Die Bedeutung der Kommunikation (Propaganda und Medien) für die Gesellschaft in der Zeit des Nationalsozialismus

 

 

 

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1. EINLEITUNG
Um die Bedeutung der Kommunikation für die Gesellschaft im Dritten Reich zu erarbeiten ist es wichtig, zu zeigen, wie sich die Medien - insbesondere die neuen Medien Rundfunk und Fernsehen - entwickelten und welche Veränderungen es u.a. im Pressewesen gab. Ich werde kurz aufzeigen, welche Tendenzen vor 1933 zu beobachten waren und wie die Nationalsozialisten diese dann vor, während und nach der Machtergreifung nutzen konnten.
Doch wie konnte in so kurzer Zeit ein einheitliches Echo in der Medienlandschaft erzeugt werden? Wie wurden die Medien in den Dienst der neuen Machthaber im Reich gestellt?
Es wird weiterhin interessant sein zu erfahren, welche Personen und Institutionen mit der Verbreitung der nationalsozialistischen Ideologie beauftragt waren, stellvertretend seien hier das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda sowie Joseph Goebbels genannt.
Die Nationalsozialisten setzten die Medien gezielt für sich und ihre Ideologie ein. Doch entscheidend ist, ob diese Einflußnahme auf das Bewußtsein der Menschen seine beabsichtigte Wirkung erzielte oder doch verfehlte. Dazu werde ich die (Aus-)Nutzung der Medien, welche zur damaligen Zeit zum Einsatz kommen konnten, darzustellen versuchen.
Ich werde an von mir ausgewählten Beispielen zeigen, wie die Propagandamaschinerie arbeitete, um den Menschen in Deutschland und der Welt die Friedensliebe der Nationalsozialisten zu präsentieren.

2. PROPAGANDA


2.1. DIE SITUATION VOR 1933
Wenn man sich mit Propaganda und Medien im Dritten Reich befaßt, muß auch untersucht werden, auf welche Entwicklungen die Nationalsozialisten aufbauen konnten, um ein doch so umfassendes Instrumentarium zur Massenbeeinflussung zu errichten.
Hitler erkannte schon am Beginn seiner politischen Karriere die Möglichkeiten, welche die moderne Propaganda bereithielt. So drängte Hitler die NSDAP im Jahre 1920 zum Kauf eines eigenen Parteiblattes, des Völkischen Beobachters, obwohl dieser Erwerb kaum finanzierbar schien. Auch war er es, der auf unverwechselbare Parteisymbole Wert legte und der die Aufwertung des Saalordnerdienstes zur schlagkräftigen Parteitruppe durchsetzte. Der Völkische Beobachter, die roten Hakenkreuz- Standarten und die SA waren für Hitler "bewußt gewählte und gezielt einzusetzende Mittel der Propaganda".
Mit dem unbestreitbar wirkungsvollsten Redner der Partei, Adolf Hitler, galten Veranstaltungen der NSDAP in den frühen zwanziger Jahren als besonderes Erlebnis. Die Nationalsozialisten wußten schon damals, was Stimmung bringt. Öffentliche Kundgebungen, organisiert als Großveranstaltungen mit Marschmusik, Fahnenschmuck und SA-Aufmärschen waren weitaus besser geeignet, die noch mitgliederschwache Partei zu präsentieren, als Treffen in öden Wirtshaus- Hinterzimmern, wie von anderen Parteien praktiziert.
Auch beim Aufbau des Rundfunks konnten die Nationalsozialisten die Rundfunkreform, die Franz von Papen im Sommer 1932 begonnen hatte, konsequent fortführen.
Desweiteren begannen sie schon frühzeitig mit dem Ausbau eines funktionierenden Propagandaapparates.
Im Sommer 1926 wurde Gregor Straßer Gauleiter in Niederbayern und Reichspropagandaleiter der NSDAP, er aber überließ die Propagandaarbeit weitgehend seinem Adjutanten Heinrich Himmler. Nun wurde die Propaganda intensiviert. Himmler erließ Richtlinien für Propaganda- Aktionen. So sollte nach seinen Vorstellungen die Bevölkerung eines Gaus durch die zahlenmäßige Massivität von Parteiveranstaltungen beeindruckt werden. Er nannte 70 bis 200 Veranstaltungen innerhalb von sieben bis zehn Tagen, abhängig von Gaugröße, als Richtwert. Diese hohe Veranstaltungszahl mußte auch die gegnerische Presse zur Berichterstattung zwingen.
Alles in allem ist zu sagen, daß die NSDAP mit ihrer Propaganda nicht erst nach oder kurz vor der Machtergreifung begonnen hat. Bereits ab Mitte der zwanziger Jahre wurde die Partei als Propagandabewegung aktiv.


2.2. DAS REICHSMINISTERIUM FÜR VOLKSAUFKLÄRUNG UND PROPAGANDA
2.2.1. Die Gründung des RMVP
Auf Erlaß des Reichspräsidenten Hindenburg vom 13.März 1933 wurde das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda (RMVP) am gleichen Tag gegründet: "Für Zwecke der Aufklärung und Propaganda unter der Bevölkerung über die Politik der Reichsregierung und den nationalen Wiederaufbau des deutschen Vaterlandes wird ein Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda errichtet". Der Reichspropagandaleiter der NSDAP und Gauleiter des Gaus Berlin Dr. Joseph Goebbels wurde durch den Reichspräsidenten zum Chef des neugegründeten RMVP ernannt und somit zum jüngsten Minister im Kabinett. Goebbels leistete seinen Amtseid am 14.März 1933 und baute innerhalb weniger Tage (s)ein Ministerium auf.

2.2.2. Aufbau, Aufgaben und Ziele des RMVP
Adolf Hitler bestimmte in einer Verordnung vom 30.Juni 1933, das RMVP sei "zuständig für alle Aufgaben der geistigen Einwirkung auf die Nation, die Werbung für den Staat, Kultur und Wirtschaft, der Unterrichtung der in- und ausländischen Öffentlichkeit über sie und der Verwaltung aller diesen Zwecken dienenden Einrichtungen". Das Ministerium war somit federführend auf dem Gebiet der Massenmedien, der Kultur sowie der nationalsozialistischen Feiergestaltung. Daraus ist zu erkennen, daß die Aufgaben des Ministeriums sehr umfangreich waren, deren Durchführung und Erfüllung einzigartig war. Die Arbeitsweise wird an Goebbels' Zielvorlage deutlich: "Wir wollen die Menschen so lange bearbeiten, bis sie uns verfallen sind". Beeinflußt wurden die Menschenmassen durch die Reichsparteitage, Bücherverbrennungen, Großversammlungen, Berichte in Rundfunk und Presse, die Wochenschauen und mit Hilfe diverser anderer Maßnahmen.


