HEIDEGGER

4. DIE EWIGE GEGENWART
4.1. Verschleifungen
4.2. Zeitreisen

5. FAZIT


ENDNOTEN
QUELLEN- & LITERATURVERZEICHNIS

 

 


1. Irritierende Zeiten. Eine Einleitung

Zeit - ein Abstraktum. Man sagt, sie gehe vorbei. Zeit flösse - rinne - liefe. Wir brauchen, um uns Zeit vorstellen zu können, Bilder. Zeit läuft nach unserer Auffassung immer nur in eine Richtung: von "hinten", aus der Vergangenheit kommend, nach "vorn", in die Zukunft - entlang des bildlichen Zeitstrahls. Alles absichtliche Handeln ist nur deswegen sinnvoll und denkbar, weil wir wissen, dass die Zeit in einer einzigen Richtung fließt und dass sich unser gesamtes Universum in demselben Tempo mit und in ihr bewegt. (1)
Manchmal aber hält die Zeit auch an, macht Schleifen, geht rückwärts; die Uhr läuft verkehrt herum. Dies kann ein Zeichen dafür sein, dass die unsere, die patriarchal geprägte Welt aus den Angeln gehoben wird: durch die Präsenz des weiblichen, matriarchalen Elements. Mit dieser Idee spielt Alban Nikolai Herbst in der Sizilischen Reise (2), deren Zeitstruktur hier genauer untersucht werden soll. In Herbsts "Reisebericht" widerspricht die Zeit immer wieder der absoluten Newtons, ja beinahe der relativen Einsteins (3). Indes - die Sizilische Reise ist Fiktion; sie ist Erzählung, vielmehr Fantastischer Bericht, wie der Autor den Titel ergänzt.(4) Darin - im Fantastischen - ist es bereits enthalten: dieses "das Unmögliche" Erwartende. Die fiktive, die narrative Zeit (5), in des Autors Hand liegend, läuft während der Sizilischen Reise bisweilen unserer Auffassung der zeitlichen Welt zuwider. Vielleicht, weil sich die Abstände historischer Ereignisse [auf Sizilien] verräumlichen, […] weil da auch d i e s e [Zeit] festgestellt zu sein scheint (6)? Auf dieser Insel prallen immerhin seit Jahrtausenden sämtliche Kulturen des Mittelmeerraums aufeinander, bekriegen, vermischen, verweben sich. Ebenso ihre Mythen.

Diese begegnen dem Leser in vielgestaltiger Form: in Landschaften, Sprachbildern, Figuren. Der Ich-Erzähler reist nach Sizilien, um dort einen Freund - Arndt - zu treffen, der ihn um Hilfe bei der Ausführung eines Auftrages bittet. Noch bevor er auf Arndt trifft, begegnet er einer vollschlanken Matrone (7) - Frau Jördsdottir - die sich selbst als Danaerin bezeichnet; ein erster Verweis ins Mythologische. Sie ist die Auftraggeberin Arndts, für die er 49 mythische Steine beschaffen soll, die dem Demeterkult zugehören und das Venussiegel bilden. Die Aura dieses ursprünglich kretischen Kultes (8) zieht sich durch die gesamte Reise, wie noch herauszuarbeiten sein wird. Dem Reisenden begegnen eine Vielzahl Personen; hier soll jedoch nur auf einige relevante eingegangen werden, die mythisch und unter dem Zeitaspekt bedeutend sind. Die Verknüpfung von Mythos und Zeit findet sich besonders deutlich in der Figur der Ciane - eine junge Frau, beinahe noch Mädchen, der der Protagonist mehrfach begegnet. Es fällt auf, dass in ihrer Gegenwart die Zeit stets deutlich aus den Fugen gerät. Warum, wird in den folgenden Kapiteln zu untersuchen sein. Schließlich trifft die Figur des Protagonisten auf seinen Schöpfer "Herbst", dem sie erst mit spontaner Abscheu, dann mit bemüht herablassender Haltung begegnet (Welch ein Spinner! (9) ). Mit dem Verstande nicht greifbar bleibt der Figur die Beziehung, in der sie zueinander stehen und welche Konsequenzen sich für sie daraus ableiten.

Es ist eine typische Spielart Herbst'scher Romangefüge, sowohl Figuren als auch Zeitebenen zu einem komplexen Netzwerk zu verweben, das sich bisweilen autopoietisch weiterspinnt. (10) Die Matrix der Sizilischen Reise besteht neben der Verschleifung diverser, übereinander gelegter Zeitebenen aus der griechischer, germanischer, mesopotamischer und anderer Mythen. Gleiches geschieht den Genres: Krimi und Fantasy, Realbericht und Mythen werden miteinander verflochten, kombiniert, verknüpft.

Diese Arbeit widmet sich hauptsächlich der zeitlichen Komponente. Es ist die zeitliche Struktur zu untersuchen; zudem, an welchen Stellen und mit welcher Begründung Herbst Irritationen der narrativen Zeit einsetzt. In diesem Rahmen soll zunächst das Augenmerk auf verschiedene Zeittheorien gelenkt werden, um im Anschluss zu untersuchen, ob und inwieweit sie einen Ertrag für die zeitliche Struktur der Sizilischen Reise liefern können. Des Weiteren werden die bereits erwähnten Figuren genauer zu untersuchen sein, um anschließend zu fragen, welche Funktion diese im Zusammenhang mit der narrativen Zeit einnehmen.

 

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2. Mythen, all überall

Die Narzisse erhielt ihren Namen von Narkissos, einem Jüngling, der sich in der Betrachtung seiner selbst verlor. Köre, die Pupille, stand also auf der Schwelle zu einem Blick, in dem sie sich selbst gesehen hätte. Schon streckte sie die Hand aus, um diesen Blick zu pflücken. Doch da fuhr Hades dazwischen. Und Köre wurde von Hades gepflückt. (11)

 

 

 

 

 

2.1. Der Namenlose

Die Reise des Ich-Erzählers beginnt in jenem Moment, da er das italienische Festland verlässt, um mit der Fähre hinüber nach Sizilien zu fahren - und nie mehr zurückzukehren. Es ist der Abend des 13. August, einen Tag vor Ferragosto (12). Der Protagonist bleibt namenlos, und nicht nur das. Er kann sich gar nicht oder nur schwer an seine eigene Vergangenheit erinnern: Zurückdenken. Ich habe keine Erinnerung. Kann mich beim besten Willen auf nichts besinnen, was hinter mir liegt. (13) Es scheint, als setze sich die Erinnerungslosigkeit im fehlenden Namen fort. Immer wieder begegnet man ihm, sich zu erinnern versuchend. Eigentümlich erscheinen solche Momente auch ihm, wenn er glaubt, sich zu erinnern: Als mich meine Erinnerung fasst, erschreck ich. Es ist auch keine Erinnerung. Es ist so starr wie ein Bild. (14) Der Geschichtslose also hat keine eigene Zeit, er ist eigentlich nicht. Der Mensch definiert sich allgemein nicht nur durch sein gegenwärtiges (Bewusst)Sein, sondern ebenso über Erinnerung und Erwartung (15). Fehlt ein Teil dieser Trias, fehlt ihm Identität (16). Mithin besitzt der Protagonist keine, sondern ist nur "Projektionsfläche" (17). Bestätigt wird dies um einiges später, und zwar von "Herbst": Ich dachte Sie mir aus. (18) […] Es hat Sie vor dem 13. August dieses Jahres nicht gegeben.(19) Der Namen- und Vergangenheitslose wird spätestens hier seiner Identität beraubt - er ist nichts als die Idee seines Schöpfers. Und: er nimmt es einfach hin. Selbst seine Wolfwerdung gegen Ende seiner Reise nimmt er hin: er registriert seine eigene Veränderung zwar, die Verschiebung der Wahrnehmung, die Verwilderung des Befindens, die Vereinfachung des Denkens, doch - und darin erinnert er entfernt an Gregor Samsa - ohne jede Gemütsregung. Die Figur des Ich-Erzählers also ist Marionette seines Schöpfers "Herbst", der ihn auf den Spielplan schickt wie einen Bauern im Schach, ja - ihn dort hineinschreibt: Ich repräsentiere die Welt, Sie repräsentieren die Möglichkeit. (20) Doch auch "Herbst" ist Teil des Spiels und der Welt, in der das Spiel stattfindet; auch er agiert auf dem Spielfeld, pariert Schläge des Gegners und führt seine Figuren ins Feld. Damit steht er eine Instanz höher als der Ich-Erzähler und - ebenso - Arndt.

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2.2. Der Menschenjäger

Die Figur des Arndt ist eine aus anderen Novellen Alban Nikolai Herbsts, die hier eingeflochten wird (21) - eine skizziert wirkende, die im Rahmen der Sizilischen Reise zwar auch für sich allein bestehen kann, im Kontext anderer Arndt-Texte jedoch plastischer wird: Arndt, ein ehemaliger Legionär, lebt nomadisch, teils in der Wüste (22), immer auf der Flucht. Nimmt ominöse Aufträge an, an denen ihn nicht zwingend die Bezahlung reizt: Die Sache ist völlig unpolitisch. Deshalb nehme ich an. Und aus einem anderen Grund. […] Kein Honorar. (23) Er trägt stets sein Gewehr Platon (24) bei sich, wenigstens einen Revolver. Der Holzschaft des Gewehrs trägt Kerben - je eine für ein Menschenleben. (25) Der Spott, das r e a l e Gewehr Platon zu nennen, ist unübersehbar und charakterisiert die Figur Arndts ebenso deutlich wie die stets fiebrigen Augen. (26) Indes: auch Arndt ist eine Figur "Herbsts", wie der Protagonist im Gespräch mit seinem Schöpfer erfährt. Und auch in Arndt wirkt bereits die Mythologie: Wirres Zeug fantasiert er. Berichtet von ziemlich blutigen Mysterienspielen, vom Demeter- und Venuskult, von einer alten Harmonie, die im geheimen immer noch währe. (27) Seine Auftraggeberin - Frau Jördsdottir - hat Arndt schon in ihren mythischen Bann gezogen.

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2.3. Die Auftraggeberin

Die Figur der Jördsdottir, auch Madame Tanit genannt, stellt eine Art Reinkarnation jeglicher Fruchtbarkeitsgöttinnen des europäisch-arabischen Kulturraums dar. Fruchtbarkeitsgöttinnen sind oftmals gleichzusetzen mit der Großen Göttin bzw. Muttergöttin. Das griechische meter in Demeter beispielsweise bedeutet "Mutter". De meint das Delta oder Dreieck, einerseits Symbol für die Trinität der Göttin, andererseits für das weibliche Geschlechtsorgan - auch hier ist wieder der Bogen zur Fruchtbarkeitsgöttin nachvollziehbar (28).

Nicht nur die verschiedenen Namen der Jördsdottir vereinen eine Vielzahl von Fruchtbarkeitsmythen in ihrer Person, auch die ihr beigegebenen Attribute wie die sie stets begleitenden weißen Hunde verlangen diesen Schluss. In Mythen wurden immer nur Göttinnen von Hunden begleitet; sie sind die Bewacher der Totenwelt. Hekate, der klassischen Todesgöttin (zur Trias der Demeter gehörend), wurden die Hunde als Totemtiere zugeordnet. Hunde wurden folglich stets direkt mit dem Matriarchat in Verbindung gesetzt. (29)
Die Jördsdottir wird als ein weißes, wadenlanges Kleid tragend beschrieben, dessen Saum mit rotgoldener Bordüre besetzt ist. (30) Die Farben weiß, rot und gold deuten auf die Göttinnen-Triade hin: rot symbolisiert das (Menstruations-)Blut der Göttin und die Frau der Trias (31), das Gold wahlweise den Mond oder die Sonne - je nach Zuordnung innerhalb der regionalen Mythen.(32) Das weiße Kleid mag an Priestergewänder erinnern, die üblicherweise mit dem Adjektiv argos - weiß schimmernd - bezeichnet wurden; der Weg zur Weißen Göttin ist nicht weit. Argos ist gleichfalls mit der danaischen Gerste-Göttin von Argos verbunden - in ihr erkennt Frazer "entweder Demeter oder ihre Doppelgängerin Persephone" (33).
Der Name Jördsdottir setzt sich aus der germanischen Göttin Jörd (34) und dem isländischen Dottir - Tochter - zusammen; eine Verbindung nordischer Fruchtbarkeitskulte. Die Jördsdottir selbst bezeichnet sich als Danaerin. Darin findet sich die Schnittstelle von nordischen Mythen und denen des Mittelmeerraums: die keltische Göttin Dana ist ursprünglich die "uralte Erdmutter der prä-indoeuropäischen Völker" (35), die wiederum ihre Wurzeln im Mittelmeerraum hat - in der kretischen Göttin des Ackerbaus Danae. Ihr zweiter Name - Tanit - steht für das phönizische Pendant. (36)

Sie gibt Arndt den Auftrag, ihr bei der Suche nach dem Venussiegel zu helfen; der Verweis auf die Fruchtbarkeitsgöttin Demeter ist überdeutlich. Doch nicht nur die Namen tragen Spuren des Fruchtbarkeitskultes. Meist stellen die Fruchtbarkeitsgöttinnen eine Trias dar. Die griechische Göttin Demeter besteht eigentlich aus dem jungen Mädchen Kore (Frühling), der Demeter selbst als erwachsene Frau (Sommer) und der Alten, Hekate genannt (Herbst/ Winter). (37) Sie symbolisieren den Beginn, Verlauf und das Ende des Lebens und der Fruchtbarkeit im zeitlosen Kreislauf der Jahreszeiten. Und: sie alle bilden eine Entität. Darin erklärt sich vielleicht auch der Eindruck des Protagonisten während des ersten Zusammentreffens mit der Jördsdottir: Je weiter sie sich entfernt, desto jünger scheint sie zu werden. Als sie um die Ecke biegt, ist sie keine Dreißig mehr. (38)