2.3. PROPAGANDISTEN IM DRITTEN REICH UND IHRE AUFFASSUNGEN ZU PROPAGANDA
2.3.1. Der Redner Adolf Hitler
Adolf Hitler hatte seine Meinung über Propaganda und äußerte diese beispielsweise in seinem Werk Mein Kampf wie folgt: "Die Aufnahmefähigkeit der großen Masse ist nur eher beschränkt, das Verständnis klein, dafür die Vergeßlichkeit jedoch groß. Aus diesen Tatsachen heraus hat sich jede wirkungsvolle Propaganda auf nur sehr wenige Punkte zu beschränken und diese schlagwortartig zu verwerten, bis auch bestimmt der letzte unter einem solchen Worte das Gewollte sich vorzustellen vermag." "Aber [Hitler] hielt die ,richtige Verwendung von Propaganda für eine wirkliche Kunst', deren wichtigstes Ziel es sei, ,die gefühlsmäßige Vorstellungswelt der großen Masse' zu begreifen, um ,den Weg zur Aufmerksamkeit und weiter zum Herzen der Masse' zu finden. In Heftigkeit, Leidenschaft und Fanatismus sah Hitler ,die großen magnetischen Kräfte, die allein die Massen anziehen'. Und in wahnhaft visionärer Gewißheit fügte er hinzu: ,Völkerschicksale vermag nur ein Sturm von heißer Leidenschaft zu wenden; Leidenschaft erwecken aber kann nur, wer sie selbst im Inneren trägt.'."
Die Leidenschaft hat er mit seinen Reden zu verbreiten versucht, was ihm auch recht gut gelungen zu sein scheint, wenn man die jubilierenden Menschenmassen in zeitgenössischen Ton- und Filmdokumenten sieht. Das erste Mal sind Hitlers rhetorische Fähigkeiten an der Münchner Universität bezeugt, an der er in einen Informations- und Aufklärungskurs eingeschrieben war. Dort fiel er durch seine Leidenschaft in der Rede vor Zuhörern auf: "Herr Hitler ist [...] ein geborener Volksredner, der durch seinen Fanatismus und sein populäres Auftreten [...] die Zuhörer zur Aufmerksamkeit und zum Mitdenken zwingt."
Hitler sah in Kundgebungen und Großveranstaltungen die Kampfplätze des Redners, dessen Auftritte als dramaturgisch gegliederte Politspektakel zu inszenieren waren. Diese Dramaturgie ist beispielsweise erkennbar bei den Aufmärschen zu den jährlich stattfindenden Reichsparteitagen.
Er vertraute nicht allein auf die suggestive Wirkung seiner Auftritte, er arbeitete auch sorgfältig an seinen handwerklichen Fähigkeiten. So nahm er zeitweilig Sprachunterricht bei einem Opernsänger und erprobte vor dem Spiegel Handstellungen und Mimik auf ihre Wirksamkeit. Hitler hatte außerdem ein Gebrauchsrezept für den Einsatz von Propaganda: "Jede Propaganda hat, [...], ihr geistiges Niveau einzustellen nach der Aufnahmefähigkeit des Beschränktesten unter denen, an die sie sich zu richten gedenkt. Damit wird ihre rein geistige Höhe um so tiefer zu stellen sein, je größer die zu erfassende Masse der Menschen sein soll", schrieb er in Mein Kampf. Seine Reden mußten somit leicht verständlich und mitreißend sein, und sie waren geprägt vom Gedanken der "Volksgemeinschaft", des "Führermythos" und einfachen einprägsamen Botschaften: "Du bist nichts, ein Volk ist alles!" - "Ein Volk, ein Reich, ein Führer" sind zwei Beispiele für solche Botschaften; sie erfüllen die Ansprüche Hitlers (und Goebbels) - kurz, leicht verständlich und einprägsam, jeder verstand, was gemeint war. Auch ist in solchen kurzen Botschaften die Beschränkung auf wenige Punkte zu erkennen.

2.3.2. Der Propagandaminister Joseph Goebbels
Wer war Joseph Goebbels und wie verlief sein Weg zu einer der "bekanntesten Gestalten in der Führungsgruppe der NSDAP"?
Joseph Paul Goebbels wurde am 29.Oktober 1897 als dritter Sohn einer kleinbürgerlichen, streng katholischen Familie in Rheydt geboren. Der begabte Junge besuchte die städtische Oberrealschule und überschritt damit die zu jener Zeit festzementierten Klassenschranken, genoß das Privileg von Klavierstunden und einer humanistischen Bildung. Mit seinem Schulabschluß als Jahrgangsbester öffneten sich ihm die Pforten der Universität. Er studierte Philosophie, Kunstgeschichte und Literaturwissenschaft und promovierte zum Dr. Phil.. Im Jahre 1924 trat er der NSDAP bei, gehörte erst dem eher linksorientierten Flügel der Partei unter Gregor Straßer an, schwenkte dann aber auf die Linie Adolf Hitlers, der ihn 1926 zum Gauleiter von Berlin- Brandenburg machte und 1929 dann zum Reichspropagandaleiter der NSDAP. Nach den Wahlniederlagen 1932/33 trug Goebbels entscheidend dazu bei, daß Hitler nicht resignierte.
"Als Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda (ab dem 13.März 1933) hat Goebbels mit psychologisch geschickten Methoden Hitlers Machtstellung auszubauen verstanden, wobei er alle verfügbaren Mittel und vorrangig die Massenmedien Rundfunk, Presse und Film für die Inszenierung eines maßlos übersteigerten Personenkultes um die Person des ,Führers' einsetzte: Er hat damit eine Art ,Führermythos' geschaffen."
Goebbels erkannte wie kein anderer zeitgenössischer Politiker, welche Einflußmöglichkeiten der Rundfunk eröffnete. So ließ er Adolf Hitler nur noch in Städten auftreten, wo Übertragungsanlagen zur Verfügung standen.
Im Abschnitt 3. werde ich zeigen, welche Medien Goebbels gleichschaltete, und wie er sich diese mit Hilfe zahlreicher Gesetze (Schriftleitergesetz; Lichtspielgesetz u.a.) und Bestimmungen "gefügig" machte.
Joseph Goebbels Meinung zur Propaganda ist ähnlich der Adolf Hitlers. Diese findet man auch in der zeitgenössischen Reklametheorie wieder, die sich an dem Publizistik- Wissenschaftler Emil Dofifat orientierte. Sie beinhaltet fünf "Grundgesetze" der Propaganda: geistige Vereinfachung, Stoffbeschränkung, hämmernde Wiederholung, Subjektivität und gefühlsmäßige Steigerung. Diese wurden von Goebbels ebenso wie von Hitler angewandt. Goebbels schätzte den Intellekt der zu "bearbeitenden Masse" eher gering ein, wenn er meinte, daß diese die propagierte Absicht nicht merke, oder aber der Redner ein überragendes Talent haben muß. Dieses Talent scheint eine vorzügliche Rednergabe zu sein, der genaue Einsatz von Mimik, Gestik und all den anderen Dingen, die eine Massenbegeisterung hervorrufen.

3. MEDIEN UND IHR EINSATZ IM DRITTEN REICH


3.1. DIE PRESSE
3.1.1. Presselandschaft im Dritten Reich
3.1.1.1 Die Nationalsozialistische Parteipresse

Bei der Parteipresse handelte es sich nicht nur um ein oder zwei Blätter, nein, es waren bedeutend mehr, auch wenn ihre Auflagen teilweise unbedeutend waren.
So wurden 1932 lediglich der Völkische Beobachter, der Freiheitskampf (Dresden) und der Angriff in einer Auflage von über einhunderttausend Exemplaren gedruckt. Demzufolge las nur ein kleiner Teil der damals elf bis zwölf Millionen NSDAP-Wähler ein Parteiorgan. Die verkaufte Gesamtauflage der reichsdeutschen Tagespresse lag zwischen 500.000 und 750.000 Exemplaren.
Erst nach der Machtergreifung entwickelten sich viele der vor 1933 nahezu bankrotten "Kampfblätter" zu auflagestarken Tageszeitungen. So verfügte bald jede Parteiorganisation über eine eigene Zeitung. Die neuen Organe hießen Das Schwarze Korps (SS-Zeitung), Der SA-Mann, Der Arbeitsmann, Die deutsche Arbeiterfront. Dazu kamen noch die Organe der NS- Frauenschaft und der Jugendorganisationen. Jetzt hatten sich die Wirkungsmöglichkeiten der Propaganda enorm gesteigert, es gab kaum noch einen Deutschen, der nicht mindestens ein Parteiorgan las.
Der Völkische Beobachter, seit 1920 im Parteibesitz und schon vor 1933 deren größtes Blatt, entwickelte sich zur auflagenstärksten Zeitung im Reich, von 130.000 Exemplaren im Jahre 1933 auf ca. 1,7 Millionen Exemplare 1944. Zur Gewinnung breiter Leserkreise gab es eine Berliner, eine Norddeutsche, eine Münchner und eine Süddeutsche, nach 1938 auch eine Wiener Ausgabe. Das ermöglichte den Redaktionen auch regionale und lokale Begebenheiten zu berücksichtigen.
Joseph Goebbels gründete im Sommer 1927 die Zeitung Der Angriff und blieb bis 1933 auch deren Herausgeber. Dieses Kampfblatt hatte aber nicht den Stellenwert des Völkischen Beobachters.
Es gab auch Zeitungen, die nur ein Thema hatten, wie beispielsweise Der Stürmer. Es handelte sich bei dieser Zeitung jedoch nicht um ein Parteiorgan im engeren Sinne, sondern um den Privatbesitz des fränkischen Gauleiters Julius Streicher. Diese Zeitung kannte nur den Kampf gegen die Juden und schuf ein Klima der Angst und Einschüchterung, forderte regelmäßig mit fettgedruckten Parolen auf, jüdische Ärzte und Rechtsanwälte zu meiden. Der extrem antijüdische Charakter war in der Regierung keineswegs unumstritten, die brutalen Attacken des Stürmers gegen alles Jüdische riefen auch im Ausland Proteste hervor. So verschwand er während der Olympischen Spiele aus dem Straßenhandel. Goebbels und Hitler waren trotz ihrer antisemitischen Einstellungen selbstverständlich auch auf das Ansehen des Reiches nach außen bedacht und bei einem Großereignis wie den Olympischen Spielen durfte schließlich kein Wölkchen den Himmel der Gedanken der Völkerverständigung belasten.
Bei der Vielzahl der NS- Presseerzeugnisse ist es mir wichtig zu erwähnen, daß Auseinandersetzungen der Parteiführung mit den Bauleitern in der NSDAP Tradition hatten und nach der Machtübernahme keineswegs beendet waren. Ein einheitliches Echo im NS-Blätterwald konnte auch mit der Presselenkung nicht erzeugt werden.


3.1.1.2. Sonstige Tages- und Wochenzeitungen
1933 gab es in Deutschland ca. 3.400 Tageszeitungen, die offizielle NSDAP- Parteipresse mit 59 Tageszeitungen eingeschlossen. Zu den bekanntesten Nicht- NSDAP- Zeitungen kann man wohl die folgenden zählen: Frankfurter Zeitung, Berliner Tageblatt, Münchner Neueste Nachrichten, Hamburger Fremdenblatt. Diese Zeitungen nahmen die nationalsozialistischen Zumutungen (Schriftleitergesetz, Reichspressekonferenzen u.a.) vielfach erstaunlich sprachlos hin. Diese passive Haltung hing wohl mit einem vielleicht in erster Linie "bürgerlich- liberalen Unvermögen" zusammen, den Wesenskern der nationalsozialistischen Bewegung zu erfassen.


3.1.2. Personelle Säuberungen im Pressewesen
Der Zugang zu den Presseberufen sollte nicht wie bisher frei, sondern reglementiert sein. Dazu hatten sich Goebbels' Juristen ein Journalistengesetz und ein berufsständiges Kammersystem ausgedacht. Am 4.Oktober 1933 wurde vom Kabinett das Schriftleitergesetz verabschiedet. Dieses Gesetz regelte die Zulassung zu den Presseberufen, entband den Journalisten vom politischen Weisungsrecht seines Verlegers und nahm ihn in die Pflicht des Staates. Nur ein deutscher Reichsangehöriger von mindestens 21 Jahren, "arischer" Abstammung und nicht jüdisch verheiratet durfte Schriftleiter im Sinne dieses Gesetzes sein. Die Mitgliedschaft in der NSDAP war allerdings nicht erforderlich.
Kurz darauf wurde die Reichspressekammer gegründet, ein Bestandteil der Reichskulturkammer. Sie sollte die Vorschriften durchführen. Auch wurden die bisher selbständigen Verleger- und Journalistenorganisationen der Reichspressekammer einverleibt. Eine Mitgliedschaft in dieser Kammer oder dem entsprechenden Reichsverband war Voraussetzung für die Betätigung als Redakteur oder Verleger.