Dieser Trias gesellt sich Persephone (röm.: Proserpina) als die Frau des Hades und somit Todesgöttin hinzu - teilweise eine Überlagerung mit der Hekate, die ebenfalls für den Tod steht. Im Mythos der Entführung und Ehelichung Kores durch Hades, die dadurch zu Persephone wird, manifestiert sich die "männliche Übernahme der weiblichen Fruchtbarkeitsmysterien" (39) ebenso, wie in der allmählichen Annektierung der Attribute (Taube, Weisheit) von Aschtarot, der westsemitischen Furchtbarkeitsgöttin, durch Jahwe. (40) Die Ursache dafür ist wohl in der allmählichen Entwicklung zu monotheistischen Religionen zu suchen. Interessant hinsichtlich des Gedankenkosmos Alban Nikolai Herbsts: in seinem Online-Tagebuch finden sich dazu folgende Zeilen:

…Imgrunde die ‚menschliche', letztlich banal-monotheistische Haltung, [...] Wahrheit an ein Einfaches zu binden, an den einen Gott, das Wesen, den bewertenden Unterschied von Substanz und Akzidenz, den meine Arbeit ja gerade bestreitet.
(41)

An genau diesem Punkt setzt die in Madame Tanit personifizierte Fruchtbarkeitsgöttin an: sie strebt danach, das existente monotheistisch-patriarchale Ungleichgewicht in der erzählten Jetztzeit auszugleichen, indem sie beginnt, ihre Macht wieder zu sammeln und zu vereinigen, symbolisiert in den 49 Steinen des Venussiegels. Und wo wäre dieses Ziel besser zu erreichen, wenn nicht auf Sizilien, im Zentrum des Mittelmeerraumes gelegen, wo sämtliche euroarabischen Mythen ineinander fließen?

Interessant hierbei: sie bedient sich ausschließlich der Hilfe von Männern - allen voran "Herbst", der ihr zuerst begegnete (42), gefolgt von dessen Figuren: dem Menschenjäger Arndt und dem Protagonisten. Folglich bildet sich in diesen drei Figuren ebenfalls eine Trias, diesmal eine männliche - als Gegengewicht zur Dreifaltigkeit Demeters. Denn: das Gleichgewicht soll gewahrt werden. Außerdem fällt auf, dass sämtliche weibliche Figuren immer mit den Fruchtbarkeitsmythen in Verbindung stehen oder in Verbindung gebracht werden. Folgen wir dem Protagonisten kurz hinauf nach Enna, auf den abendlichen Corso und blicken mit seinen Augen: Alle Töchter der Stadt werden bis heute großer Schönheit gerühmt. Diese Nachrede stimmt… Ein jedes Mädchen durchwittert die Abkunft von der, die den Granatapfel trägt. Eine jede Frau wirft Blicke, in denen die der Ceres glühen. (43) Hier, in der Nähe von Enna wurde dem Mythos nach Kore, die Tochter Demeters (röm.: Ceres) , von Hades geraubt. Es verwundert also kaum, dass der Namenlose sich an die Ereignisse von Enna erinnert fühlt, da er auf das Mädchen Ciane trifft: Der Irrsinn von Enna fällt mir ein… Ich rieche einen Zusammenhang. (44)

 

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2.4. Die Nymphe & Der Schöpfer


2.4.1. Ciane

Die Figur der Herbst'schen Ciane hat ebenfalls ihr Vorbild im Entführungsmythos der Kore: sie ist die Nymphe, die bei Kore weilt, unterdessen diese Narzissen pflückt. (45) Cyane versucht, den plötzlich erscheinenden Hades von seinem Vorhaben des Raubes abzuhalten - erfolglos. Dem Gott der Unterwelt vermag sie nichts entgegenzusetzen. Todunglücklich über ihr Unvermögen und in Trauer um Kore zerweint sie sich und verwandelt sich in einen See, in dem Demeter, die Mutter Kores, den Gürtel ihrer geraubten Tochter findet. Diesen See lokalisiert Ovid im Tal von Enna: dort liegt der Lago Pergusa. (46) Das Bild der (sich zer)weinenden Göttin findet sich ebenfalls in der ägyptischen Erdmutter Hathor/ Isis - "sie, die weint" (47). Das kretisch-griechische Pendant zu ihr ist Demeter. (48)
In der Sizilischen Reise begegnet die Gestalt der Ciane dem Protagonisten zweimal: auf dem Corso Sicilia in Catania und das zweite Mal in Syrakus - beides nicht weit entfernt von Enna liegend. Sie wird als junges Mädchen beschrieben, keine siebzehn, keine sechzehn Jahre ist es alt (49). Auch hier wieder die leichte Korrektur, vielmehr Veränderung des Alters nach unten - ähnliches erlebte der Namenlose bereits in Palermo an Frau Jördsdottir. (50)
In der Sizilischen Reise scheint allen sizilianischen Frauen der Archetypus ein und derselben Frau innezuwohnen; wir erinnern uns an den Corso von Enna. Das Mädchen Ciane ist dabei - ebenso wie Arndt und der Protagonist - eine Schöpfung "Herbsts".
Mit der Dreifachen Göttin werden nicht nur Hunde, sondern auch Wölfe verknüpft, belegt durch die dreifache Mutterschaft. Sie gab ihrem Sohn Erulus drei Seelen, so dass er dreimal getötet werden musste. Die sabinische Unterweltsgöttin Feromina ist die "Mutter der Wölfe". In Wolfsfelle gekleidete junge Männer wurden ihr während der Lupercalia, dem Fest der Wölfin, geweiht. (51) In der griechisch-römischen Welt war es verbreitet, die Totengötter in Wolfsgestalt darzustellen. (52) Die Verbindung mit Tod und Wiedergeburt entstand aus dem Glauben, dass aasfressende Tiere die Toten in ihren eigenen Körpern in die heidnischen Himmel oder Höllen tragen. (53) Daraus ergibt sich die Bindung des Wolfes an die Todesgöttin, im Falle der Sizilischen Reise an Persephone.
Auch Ciane, die Nymphe Kores/ Persephones, steht in Verbindung mit Wölfen. Während der ersten Begegnung zwischen ihr und dem Protagonisten knurrt [sie] wie ein Tier (54). Während des zweiten Treffens wird der Ich-Erzähler gar von ihr als Wölfin durch das Dickicht gejagt und gebissen - eine weitere Verbindung zu und Vorausweisung auf den Venuskult. Der Protagonist soll diesem geopfert werden, wie er später von "Herbst" erfährt. In Ciane findet sich also neben dem Ovid-Mythos eine weitere Verbindung zur Göttinnen-Trias durch die Wolfsgestalt. Andererseits ist dies ein Vorgriff auf das Zukünftige: der Tod des Namenlosen ohne Vergangenheit. Er wird schon an dieser Stelle seiner Zukunft beraubt.
Und noch eine Verbindung zur Weißen Göttin findet sich in folgendem Dialog zwischen ihr und dem Namenlosen:
"…Halb Europa ist hier versammelt." - "Sizilien", erläutert sie. "Ich bin phönizischer Abstammung. Lange her." (55)