3.1.3. Presselenkung und Gleichschaltung
3.1.3.1. Die Reichspressekonferenzen und ihre Presseanweisungen

Während in den ersten Monaten nach den Märzwahlen 1933 noch relativ häufig Maßnahmen wie vorübergehende Verbote und Beschlagnahmungen gegenüber der bürgerlichen und konfessionellen Presse ausgesprochen wurden, welche mißliebige Nachrichten und Kommentare brachten, so wurden diese Maßnahmen bis 1935 zusehends seltener.
Zum wichtigsten Instrument der Vorzensur entwickelten sich die sogenannten Reichspressekonferenzen. Die Treffen fanden täglich kurz nach Mittag statt. Die Teilnahme wurde reglementiert. So mußten Zeitungen Zulassungsgesuche einreichen, die Journalisten ein polizeiliches Führungszeugnis und einen Lebenslauf. Die Teilnehmer erhielten einen entsprechenden Ausweis.
Jetzt bekam das Regime die politische Berichterstattung im engeren Sinne sehr rasch in den Griff. Vertreter der Regierung gaben täglich in den Konferenzen Anweisungen "ob und wie bestimmte Themen behandelt werden sollten". Die Presseanweisungen waren sehr breit gefächert, wie folgende Beispiele anschaulich dokumentieren:
"Anweisung aus der Reichspressekonferenz vom 4.Mai 1936: ,Über die Einfuhr von Vollblutpferden soll nichts berichtet werden,'
Anweisung vom 26.Januar: ,Eine westdeutsche Zeitung hatte sich polemisch mit Thomas Mann befaßt. Dies wird als absolut unerwünscht bezeichnet, Thomas Mann soll ausgelöscht werden aus dem Gedächtnis aller Deutschen, da er nicht würdig ist, den Namen Deutscher zu tragen.'."


3.1.3.2. Steuerung durch Nachrichtenagenturen

Da nur wenige deutsche Zeitungen einen eigenen Korrespondenten in der Hauptstadt hatten, waren Nachrichtenagenturen als Mittel zur inhaltlichen Steuerung von großer Bedeutung, denn viele Blätter waren auf deren Informationen angewiesen. Die wichtigste Quelle war das Deutsche Nachrichtenbüro (DNB), das aus der Zusammenlegung des Wolffschen Telegraphenbüros (WTB) und der Telegraphen- Union Internationaler Nachrichtendienst GmbH (TU) hervorgegangen war.
Die Meldungen des DNB waren maßgeblich für Berichterstattung und auf Anweisung unverändert als Auflagenachrichten zu veröffentlichen. Diese Reglementierungen blieben beim Publikum nicht unbemerkt, so daß das Kürzel DNB im Volksmund für "Darf Nichts Bringen" stand.
Durch die Verbreitung der Informationen über diese Nachrichtenagenturen, speziell dem DNB war es offenbar möglich, ein weitgehend einheitliches Echo im Pressewald zu generieren, auch wenn das von der Bevölkerung erkannt wurde, was aus der oben genannten Volksmundparole geschlossen werden kann.


3.1.3.3.Zusammenlegungs- und Schließungsaktionen
Die Nationalsozialisten schoben Neugründungen von Zeitungen, Zeitschriften und Korrespondenzbüros bereits im September 1933 einen Riegel vor: "zur Befriedung der wirtschaftlichen Verhältnisse im deutschen Zeitungswesen."
Die Amann- Anordnungen beseitigten zwei Jahre später "ungesunde Wettbewerbsverhältnisse" innerhalb der Presse.
Reichspressekammer- Chef Max Amann erreichte damit die Ausschaltung der konfessionellen Presse und die Schließung kleinerer Lokalzeitungen in Orten wo bisher mehrere Zeitungen existierten, so daß es dort nur noch eine Zeitung gab. Da nicht definiert war, welche Zeitung zu schließen sei fiel diese Entscheidung fast immer zuungunsten der privateigenen Verlage aus. Die NS-Blätter gingen bei diesen Veränderungen praktisch immer als Sieger hervor. Dadurch wuchs der parteieigene Eher- Konzern [durch den sämtliche Parteiorgane verlegt wurden] unter der Leitung Amanns weiter an.
Das Gebäude der nationalsozialistischen Verlagspolitik war somit im Jahre 1939 nahezu vollendet. Zwar befand sich zahlenmäßig noch ein großer Teil der Zeitungen in Privatbesitz, doch auflagemäßig war der Eher- Konzern der unangefochtene Spitzenreiter.
Nach Kriegsbeginn im Jahre 1933 stellten einige kleinere Provinzblätter ihr Erscheinen ein. Wie es hieß "zunächst für die Kriegszeit". Alle anderen Blätter erschienen vorerst weiter. Im Laufe des Krieges aber kam es zu drei kriegsbedingten Zeitungsschließungsaktionen, die erste davon im Mai 1941. Dieser Aktion fielen mehr als 500 !kleine und kleinste Zeitungen" zum Opfer, die gesamte konfessionelle Presse - mit Ausnahme der Amtsblätter - wurde ausgeschaltet. Die Zahl der Zeitschriften wurde durch Zusammenlegungen und Schließungen von 15.000 auf 2.500 stark reduziert.
Ende Januar 1943 veranlaßte Amann seine zweite Aktion. In ihr wurden zunächst weitere 1.000 Zeitschriften vom Markt gedrängt. Es wurden nochmals ca. 400 Zeitungen stillgelegt, darunter auch bedeutende Blätter, wie die Frankfurter Zeitung und die Münchner Zeitung. In Städten mit bis zu 100.000 Einwohnern gab es von jetzt an nur noch ein Blatt. Diese zweite Schließungsaktion war im Vergleich zu der ersten Ergebnis der Verschärfung der militärischen Situation Deutschlands.
Im September 1944 kam es aufgrund der Maßnahmen für den "Totalen Krieg" zur dritten kriegsbedingten Aktion. Von jetzt an durften nur noch in 20 Großstädten mehr als eine Zeitung erscheinen. Ein Großteil der privateigenen Blätter fiel dieser Aktion zum Opfer. Titel alteingesessener Zeitungen gingen beim Zusammenlegen unter, sie erschienen nun unter dem Titel der Parteizeitung. Von diesem Termin an gab es nur noch drei überregionale deutsche Tageszeitungen mit Auslandsgeltung. Es handelte sich dabei um die zum Eher- Konzern gehörenden Deutsche Allgemeine Zeitung, die Münchner Neueste Nachrichten und die Kölnisch Zeitung.


3.2. DER RUNDFUNK
3.2.1. Entwicklungen zur ersten regelmäßigen deutschen Rundfunksendung
Bis zum ersten regelmäßigen Rundfunkprogramm in Deutschland gab es eine Reihe von entscheidenden Entwicklungen und Veränderungen auf dem Gebiet des Rundfunks. "Anfang der zwanziger Jahre [bestand] das Reichsfunknetz aus der 1919 von der Heeresverwaltung übernommenen Hauptfunkstelle Königs- Wusterhausen bei Berlin, über welche die Post einen regelmäßigen telegraphischen Presse- und Rundspruchdienst verbreitete. zu Beginn des Jahres 1920 begann Königs- Wusterhausen mit Versuchen zur Ausstrahlung telefonischer Wirtschaftsnachrichten. Es entstanden Radioklubs [...], verbunden mit einer großen Zahl nicht genehmigter Empfangsstellen. In dieser Situation fürchtete der Staat, [...], um die Staatssicherheit. Die Reichswehr erklärte sich mit der Freigabe des Empfangs unter der Bedingung einverstanden, daß die Rundfunkindustrie nur solche Mittelwellen- Empangsgeräte auf den Markt brachte, die das Abhören des militärisch genutzten Frequenzbereich ausschlossen. Die Reichspost, welche die Funkanlagen betrieb, eröffnete 1922 zusammen mit dem "Eildienst für amtliche private Handelsnachrichten Gesellschaft mbH" den "Wirtschafts- Rundspruchdienst" [...]. Im selben Jahr gründete dieser Eildienst sein Tochterunternehmen "Deutsche Stunde, Gesellschaft für drahtlose Belehrung und Unterhaltung", und ebenfalls 1922 schlossen sich einige Unternehmen der funktechnischen Industrie in der "Rundfunk- Gesellschaft mbH" mit der Absicht zusammen, den Unterhaltungsrundfunk privatwirtschaftlich zu betreiben. Die "Deutsche Stunde" sowie die kurz darauf gegründete "Drahtlose Dienst AG für Buch und Presse" erhielten [...] die Konzession für einen regelmäßigen Programmdienst [...]. Am 23.Oktober 1923 begann die "Dradag" mit der ersten regelmäßigen Rundfunksendung in Deutschland [...]. 1925 entstand dann die "Reichs- Rundfunkgesellschaft" als Zusammenschluß von Filialgesellschaften der "Deutschen Stunde" und unter Beteiligung privater Geldgeber. Die Gesellschaft sendete vor allem Unterhaltungsmusik, Nachrichten, Vorträge und Börsenberichte."
Es ist erkennbar, daß in den Anfangsjahren vorzugsweise Wirtschaftsnachrichten zur Verbreitung gelangten, später folgten Unterhaltungssendungen bis "mit der ,Machtergreifung' auch die nationalsozialistische Herrschaft im Rundfunk begann".


3.2.2. Personelle Säuberungen im Rundfunkwesen
Goebbels rief am 25.März 1933 in einer Rede vor den Rundfunkintendanten zur personellen Säuberung auf: " ,Der Rundfunk wird gereinigt wie die ganze preußische und deutsche Verwaltung gereinigt wird'. Ziel sei es, ,daß hundertprozentig die ganzen Funkhäuser der nationalen Regierung dienen und sich dem Volke verpflichtet fühlen.'."
Das Regime machte sich die Rundfunkmitarbeiter mit Verhören, Verleumdungen, Fragebögen, Beschlagnahmung von Akten, Kündigungen, Versetzungen, aber auch mit Wiedereinstellung zu verminderten Bezügen gefügig. Zur Jahresmitte 1933 konnte die Reichs- Rundfunk- Gesellschaft die Entlassung von 98 leitenden und 38 sonstigen Rundfunkangestellten bekanntgeben. Zum Jahresende waren ca. 13% aller früheren Mitarbeiter entlassen.


3.3. DAS NEUE MEDIUM FERNSEHEN
3.3.1. Die Entwicklung zum regelmäßigen Programmdienst
Nachdem die USA bei der Übertragung von Fernsehprogrammen eine Pionierrolle einnahmen und 1932 bereits 32 Versuchsstationen Fernsehsendungen ausstrahlten, die britische Regierung schon seit 1934 die Forschung zur Entwicklung des Fernsehens aufmerksam verfolgten, wollte die "Reichs- Rundfunkgesellschaft" bei der Einführung eines solchen epochemachenden Verfahrens keiner ausländischen Gesellschaft den Vortritt lassen. Sie unternahm größte Anstrengungen der BBC zuvorzukommen, die einen regelmäßigen Programmdienst für den Herbst 1935 ankündigte. Deutschland konnte diesen "Wettlauf" für sich entscheiden und am 22.März 1935 eröffnete Reichssendeleiter Hadamovsky den ersten regelmäßigen Programmdienst der Welt.


3.3.2. Propaganda im vs. mit dem Fernsehen
Aufgrund der geringen Verbreitungsdichte (bis zum Kriegsbeginn wurden etwa 650 Geräte des Typs E1 produziert ) und der noch nicht ganz ausgereiften Technik waren Goebbels und Hitler dem neuen Medium gegenüber skeptisch eingestellt: "wirkten doch die Heroen der nationalsozialistischen Bewegung auf einem immer noch stark flimmernden Fernsehbild von 22 mal 19 Zentimetern eher lächerlich".
So maß die Regierung für Propagandazwecke dem Hörfunk und Film mehr Bedeutung bei.
Es wurde für die wenigen Fernsehteilnehmer ein Programm gesendet, aber diese Sendungen konnten während des Krieges nur noch per Kabel in Berlin empfangen werden.
Die Propaganda im Fernsehen spielte für die Nationalsozialisten keine große Rolle, aber auf die Propaganda mit dem Fernsehen (erster Programmdienst der Welt) konnten sie setzen.