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2.4.2. "Herbst"

Über "Herbst" selbst erfahren wir eigentlich nur etwas im Gespräch zwischen ihm und dem Ich-Erzähler - hier allerdings in einer wahren Informationsflut. Der Dialog der beiden ist eine Schlüsselszene der gesamten Reise; hier ist der Protagonist der Schaltzentrale dieses - wie sich ihm nun offenbart - Schachspiels sehr nahe. "Herbst" eröffnet ihm, sein Schöpfer zu sein und konfrontiert den Protagonisten mit seiner Nicht-Existenz, vielmehr: seiner rein gedanklichen Existenz in der Phantasie seines Schöpfers. Er erfährt außerdem von "Herbst", welche Funktion ihm innerhalb des Spiels zugedacht ist: er soll an die Stelle "Herbsts" treten und an seiner statt das jährliche Ritual des Venuskultes vollziehen: er muss sich, in einen Wolf verwandelt, mit einer Göttin vereinigen und anschließend sterben. In den Wolfs-Mythen finden sich unter anderem Hinweise auf eine Heilige Hochzeit, bei deren Feier junge Männer sich der (Wolfs)Göttin weihten und so die Geheimnisse der Magie erlernen konnten, sofern sie nie wieder eine christliche Kirche betraten. Die der Göttin Geweihten wurden aufgrund der wiederholten Gestaltwechsel Werwölfe genannt. Dieser folgte den Mondphasen, denn der Mond war eine Erscheinungsform der Göttin. (56) Um das Jahr 1000 wandelte sich im deutschen Sprachraum der Wortsinn "Werwolf"; er war fortan gleichbedeutend mit "Geächteter". (57)
Es bedarf also jedes Jahr einer neuen, erschaffenen Figur, deren Existenz nur dazu dient, sich mit der Göttin zu vereinigen, und "Herbst" hat die Aufgabe, die jährlich Nachrückenden zu rekrutieren.

Alban Nikolai Herbst nimmt die "soziologische Einsicht, dass es keine über der menschlichen Gesellschaft stehende Beobachterperspektive geben, dass Gesellschaft nur von innen beobachtet und beschrieben werden kann. …" (58) sehr ernst. Er "macht ernst mit der Binnenperspektive und verweigert den Blick aufs Ganze. Er macht den Autor, also sich selbst, zum Teilnehmer der Geschichte, er lässt ihn und also sich selbst hineinsaugen in die ‚Matrix'…" (59)

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3. …die Zeit, die Zeit! Von Aristoteles bis Heidegger

Den Tod/ büßt man/ lebend ab (60)

 

 


Die Zeit ist ein die Menschheit seit jeher begleitendes Phänomen - und "philosophisch immer eine harte Nuss gewesen…" (61) schrieb Sartre.
Folgt man Aristoteles, ist "Zeit" etwas "an dem Bewegungsablauf" (62), also die Veränderung irgendeiner spezifischen Eigenschaft eines Gegenstandes. "Aber wo Bewegung ist, muss noch lange keine Zeit sein." (63) Denn auch die Uhr - das Messinstrument für Zeit per se - zeichnet sich selbst nur durch gleichförmige Bewegung von Zeigern oder Zahlen aus. Folglich wird nicht die Zeit selbst erfasst, sondern lediglich zwei oder mehrere Bewegungen ins Verhältnis zueinander gesetzt.
Isaak Newton setzt dem Aristotelischen Ansatz die absolute Zeit entgegen, die von Bewegungen losgelöst existiert und unabhängig abläuft. Einstein relativiert Newtons absolute Zeitauffassung in der Speziellen Relativitätstheorie, in der die Zeit als eine Ordnungsform der Materie mit dem Raum verschmilzt.(64) Ein sich schneller als Lichtgeschwindigkeit bewegender Körper ist demnach zeitlich sogar rückläufig. (65) Diese Ansätze aber geben bis jetzt ebenso wenig für die Analyse der Sizilischen Reise her wie Kant, der die Bestimmung der Zeit als Anschauungsform a priori setzt und damit meint, dass Sinneseindrücke vom Menschen notwendigerweise zeitlich strukturiert wahrgenommen werden.

Die Sizilische Reise ist der "Fantastische Bericht" eines Ich-Erzählers; folglich haben wir es auch mit subjektiver Wahrnehmung von Zeit zu tun. Es kann hier also nicht um die abstrakte Zeit als solche gehen, sondern um einen subjektiven Zeitbegriff. Objektiv betrachtet kann die Zeit - entgegen unseres Empfindens - nicht fließen: Vergangenheit und Zukunft sind in der Gegenwart, im Augenblick nicht "da". Es muss sich ihr über die Wahrnehmung genähert -, sie muss von "innen" verstanden werden.

Näher heran kommt vielleicht Heideggers Definition des Daseins als ein "Sein zum Tode" (66) - der Tod ist keine Augenblickserfahrung, sondern begeleitet den Menschen sein gesamtes Leben über als Größe der zeitlichen Ausrichtung. Das Leben ist "lebendiger Tod"; der Tod ist nicht Moment, sondern der Widerspruch des Lebens im Leben selbst. (67) Es geht Heidegger um die eigentliche Seinsweise, die Analyse der - gefühlten - Grundbefindlichkeit. In ihr offenbart sich die ursprüngliche zeitliche Struktur. Folglich ist die "Zeit" in Heideggers Sinn der Oberbegriff für Gefühle und Gefühlswelten.

Augustinus von Hippo analysiert im 11. Buch der Bekenntnisse die Zeit und entwickelt eine Wahrnehmungstheorie. Er bezeichnet Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft als Erinnerung, Augenschein und Erwartung. (68) Die Seele spannt einen Bogen über das Jetzt hinaus von erinnerten zu erwarteten Eindrücken. Die "Zeit" ist damit eine Leistung der Seele; eine innere also, keine objektiv-äußere Angelegenheit. Noch tiefer taucht Husserl in dieses Phänomen ein. Er geht von einem "inneren Zeitbewusstsein", einem Bewusstseinsstrom, mit zeitlicher Ausrichtung aus. (69) Das Jetzt als einzelner Punkt auf der Zeitgeraden ist das Nadelöhr, durch den der Zeitfaden läuft und das das Zukünftige in Vergangenes verwandelt. Isoliert von Vergangenem und Zukünftigem hat der Moment keine Bedeutung. Erst Retention (Nah-Erinnerung) und Protention (Nah-Erwartung) binden den Moment der Gegenwart in einen Bedeutungskontext ein. (70) Anders wäre es gar nicht möglich, eine Abfolge von Tönen als Melodie oder Buchstaben als Wörter, gar Sätze als zusammenhängende Texte wahrzunehmen.

Zeit ist also neben der festgelegten Richtung auch über Inhalte definiert, die sich innerhalb der Zeit bewegen. Das menschliche Bewusstsein hat eine eigene Zeit, die sich über die erlebte Gegenwart hinaus erstreckt, die aber trotzdem innerhalb der Vergangenheit zeitlich strukturiert ist: die Reihenfolge von vergangenen Ereignissen ist - im Gegensatz zu Zukünftigem - ganz genau festgelegt und nicht mehr änderbar. (71) Verwendet man jedoch die Metapher eines Filmstreifens, auf dem genau festgelegt ist, welches Ereignis sich zu welchem Zeitpunkt der Abfolge findet, gilt selbiges auch für die Zukunft: sie ist damit determiniert. Dies gilt für den Protagonisten der Sizilischen Reise: sein Schicksal ist vorherbestimmt und nicht änderbar.

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4. Die ewige Gegenwart

 

"…quia tempus non erit amplius"
Es soll hinfort keine Zeit mehr sein.
Offenbarung 10,6

 

 

 

4.1. Verschleifungen

Die Reisezeit des Protagonisten erstreckt sich über etwa eineinhalb Wochen und umspannt damit die gesamte erzählte Zeit der Sizilischen Reise. Auffallend ist in all den historischen und mythischen Bezügen und Rückkopplungen das durchgehend erzählende Präsenz. Oftmals beginnt beispielsweise ein sozialkritischer Bericht über die Situation in Siziliens Städten, um in ein mythisches Bild zu münden. Oder Herbst beginnt mit historischem, um sogleich den Bogen zum status quo des heutigen Siziliens zu spannen:

Der Vatikan hat, was hierzulande wie nirgendwo sonst ungebändigt aus heidnischen Zeiten hervorbricht, sich restlos integrieren können. Die protestantischen Christen haben es ausrotten, es zerschmettern wollen, der Katholizismus benutzt es. Benutzt die römischen Machtstrukturen, die soziale Not, die Prostitution… Der Antisemitismus ist business für ihn, der Faschismus kommt so recht wie die Mafia. Im Grunde ist er sein eigener Antichrist. (72)

Berichtet der Ich-Erzähler von historischen Ereignissen, die an diversen Orten, die er besucht, einst stattgefunden haben, so wählt er auch hier das Präsenz: Nachdem 1669 der Ätna große Teile der Stadt unter Lavamassen vergräbt und 1693 ein Erdbeben fast den gesamten Südosten des Landes in Schutt und Asche legt, werden die wichtigsten Baumeister berufen und bauen binnen kürzester Zeit die Städte Catania, Noto, Modica wieder auf… (73) Der Autor bindet vergangene Ereignisse in die erzählte Jetztzeit ein, verschränkt sie miteinander und hebt sie damit auf eine Zeitebene. Die Grenzen zwischen Vergangenem und Jetzt verschwimmen, ja werden in Frage gestellt: Die punischen Kriege sind niemals zuende gewesen. Sie schwelen bis heute. (74)
Die Übereinanderlegung mit der narrativen Zeit geschieht auch den Mythen. Besonders geballt begegnet ihnen der Leser in der Gegend um Enna - aufgrund der großen Nähe zum Lago Pergusa und damit zur mythischen Dreifaltigkeit. Momenthaft füllt ein uralter Stolz das junge Gesicht (75) Cianes und lässt die Wurzeln erahnen. Herbst lässt seine Variante des Mythos' des Tochterraubes und die Trauer ihrer Mutter Demeter ebenfalls im Präsenz erzählen. Die trauernde Mutter versinnbildlicht sich in einer Prozession alter Frauen zum Lago Pergusa, welche der Mythen-Tochter am Ufer ihres Grabes Narzissen niederlegen - eben jene Blumen, die dem jungen Mädchen zum Verhängnis wurden. Ihren Töchtern begegnet der Leser bereits in Enna; denen, die noch verloren werden. Die feste und ausschließliche Bindung an einen Mann - wie sie auch Persephone in der Ehe zu Hades eingeht - bricht den Mythos der Fruchtbarkeit. Persephone ist nicht mehr "fruchtbar", die Ehe macht sie zur Todesgöttin. Der Tod als zwingendes Ende der Fruchtbarkeit und im ewigen Kreislauf des Lebens ereilt die Frau durch die monogame Bindung verfrüht. Jenseits der dreißig indessen, verheiratet und zur Mutter geworden verfetten sie in der Monogamie. (76)

Historische, mythische und erzählte Jetztzeit werden also übereinander gelegt und miteinander verschliffen. Die Vergangenheit greift bis hinein in das Jetzt und darüber hinaus: Stolze Damen schreiten die Straßen entlang, man spürt die Universität, 1434 gegründet, Intelligenz als Tradition. (76) Die Historie und ihre Mythen leben auf Sizilien beständig fort, sie sind überall stets präsent. Auch in Zukunft wird sich dies nicht ändern. Die Zeit auf Sizilien scheint geradezu fixiert. Alle Zeit fließt zusammen und implodiert in einem Zeitpunkt der ewigen Gegenwart.

Nur ein einziges Mal durchbricht der Autor die "Tradition" des Präsenz' und greift zurück auf das Präteritum: wenn er "Herbst" über dessen eigene frühere Erlebnisse berichten lässt. Damit wird "Herbst" eine eigene Vergangenheit zugestanden, die der Namenlose durch sein Nur-Figur-Sein nicht hat. In der fehlenden Vergangenheit des Ich-Erzählers begründet sich ergo das stete Erzähl-Präsenz der gesamten Reise.

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4.2. Zeitreisen

In die Reisezeit eingebettet sind die Zeitreisen des Protagonisten. Dazu zählen nicht nur die gedanklichen Ausflüge des Ich-Erzählers in die Historie Siziliens und seine Mythen. Gleichwohl treten Irritationen der erzählten Zeit auf. Die erste deutliche Störung der Zeit findet sich während der ersten Begegnung zwischen dem Namenlosen und dem Mädchen Ciane. Sie äußert sich durch die Fehlfunktion seiner Uhr - die Zeiger "spielen verrückt". Sie springen um Stunden nach vorn und wieder zurück: mal ist es um drei, mal halb zwölf. (78) Der Bewegungsablauf der Zeiger widerspricht dem für den Protagonisten subjektiv chronologischen Ablauf der Geschehnisse und damit seinem inneren Zeitbewusstsein. Es stellt sich die Frage nach der Gültigkeit und "Wirklichkeit" der subjektiven Wahrnehmung. Ist wirklich die Zeit aus den Fugen geraten oder sein Zeitempfinden? Sie beantwortet sich in der zweiten Begegnung der beiden: durch den rückwärts gewandten Lauf der Sonne während der Bootsfahrt. Sie geht im Westen auf und steigt zur Mittagsstunde gen Osten empor. Zudem läuft der Tag rückwärtig ab. Denn nicht nur, dass die Sonne entgegen des normalen Laufs aufgeht, sie wird auch von einer Abendstimmung begleitet. Neben der rückwärts gewandten Zeitperspektive findet sich außerdem ein Vorausgriff auf zukünftige Ereignisse. Der Namenlose wird von der in einen Wolf verwandelten Ciane durchs Dickicht gejagt und gebissen. Damit wird seine Bestimmung endgültig festgelegt: er soll sich in einen Wolf verwandeln, um sich im Ritual mit der Göttin zu vereinigen. In der Begegnung zwischen Ciane und dem Namenlosen gibt ihm das Mädchen sowohl eine Vergangenheit, in die er reist, und manisfestiert gleichzeitig seine Bestimmung, gibt ihm also eine Zukunft, die jedoch ein "Sein zum Tode" ist.