3.4. DER FILM IM DRITTEN REICH
3.4.1. Institutionelle Entwicklung: Reichsfilmkammer und Reichslichtspielgesetz
Am 14. Juni 1933 wurde durch das Filmkammergesetz die "Gleichschaltung des zu Zeiten der Weimarer Republik international anerkannten deutschen Films eingeleitet". Die entstandene Reichsfilmkammer wurde ein Bestandteil der am 22.September 1933 gegründeten Reichskulturkammer und somit Instrument der nationalsozialistischen Kulturpolitik. Wer sich auf dem Gebiet des Films betätigen wollte, mußte Mitglied in dieser Kammer sein. Die Reichskulturkammer hatte die Möglichkeit, Mitglieder abzulehnen und damit Berufsverbote auszusprechen. Somit bedeutete die Errichtung der Filmkammer unter der Reichskulturkammer die "Abkehr vom demokratisch- individualistischen Kulturaufbau hin zum völkisch- einheitlichen Kulturleben unter staatlicher Lenkung".
Im Februar 1934 wurde das Reichslichtspielgesetz verabschiedet. Es bot die Möglichkeit, die Aufführung von Filmen zu untersagen, die "nationalsozialistisches Empfinden" verletzten. Von diesem Gesetz waren im ersten Jahr bereits mehr als 100 Filme betroffen.


3.4.2. Spezielle Filmgenres
In der Zeit des Nationalsozialismus bildeten sich verschiedene Filmgenres wie das der Historischen Spielfilme, die unpolitischen Filme, Kulturfilme und die Wochenschauen heraus. Nach Happel lassen sich folgende Arten vom Historischen Film unterscheiden: Preußenfilme, Kriegsfilme, Filme über die Geschichte der Bewegung, Filme über das unterdrückte "Deutschtum im Ausland", Antifilme (antiarabisch, -französisch, -semitisch, -bolschewistisch) und biographische Filme. Es werden hier Ideologien wie "Treue, Kameradschaft, Opfersinn, Gerechtigkeit, Gehorsam, Stolz, Mut, Gefolgschaftsdenken und Vaterlandsliebe thematisiert", hierbei wird versucht, "die Geschichte für die Gegenwart nutzbar zu machen."
Bis zum Kriegsausbruch erschien im Reich die Wochenschau der Ufa, die Deuling- Tonwoche, die Auslandswoche, die Wochenschau der Tobias und der Bavaria (bis 1938) und die Fox Tönende Wochenschau. Nach Kriegsbeginn gab es nur noch die Ufa- Tonwoche (später: Deutsche Wochenschau). Die Wochenschauen waren von so großer Bedeutung, daß Hitler jede Ausgabe nach der Zensur durch Goebbels vor ihrer Aufführung persönlich anschaute. Selbst in Krisenzeiten wurden triumphale Siegesmeldungen gesendet.

3.4.3. Der Film als Propagandamittel
"Unter dem von 1933 bis 1945 als Schirmherr des deutschen Films fungierenden Goebbels [...] sorgte der Reichsfilmintendant [...] Dr. Fritz Hippler dafür, daß die [...] Filme ihren Zweck als ,Propagandamittel Nummer 1' erfüllten." Die Propagandawirkung des Films war enorm, so daß "die kinofreundlichen Deutschen der Droge des nationalsozialistischen Films zunehmend verfielen."
Die Besucherzahlen stiegen von 624 Millionen Kinobesuchern im Jahre 1939 auf 1,1 Milliarden Besucher 1943. Das war offenbar nicht nur die Folge der Identifikation mit dem NS-Regime, sondern auch Erfolg der Filmpolitik, die Goebbels geschickt zu handhaben verstand.

4. DIE BEDEUTUNG VON PRESSE, RUNDFUNK UND FERNSEHEN


Die Verkaufszahlen von Presseerzeugnissen waren von 1932 an stark rückläufig und sind bis 1934 fast um die Hälfte zurückgegangen. Goebbels fürchtete aufgrund dieser Entwicklungen um die Massenwirkung seiner Propaganda.
Doch hatte er noch ein anderes "Eisen im Feuer", den Rundfunk. Dieser war für die Nationalsozialisten von nicht unerheblicher Bedeutung, mit ihm konnten sie viele Menschen erreichen, z.B. ermöglicht durch den Volksempfänger. Der Leiter der Abteilung III (Rundfunkabteilung), des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda, Horst Dreßler- Anderß bezeichnete den Rundfunk "als ,das Verkündungsmittel der nationalsozialistischen Weltanschauungseinheit'." Aufgrund der Tatsache, daß "Kommunikation durch die Sprache häufig einen stärkeren, suggestiveren Einfluß ... als das geschriebene Wort" ausübt, wurde der Rundfunk intensiv genutzt.
So wurden Reden Hitlers und anderer Personen der Staats- und Parteiführung über ihn verbreitet. Durch zahlreiche Reportagen von Autobahneröffnungen, Reichsparteitagen und Staatsakten sollte eine Teilhabe der Volksgenossen an der Selbstinszenierung des Regimes erreicht werden. Goebbels aber veranlaßte bereits im September 1933, daß zahlreiche Unterhaltungssendungen, Konzerte, Hörspiele und Dichterlesungen über den "Äther" zu senden seien, damit die Zuhörer der nationalsozialistischen Propaganda nicht überdrüssig wurden , damit wären sowohl die Rundfunkeinnahmen als auch die Werbekraft des Rundfunks gesunken.
Der Rundfunk sollte die Verbundenheit mit dem Regime festigen, so wurde "scharfe Kritik gegen die Freiländer" gesendet und die Ereignisse verzerrt dargestellt. Doch das Vertrauen in die Glaubwürdigkeit solcher Sendungen fehlte.
Bei einer Analyse der Bedeutung des Rundfunks muß zwischen Friedenszeiten und Kriegszeiten unterschieden werden. So wurde versucht, die Kriegsbegeisterung mit musikalischen Mitteln zu heben. Auf dem Programm standen Wunschkonzerte mit Marschliedern wie: "Wir fahren gegen Engeland", "Panzer rollen in Afrika vor", "Von Finnland bis zum Schwarzen Meer" und auch Schlager wie "Heimat, deine Sterne".
Der Rundfunk als Instrument der Massenkommunikation im 20. Jahrhundert ist zugleich auch als historisches Phänomen der Massenbeeinflussung und Propaganda insbesondere in dieser deutschen Diktatur anzusehen. Information und Desinformation, Verformung und gezielte Agitation waren Mittel, die Gegenstand der Propaganda des Rundfunks waren, selbstverständlich im Sinne ideologischer Zielsetzung.
Wie bereits im Abschnitt 3.3.3. dargestellt war die Propaganda im Fernsehen für die Nationalsozialisten von eher nachrangiger Bedeutung. Zum einen begründet durch die schlechte Qualität, zum anderen durch den geringen Verbreitungsgrad. Bei allen drei Medienarten (Presse, Rundfunk, Fernsehen) handelt es sich um sogenannte Massenmedien, da mit ihrer Hilfe erstmals größere anonyme Publika erreicht werden konnten. Die Printmedien setzten sich freilich nicht erst im Nationalsozialismus durch und das Fernsehen steckte noch in den "Kinderschuhen".
Inwieweit allerdings die Medien Einfluß auf die Gesellschaft nahmen und ob sie ihre beabsichtigte Wirkung erzielten oder doch verfehlten ist aus den sehr groben Kenntnissen der Programmpräferenzen der Rundfunkteilnehmer nur schwer herleitbar, da es sich nur um sehr grobe Daten der Nutzung handelt. Eine tatsächliche Nutzung ist aus den bekannten Nutzungsmöglichkeiten nur unscharf zu erkennen.