Beide Begegnungen finden in relativer Nähe zu Enna und dem Lago Pergusa statt - dem mythischen Ort der Dreifaltigkeit. Es scheint, als ob hier mehr als irgendwo sonst auf Sizilien die Macht der Göttin gebündelt sei, deren Kraft sogar in den "normalen" Zeitablauf der narrativen Zeit hineinzugreifen vermag.

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5. Fazit


Die Zeit, ob als Maßeinheit und Vergleichsgröße oder als philosophisches Phänomen, ist seit Jahrhunderten ein von Männern besetztes Thema. Männer schufen Uhren und damit eine neue Zeit, die in anderen Größen rechnet als der Lauf der Natur. Männer setzten sich mit ihr auseinander und suchten das Phänomen Zeit zu ergründen. Je weiter man sich aus der Vergangenheit der narrativen Jetztzeit - die in unserer heutigen Gegenwart verankert ist - nähert, desto stärker wird das Leben von Zeit bestimmt. Doch auf Sizilien gehen die Uhren anders, wie die Redewendung sagt. Vielleicht liegt es daran, dass hier der Mythos von Enna seit jeher wirkt. Und vielleicht ist auch diese Tradition inzwischen vom Patriarchat zu sehr bedroht, weswegen ein Gegengewicht gesetzt werden muss. Jede Einseitigkeit macht krank. Krankheit bedeutet eine Beeinträchtigung des Lebens und führt schlimmstenfalls zu seinem Ende, wenn keine Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Vielleicht sind dies die Gründe für Madame Tanit, wieder ein Gleichgewicht zwischen patriarchalem und matriarchalem Element herzustellen. Sie vertritt das Lebensprinzip, wie "Herbst" es nennt. (79) Und Arndt spricht von einer alten Harmonie, die im geheimen immer noch währe. (80) Die Göttin Harmonia ist nach Nonnos die mächtige, alle ernährende Göttin; sie ist die personifizierte Harmonie. (81)
Die Grenzen zwischen den Zeiten der Sizilischen Reise, ob historisch oder mythisch, verschwimmen. Sie werden miteinander verschmolzen. Dem Text geschieht, was dem Protagonisten widerfährt: der Text selbst bewegt sich in den Schlaufen einer ewigen, unabänderlichen Gegenwart.
Dies wiederholt sich in der Verschleifung der Genres. Elemente der Phantastik, wie etwa die Zeitreisen und - schleifen, verbinden sich mit den mythischen Elementen. Darunter mischen sich zahllose sozialkritische und Realberichte, häufig in Gestalt von Kneipenszenen zu finden, und Elemente des Kriminalromans - etwa der den Namenlosen stets verfolgende "Telefonierer" oder Arndts Hinweis, er werde beobachtet werden.

Die Jördsdottir, oder Tanit, sucht ihre Macht wieder zu stärken. Gebündelt und manifestiert wird diese durch das Venussiegel, das in viele Einzelteile verstreut ist. Solang diese noch nicht zusammengetragen sind, muss ihre Macht durch das sich jährlich wiederholende Ritual der Vereinigung der Göttin mit einem Wolf erneuert werden. "Herbst", Arndt und der Protagonist - ebenfalls eine Trias als Gleichgewicht zur Entität der Demeter - macht sie zu ihren Helfern.
"Herbst" und Tanit führen gemeinsam den zeitlosen Kampf zwischen Mann und Frau, ziehen Fäden, reagieren auf Schläge des Gegners Patriarchat. Das "Erzählsystem generiert sich selbst".(82) In dieser Zeitlosigkeit manifestiert sich das Lebensprinzip. Auch deshalb braucht es keine Vergangenheit und keine Zukunft.

 


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Endnoten:

1 Wäre dem nicht so, müssten Gegenstände mit verschiedenen "Zeitgeschwindigkeiten" in die Vergangenheit oder in die Zukunft entschwinden. Auf diesem Gedanken beruhen alle Zukunftsromane, die von Reisen in die Zeit handeln, die aber - genau genommen - Reisen aus dem Strom der Zeit heraus sind, vgl. Watzlawick, Paul, Wie wirklich ist die Wirklichkeit?, München, 2004, S.221.
2 Herbst, Alban Nikolai, Eine Sizilische Reise. Fantastischer Bericht, München 2002.
3 vgl. Simonis, Annette, Zeitbilder und Zeitmetaphern der Moderne. Zum Wandel temporaler Vorstellungsbilder in der modernen Literatur und im (natur)wissenschaftlichen Diskurs, in: A. Simonis, L. Simonis (Hrsg.), Zeitwahrnehmung und Zeitbewusstsein der Moderne, Bielefeld 2000, S. 89.
4 "Bericht" hat Edgar Alan Poe seinen Arthur Gordon Pym genannt, einer der berühmtesten fantastischen Romane der Weltliteratur.
5 Vgl. Mecke, Jochen, Kritik narrativer Vernunft. Implosionen der Zeit im nouveau roman, in: Tholen, Georg Christoph, Scholl, Michael, Zeit-Zeichen. Aufschübe und Interferenzen zwischen Endzeit und Echtzeit, Weinheim, 1990, S. 157-175.
6 Herbst, Briefe aus Catania. Ein Poetisches Feature, Catania/ Berlin 2003, S. 2 f.
7 Herbst, Reise, S. 28.
8 Vgl. Göttner-Abendroth, Die Göttin und ihr Heros, erw. und vollst. Überarb. Auflage, München 1993, S.46-51.
9 Herbst, Reise, S. 205.
10 Autopoesis: Hier ist v.a. an die Anderswelt-Trilogie (seit 1998 2 Bände erschienen) zu denken, in der die Autopoesis besonders deutlich zum Tragen kommt. Doch bereits in Wolpertinger oder Das Blau (1993) findet sich diese, im deutschen Sprachraum einzigartige literarische Spielart, vgl. auch Schnell, Ralf, Geschichte der deutschsprachigen Literatur seit 1945, 2. überarb. und erw. Auflage, Stuttgart 2003, S. 602, 604f.
11 Calasso, Roberto, Die Hochzeit von Kadmos und Harmonia, Frankfurt/M. 1993, S. 224.
12 Ferragosto bezeichnet den Feiertag Mariä Himmelfahrt.
13 Herbst, Reise, S. 11.
14 Ebd., S. 28 f.
15 Erinnerung, Augenblick und Erwartung: so bezeichnet Augustinus im 11. Buch seiner Bekenntnisse die subjektiven Kategorien des Zeitempfindens. Nach A. erstreckt sich die Seele erinnernd und erwartend über den Augenblick hinaus in Vergangenheit und Zukunft. vgl. Augustin, Banner, S. 11. Ich greife hier bewusst auf Augustinus zurück und nicht auf Husserl o.a., da dieser in Hippo, an der Mittelmeerküste Afrikas wirkte und folglich eine gewisse - nicht nur historische - Nähe zu Sizilien besteht.
16 Man denke hier nur an Patienten mit temporalem oder gar vollständigem Gedächtnisverlust.
17 Dies gilt im Übrigen auch für die anderen Figuren, vgl. Schnell, Geschichte der deutschsprachigen Literatur, S. 604.
18 Herbst, Reise, S. 199.
19 Ebd., S. 202.
20 Ebd., S. 200, vgl. Platons Ideenlehre, siehe außerdem dazu Fußnote 36.
21 Vgl. z.B. Herbst, Der Arndt-Komplex, Reinbek bei Hamburg, 1997; Herbst, Teile eines Gespräches…, o.J., www.albannikolaiHerbst.de/txt/pdf/sizilien.pdf.
22 Herbst, Teile eines Gespräches…, PDF-S. 72.
23 Herbst, Reise, S. 49.
24 Vgl. Herbst, Der Schut, o.J. Hier wird deutlich, dass sich der Name des Gewehrs aus Platons Ideenlehre ableitet; folglich repräsentiert das Gewehr die IDEE dessen, was damit zu tun möglich ist. Vgl. dazu auch W. Benjamin: "Immer wieder wird als eine der tiefsten Intentionen der Philosophie in ihrem Ursprung, der Platonischen Ideenlehre, sich der Satz erweisen, dass der Gegenstand der Erkenntnis sich nicht deckt mit der Wahrheit. Erkenntnis ist erfragbar, nicht aber die Wahrheit." Folglich ist das Gewehr als Tötungsinstrument der Erkenntnisgegenstand, der zwar die Möglichkeit repräsentiert, nicht aber die Wahrheit resp. Realität des Ergebnisses als Folge der Entscheidung für eine der Möglichkeiten, zit. nach: Benjamin, Walter, Ursprung des deutschen Trauerspiels, Frankfurt, Main, 1990, S. 11.
25 Vgl. Herbst, Teile eines Gespräches…, S. 74, Herbst, Der Schut, S. 1.
26 Herbst, Der Schut, S. 1, Herbst, Reise, S. 48.
27 Herbst, Reise, S. 48.
28 Walker, Barbara, Das geheime Wissen der Frauen, Frankfurt/ Main 1993, S. 174
29 Ebd., S. 435-443. Daher fassten semitische Patriarchen den Beinamen "Hund" als Beleidigung auf. Der Islam verbot sowohl Frauen als auch Hunden, sich einem Heiligtum zu nähern. Ebd., S. 439.
30 Herbst, Reise, S. 28.
31 Die Trias besteht in sämtlichen Mythologien aus dem jungen Mädchen [steht für das (Heran-)Wachsen], der Frau [in der Mitte des Lebens, schenkt Leben, steht also für Fruchtbarkeit] und der Alten/ Greisin [steht für den Tod]. Die rote Farbe wird jedoch auch mit der jungfräulichen Göttin assoziiert, man denke hierbei an das Märchen von Rotkäppchen. Vgl. Walker, Frauen, S.1182.
32 Göttner-Abendroth, Göttin, S. 32f., vgl. außerdem das Vorwort des Buches.
33 Nach Ranke-Graves, Robert, Die Weiße Göttin. Sprache des Mythos, Reinbeck bei Hamburg 1995, S. 76.
34 Vgl. ebd., S. 120-125.
35 Ebd., S. 111.
36 Sie ist die Hauptfrau des Baal Mammon. Ursprünglich eine niedere Gottheit, lösten Tanit und ihr Gemahl im 5. Jhd. v. Chr. Astarte und Melkart als die Hauptgötter der Punier ab, vgl. www.daswillichwissen.de/Tanit.
37 Vgl. Göttner-Abendroth, Göttin, S. 33, Ranke-Graves, Mythologie, S. 80f.
38 Herbst, Reise, S. 30.
39 Ranke-Graves, Mythologie, S. 81.
40 Ders., Die weiße Göttin, S. 403, Ashtarot tritt auch als Astarte auf, Göttin der Phönizier. Der Ashtarot/ Astarte-Kult ist oft verknüpft mit sexuellen Ausschweifungen. Zur Befriedung dieses Volkes ließ Salomon dieser Göttin nach Annexion des Landes einen Tempel errichten, vgl. 2. Könige 23,13: "Auch die Höhen, die östlich von Jerusalem waren, zur Rechten am Berge des Verderbens, die Salomo, der König von Israel, gebaut hatte der Astarte […] machte der König unrein und zerbrach die Steinmale und hieb die Ascherabilder um…".
41 Herbst, Alban Nikolai, Online-Tagebuch, Eintrag vom 22.11.2004, http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/409975/.
42 Vgl. Gespräch zw. "Herbst" und Protagonist, Herbst, Reise, S. 202f.
43 Herbst, Reise, S. 72. Goethes Eindrücke von Enna 1787 entsprechen, nach seinem Italien-Reisebericht, nicht denen des Herbstschen Protagonisten: "Das alte Enna empfing uns sehr unfreundlich: ein Estrichzimmer mit Läden ohne Fenster, so daß wir entweder im Dunkeln sitzen, oder den Sprühregen, dem wir soeben entgangen waren, wieder erdulden mußten. Wir taten ein feierliches Gelübde, nie wieder nach einem mythologischen Namen unser Wegeziel zu richten." zit. nach http://gutenberg.spiegel.de/goethe/italien/ital18b.htm vom 14.12.2003. Vielleicht ist auch darin der Grund für sein evtl. parodistisches Monodrama "Proserpina" zu suchen, vgl. Fink, Gerhard, Who's who in der antiken Mythologie, München 1993, S. 250.
44 Ebd., S. 100.
45 Ovid berichtet, dass Kore Mohnblumen pflückte - ein typisches Attribut der Demeter, vgl. Ranke-Graves, Mythologie, S. 83, Herbst aber lässt sie Narzissen pflücken, siehe dazu auch Calasso, Roberto, Die Hochzeit von Kadmos und Harmonia, Frankfurt/ Main, 1993, S. 224ff.
46 Ovid, Metamorphosen, 5. Buch, darin "Ceres": "Ein tiefflutender See ist Hennas Mauren benachbart, Pergus mit Namen genannt." Henna steht hierbei für die Stadt Enna.
47 Ranke-Graves, Die weiße Göttin, S. 403.
48 Göttner-Abendroth, Göttin, S. 74.
49 Herbst, Reise, S. 98.
50 Ebd., S. 30.
51 Walker, Frauen, S. 1180.
52 Ebd.
53 Ebd., S. 1187.
54 Herbst, Reise, S. 100.
55 Ebd., S. 128, Die Göttin der Phönizier war Astarte, auch - Ashtarot.
56 Walker, Frauen, S. 1180ff.
57 Ebd., S. 1181.
58 Malsch, Thomas, Vom Wiedereintritt des Autors in seine Geschichte, in: Kron, Thomas, Schimank, Uwe (Hrsg.), Die Gesellschaft der Literatur, Opladen 2004, S. 46.
59 Ebd.
60 Giuseppe Ungaretti in seinem Gedicht Ich bin eine Kreatur von 1916, in: Ungaretti, Giuseppe, Gedichte, Frankfurt/ M. 1961, S. 43.
61 Sartre, Jean-Paul, Tagebücher. Les carnets de la drole de guerre. September 1939-März 1940, Reinbek 1996, zit. nach: Augustin, Frank, Unter dem Banner der Zeit. Die Jagd auf ein Phantom, in: der blaue reiter, Nr. 5, S. 12.
62 Augustin, Banner, S. 8.
63 Ebd.
64 Nach der Allgemeinen Relativitätstheorie steht auch die Gravitation mit der Zeit in Verbindung, vgl. Augustin, Banner, S. 9.
65 Watzlawick, Wirklichkeit, S. 227.
66 Augustin, Banner, S. 10.
67 Ebd.
68 Augustin, Banner, S. 11.
69 Ebd.
70 Ebd.
71 Sommer, Manfred, Edmund Husserls Phänomenologie des Zeitbewusstseins, in: der blaue reiter, Nr.5, S. 13
72 Herbst, Reise, S. 73f.
73 Ebd., S. 87.
74 Herbst, Reise, S. 49.
75 Ebd., S. 101.
76
Ebd., S. 72.
77 Ebd., S. 88.
78 Ebd., S. 99ff.
79 Herbst, Reise, S. 205.
80 Ebd., S. 48.
81 Fink, Who's who, S. 119.
82 Schnell, Geschichte, S. 604.