5. MEDIALE DARSTELLUNG DER NSDAP


5.1. DER WAHLKAMPF DER NSDAP
Damit eine Partei die nötigen Stimmen bei einer Wahl erhält, benötigt sie in aller Regel ein ernstzunehmendes Programm und entsprechende Wahlwerbung.
Wie im Abschnitt 2 erwähnt, betrieb die NSDAP schon vor 1933 eine ausgeklügelte Propagandaarbeit. Im "spannungsgeladenen Dauerwahljahr 1932" zeigte sich die NS- Propagandamaschinerie in voller Aktion. So wurden Themen und Tempo über weite Strecken von ihr bestimmt. Die Nationalsozialisten kreierten die doppelsinnige Parole "Hitler über Deutschland", denn während Brüning und Hindenburg das Land mit dem Zug durchfuhren, kam Hitler mit dem Flugzeug zu seinen Auftritten, die oftmals unmittelbar neben dem Landeplatz arrangiert waren, so daß die Zuhörer noch sahen, wie Hitler vom Himmel kam. Aufgrund dieser Wahlkampfstrategie war es möglich, den Spitzenkandidaten innerhalb weniger Tage vor Hunderttausenden sprechen zu lassen. Selbst wenn der erhoffte Erfolg bei den Wahlen 1932 ausblieb, zeigen diese Deutschlandflüge, wie sehr die Nationalsozialisten auf die Erzeugung eines überwältigenden Eindrucks fixiert waren.
Für die Märzwahlen 1933 stand den Nationalsozialisten dann sogar der Rundfunk zur Verfügung, denn schließlich war Hitler zu der Zeit bereits Reichskanzler. In Preußen übertrugen die Rundfunkstationen 45 Wahlsendungen, in denen ausschließlich Regierungsvertreter zu Wort kamen.


5.2. DER FACKELZUG ZUR MACHTERGREIFUNG
Als am 30.Januar 1933 Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt wurde, war das ein normaler und legaler Regierungswechsel, doch die NS-Propaganda zelebrierte diesen Tag als "Machtergreifung". Dieser Machtwechsel im Reich wurde am gleichen Abend in Berlin von SA und Stahlhelm mit einem Fackelzug gefeiert. 25.000 SA- und Stahlhelm- Männer marschierten durch das Brandenburg Tor und an der Reichskanzlei vorbei. Damit wurde die historische Bedeutung des Ereignisses bekräftigt. Diesem "Spektakel" sollten nicht nur die Berliner beiwohnen, nein, "Goebbels hatte mit der Autorität der neuen Regierung dafür gesorgt, daß der Rundfunk eine große Live- Reportage brachte sowie Interviews mit Göhring und Hans Hinkel, Goebbels' späterem ,Beauftragten für die Überwachung der im deutschen Reichsgebiet geistig und kulturell tätigen Nichtarier'."
Das nächtliche Schlußwort reservierte Goebbels sich selbst - "zum ersten Mal ,über alle deutschen Sender', wie er etwas großzügig in sein Tagebuch schrieb." Nun nahm die nationalsozialistische Propaganda vorher unerreichte Ausmaße und neue institutionelle Formen an. Dieser Fackelzug wurde u.a. von Arthur Kampf auf dem mit "Der 30.Januar 1933" betitelten Bild dargestellt.
Die Machtergreifung wurde also propagandistisch "vermarktet", und solche Bilder wie jenes von Arthur Kampf erinnerten an diesen Tag im Jahre 1933, an dem die Nationalsozialisten die Regierungsgewalt übernahmen. Auch wurde dieses Ereignis drei Jahre später für einen Propagandafilm nachgestellt.