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Quellen- & Literaturverzeichnis:

Verwendete Werkausgabe:
HERBST, Alban Nikolai, Eine Sizilische Reise. Fantastischer Bericht, Frankfurt/ Main 2002.

Weitere Texte ANHs:
Herbst, Alban Nikolai, Der Arndt-Komplex, Reinbek bei Hamburg 1997.
HERBST, Alban Nikolai, Menschenjäger, 1992,
www.albannikolaiherbst.de/txt/pdf/menjaeger.pdf am 18.11.2004.
HERBST, Alban Nikolai, Der Schut, o.J.,
www.albannikolaiherbst.de/txt/pdf/schut.pdf am 18.11.2004.
HERBST, Alban Nikolai, Teile eines Gespräches, das der Biograph mit Arndt 1987 in Sizilien führte, o.J.,
www.albannikolaiherbst.de/txt/pdf/sizilien.pdf 18.11.2004.
HERBST, Alban Nikolai, Briefe aus Catania. Ein Poetisches Feature (Hörstück), 2003, www.albannikolaiherbst.de/txt/pdf/briefe_aus_catania.pdf am 18.11.2004.
HERBST, Alban Nikolai, Die Dschungel. Anderswelt. Online-Tagebuch (Weblog), http://albannikolaiherbst.twoday.net.

Sekundärliteratur:
AUGUSTIN, Frank, Unter dem Banner der Zeit. Die Jagd auf ein Phantom, in: der blaue reiter, Nr. 5, S. 8-12.
BENJAMIN, Walter, Ursprung des deutschen Trauerspiels, Frankfurt/ Main 1990.
DEUTSCHE Bibelgesellschaft (Hg.), Die Bibel. Luthertext, Stuttgart 1991.
CALASSO, Roberto, Die Hochzeit von Kadmos und Harmonia, Frankfurt/ Main, 1993.
FINK, Gerhard, Who's who in der antiken Mythologie, München 1993.
GOETHE, Johann Wolfgang von, Italienische Reise, zit. nach http://gutenberg.spiegel.de/goethe/italien/ital18b.htm vom 14.12.2003
GÖTTNER-ABENDROTH, Die Göttin und ihr Heros, erw. und vollst. überarb. Auflage, München 1993.
KÜHLMANN, Wilhelm, Postmoderne Phantasien. Zum mythologischen Prosawerk von Alban Nikolai Herbst, in: EUPHORION 4/2003, S. 1-17.
MALSCH, Thomas, Vom Wiedereintritt des Autors in seine Geschichte, in: Kron, Thomas, Schimank, Uwe (Hrsg.), Die Gesellschaft der Literatur, Opladen 2004, S. 45-80.
MECKE, Jochen, Kritik narrativer Vernunft. Implosionen der Zeit im nouveau roman, in: Tholen, Georg Christoph, Scholl, Michael (Hg.), Zeit-Zeichen. Aufschübe und Interferenzen zwischen Endzeit und Echtzeit, Weinheim 1990, S. 157-175.
OVID, Metamorphosen, 5. Buch, darin "Ceres", zit. nach http://gutenberg.spiegel.de/ovid/metamor/meta053.htm
RANKE-GRAVES, Robert, Griechische Mythologie. Quellen und Deutscung, Reinbek bei Hamburg 1992.
DERS., Die Weiße Göttin. Sprache des Mythos, Reinbek bei Hamburg 1995.
SCHNELL, Ralf, Geschichte der deutschsprachigen Literatur seit 1945, 2. überarb. und erw. Auflage, Stuttgart 2003.
SIMONIS, Annette, Zeitbilder und Zeitmetaphern der Moderne. Zum Wandel temporaler Vorstellungsbilder in der modernen Literatur und im (natur)wissenschaftlichen Diskurs, in: Simonis, Annette, Simonis, Linda (Hg.), Zeitwahrnehmung und Zeitbewusstsein der Moderne, Bielefeld 2000, S. 89-122.
SOMMER, Manfred, Edmund Husserls Phänomenologie des Zeitbewusstseins, in: der blaue reiter, Nr.5, S. 13-16.
UNGARETTI, Giuseppe, Gedichte. Italienisch und deutsch in der Übertragung von Ingeborg Bachmann, Frankfurt/ M. 1961.
WALKER, Barbara, Das geheime Wissen der Frauen, Frankfurt/ Main 1993.
WATZLAWICK, Paul, Wie wirklich ist die Wirklichkeit?, München 2004.

Anfangszitat aus:
NERUDA, Pablo, Las muchachas, in: ders., Liebesgedichte, spanisch/ deutsch, München 2002, S.80.

*) Mädchen, die ihr die große
Liebe suchtet, die große schreckliche Liebe,
was ist gewesen, was ging vorbei?

Vielleicht
die Zeit, die Zeit!
[...]





Autorin: Ricarda D. Herbrand
Hochschule: FSU Jena
Veranstaltung: Zeit in der Literatur (HpS) WS 2003/04 (D: Heinz)
Benotung: 1,7

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