5.3. DIE REICHSPARTEITAGE
Bei den Reichsparteitagen der Nationalsozialisten handelte es sich um reine Selbstinszenierung und Machtdemonstration. Sie sollten der Stärkung des Gemeinschaftsgefühls dienen.
Der erste Reichsparteitag fand 1923 in München statt, der nächste erst nach der Aufhebung des NSDAP-Verbots im Jahre 1926 in Weimar. Die Reichsparteitage, welche ab 1933 alljährlich abgehalten wurden, signalisierten einen Höhepunkt der nationalsozialistischen Propaganda. Organisiert wurden diese Kundgebungen - die auf dem eigens dafür geschaffenen Reichsparteitagsgelände in Nürnberg abgehalten wurden - von Joseph Goebbels.
Sie standen seit der Machtergreifung immer unter einem Motto, welche lauteten wie folgt: 1933 "Sieg des Glaubens", 1934 "Triumph des Willens", 1935 "Reichsparteitag der Freiheit", 1936 "Reichsparteitag der Ehre", 1937 "Reichsparteitag der Arbeit", 1938 "Reichsparteitag Großdeutschlands" und 1939 "Reichsparteitag des Friedens". Letzterer fiel aber wegen des deutschen Überfalls auf Polen aus.
Damit war der zehnte Parteitag der letzte seiner Art. Die Mottos hatten auch teilweise einen politischen Hintergrund, so beispielsweise die Machtergreifung, Vollendung der Diktatur und Wiedereinführung der Wehrpflicht. Die Mittel der Massenpsychologie wurden auf allen Parteitagen gleichsam geschickt eingesetzt. "Die Marschierenden formierten sich auf dem Gelände zu riesigen, hierarchisch gegliederten Menschenquadern. Neben Aufzügen, Sportvorführungen, Parolenausgaben, Treuegelöbnissen und Totenehrungen war der Höhepunkt eine programmatische Rede Hitlers. Um den dramatischen Effekt noch zu steigern, überwölbten Flakscheinwerfer die abendlichen Appelle mit einem Lichterdom." Nun lag die Aufgabe der Verbreitung der Botschaft beim Rundfunk und der "Deutschen Wochenschau", welche dafür sorgten, "daß diese Machtdemonstration ihr breites Publikum fanden und so die beabsichtigte Suggestion überdimensionaler Macht bei Großteilen der Bevölkerung ihre Wirkung nicht verfehlte."
Leni Riefenstahl, die bis heute in der Fachwelt als Regisseurin geschätzt wird, "verstand es mit ihren Parteitagsfilmen [...] brutale Machtausübung zu ästhetisieren und damit die Masse zu faszinieren."
Daran ist zu erkennen, daß weite Kreise der Bevölkerung den Inszenierungen Glauben schenkten und mit der Politik Adolf Hitlers und der Partei übereinstimmten. Damit hatten die Nationalsozialisten ihr Ziel erreicht.

5.4. DIE OLYMPISCHEN SPIELE 1936 IN BERLIN
Die weltweit größte Aufmerksamkeit dürften zweifelsohne die Olympischen Spiele von 1936 in Garmisch-Partenkirchen (6.-16.Februar) und Berlin (1.-16.August) erlangt haben. Hier hatten die Nationalsozialisten die Möglichkeit, ihren Friedenswillen und Willen zur Völkerverständigung der Welt zu zeigen. Den Zuschlag für die Austragung erhielt Berlin 1931 vom IOC , also noch zwei Jahre vor der nationalsozialistischen Machtübernahme.
Zwar sprach sich die NSDAP gegen die Austragung der Spiele aus, doch Hitler sah in diesen Wettkämpfen die Chance, "die ,Weltgeltung' des Dritten Reiches zu demonstrieren."
Trotz der Boykottaufrufe internationaler Sportverbände und deutscher Emigranten, der Nürnberger Gesetze von 1935 und der Rheinlandbesetzung vom Mai 1936 revidierte das Internationale Olympische Komitee seine Entscheidung für Berlin nicht. So wurden diese Spiele zu einer "beispiellosen ästhetisch- politischen Großinszenierung", ermöglicht durch hohen finanziellen und organisatorischen Aufwand. Anläßlich der Olympischen Spiele wurde die Sendezeit des Fernsehens von zwei auf acht Stunden täglich erweitert. Die größtenteils direkt übertragenen Wettkämpfe waren in den 25 öffentlichen Fernsehstuben in Berlin, zwei Empfangsstellen in Leipzig und einer in Potsdam zu sehen. So kamen mehr als 160.000 Besucher zum Gemeinschaftsempfang. Die Live- Übertragung wurde durch das sogenannte Zwischenfilmverfahren ermöglicht. Die Filmaufnahmen wurden mit modernster Technik erstellt, so plazierte Telefunken seine monströse Ikonoskop- Kamera (Länge inkl. Teleobjektiv 2,20 m) in etwa 20 Metern Abstand vom Ziel der 100-m-Bahn. So konnte sowohl das gesamte Oval des Stadions als auch die Ehrentribüne gefilmt werden.
Die bereits im Abschnitt 5.3. erwähnte Regisseurin Leni Riefenstahl war ebenfalls verantwortlich für den offiziellen Olympiafilm. Er wurde nach zweijähriger Montagearbeit fertiggestellt und stellt die sportlichen Siege als Taten von Übermenschen dar, denen die Menschenmassen unter dem Lächeln Hitlers zujubelten. Der Rassismus wurde bewußt ausgeblendet, so vermied Hitler es beispielsweise, dem vierfachen schwarzen Goldmedaillengewinner Jesse Owens bei der Ehrung die Hand zu geben. Auch war es für die Nationalsozialisten wichtig, welches Bild Deutschlands ins Ausland getragen wurde, so verschwanden "für die Dauer der Spiele [...] antisemitische Parolen aus dem Straßenbild [...] und der Verkauf des Hetzblattes Der Stürmer [wurde] untersagt."
Die Propaganda anläßlich der Olympischen Spiele scheint ihr Ziel nicht verfehlt zu haben, wenn man zeitgenössische Film- und Tondokumente anschaut.

6. RESÜMEE
Wie die Ausführungen zeigen, wurde in allen Bereichen, die für Propaganda und Indoktrination nützlich erschienen, ein Apparat aufgebaut, der es den Nationalsozialisten ermöglichte, ihr Weltbild auf die Gesellschaft zu übertragen. Die Frage nach der Wirkung stellt sich als sehr vielschichtig dar. Es kann nicht davon ausgegangen werden, daß der "Propaganda- und Indoktrinationsapparat" jeden Menschen umgeformt hat, denn das ist ebenso abhängig von der Person, die indoktriniert werden soll. Trotzdem verstanden es die Nationalsozialisten, ihren Hitler- Mythos und Volksgemeinschaftsmythos zu verbreiten. Diese sorgsam aufgebauten Mythen sind in ihrer Wirklichkeit nicht zu unterschätzen.
Daß die zwei zentralen Figuren Hitler und Goebbels zweifelsfrei die Menschenmassen für die nationalsozialistischen Ideen begeistern konnten, zeigt ein Ausspruch Joseph Goebbels nach seiner am 18.Februar 1943 gehaltenen Sportpalastrede zum "Totalen Krieg" im kleineren Kreis. Er urteilte über seine Zuhörer wie folgt: "Wenn ich ihnen befohlen hätte, vom Dach eines Hochhauses zu springen, sie hätten es getan."

 

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http://www.rhein-neckar.netsurf.de/~mdz/his-film.htm

Autor: Ricarda D. Herbrand
Hochschule: FSU Jena
Veranstaltung: Das Dritte Reich 1933-39 (PS) WS 1998/99 (D: van Laak)
Benotung: 1,7

Mein Dank gilt Andreas Lenger.

(c) by rdh 1999