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1. EINLEITUNG Um die Bedeutung der Kommunikation
für die Gesellschaft im Dritten Reich zu erarbeiten ist es wichtig, zu zeigen,
wie sich die Medien - insbesondere die neuen Medien Rundfunk und Fernsehen - entwickelten
und welche Veränderungen es u.a. im Pressewesen gab. Ich werde kurz aufzeigen,
welche Tendenzen vor 1933 zu beobachten waren und wie die Nationalsozialisten
diese dann vor, während und nach der Machtergreifung nutzen konnten.
Doch wie konnte in so kurzer Zeit ein einheitliches Echo in der Medienlandschaft
erzeugt werden? Wie wurden die Medien in den Dienst der neuen Machthaber im Reich
gestellt? Es wird weiterhin interessant sein zu erfahren, welche Personen
und Institutionen mit der Verbreitung der nationalsozialistischen Ideologie beauftragt
waren, stellvertretend seien hier das Reichsministerium für Volksaufklärung
und Propaganda sowie Joseph Goebbels genannt. Die Nationalsozialisten setzten
die Medien gezielt für sich und ihre Ideologie ein. Doch entscheidend ist,
ob diese Einflußnahme auf das Bewußtsein der Menschen seine beabsichtigte
Wirkung erzielte oder doch verfehlte. Dazu werde ich die (Aus-)Nutzung der Medien,
welche zur damaligen Zeit zum Einsatz kommen konnten, darzustellen versuchen.
Ich werde an von mir ausgewählten Beispielen zeigen, wie die Propagandamaschinerie
arbeitete, um den Menschen in Deutschland und der Welt die Friedensliebe der Nationalsozialisten
zu präsentieren. 2. PROPAGANDA 2.1.
DIE SITUATION VOR 1933 Wenn man sich mit Propaganda und Medien im Dritten
Reich befaßt, muß auch untersucht werden, auf welche Entwicklungen
die Nationalsozialisten aufbauen konnten, um ein doch so umfassendes Instrumentarium
zur Massenbeeinflussung zu errichten. Hitler erkannte schon am Beginn seiner
politischen Karriere die Möglichkeiten, welche die moderne Propaganda bereithielt.
So drängte Hitler die NSDAP im Jahre 1920 zum Kauf eines eigenen Parteiblattes,
des Völkischen Beobachters, obwohl dieser Erwerb kaum finanzierbar schien.
Auch war er es, der auf unverwechselbare Parteisymbole Wert legte und der die
Aufwertung des Saalordnerdienstes zur schlagkräftigen Parteitruppe durchsetzte.
Der Völkische Beobachter, die roten Hakenkreuz- Standarten und die SA waren
für Hitler "bewußt gewählte und gezielt einzusetzende Mittel
der Propaganda". Mit dem unbestreitbar wirkungsvollsten Redner der Partei,
Adolf Hitler, galten Veranstaltungen der NSDAP in den frühen zwanziger Jahren
als besonderes Erlebnis. Die Nationalsozialisten wußten schon damals, was
Stimmung bringt. Öffentliche Kundgebungen, organisiert als Großveranstaltungen
mit Marschmusik, Fahnenschmuck und SA-Aufmärschen waren weitaus besser geeignet,
die noch mitgliederschwache Partei zu präsentieren, als Treffen in öden
Wirtshaus- Hinterzimmern, wie von anderen Parteien praktiziert. Auch beim
Aufbau des Rundfunks konnten die Nationalsozialisten die Rundfunkreform, die Franz
von Papen im Sommer 1932 begonnen hatte, konsequent fortführen. Desweiteren
begannen sie schon frühzeitig mit dem Ausbau eines funktionierenden Propagandaapparates.
Im Sommer 1926 wurde Gregor Straßer Gauleiter in Niederbayern und Reichspropagandaleiter
der NSDAP, er aber überließ die Propagandaarbeit weitgehend seinem
Adjutanten Heinrich Himmler. Nun wurde die Propaganda intensiviert. Himmler erließ
Richtlinien für Propaganda- Aktionen. So sollte nach seinen Vorstellungen
die Bevölkerung eines Gaus durch die zahlenmäßige Massivität
von Parteiveranstaltungen beeindruckt werden. Er nannte 70 bis 200 Veranstaltungen
innerhalb von sieben bis zehn Tagen, abhängig von Gaugröße, als
Richtwert. Diese hohe Veranstaltungszahl mußte auch die gegnerische Presse
zur Berichterstattung zwingen. Alles in allem ist zu sagen, daß die
NSDAP mit ihrer Propaganda nicht erst nach oder kurz vor der Machtergreifung begonnen
hat. Bereits ab Mitte der zwanziger Jahre wurde die Partei als Propagandabewegung
aktiv.
2.2. DAS REICHSMINISTERIUM FÜR VOLKSAUFKLÄRUNG
UND PROPAGANDA 2.2.1. Die Gründung des RMVP Auf Erlaß
des Reichspräsidenten Hindenburg vom 13.März 1933 wurde das Reichsministerium
für Volksaufklärung und Propaganda (RMVP) am gleichen Tag gegründet:
"Für Zwecke der Aufklärung und Propaganda unter der Bevölkerung
über die Politik der Reichsregierung und den nationalen Wiederaufbau des
deutschen Vaterlandes wird ein Reichsministerium für Volksaufklärung
und Propaganda errichtet". Der Reichspropagandaleiter der NSDAP und Gauleiter
des Gaus Berlin Dr. Joseph Goebbels wurde durch den Reichspräsidenten zum
Chef des neugegründeten RMVP ernannt und somit zum jüngsten Minister
im Kabinett. Goebbels leistete seinen Amtseid am 14.März 1933 und baute innerhalb
weniger Tage (s)ein Ministerium auf.
2.2.2. Aufbau, Aufgaben
und Ziele des RMVP Adolf Hitler bestimmte in einer Verordnung vom 30.Juni
1933, das RMVP sei "zuständig für alle Aufgaben der geistigen Einwirkung
auf die Nation, die Werbung für den Staat, Kultur und Wirtschaft, der Unterrichtung
der in- und ausländischen Öffentlichkeit über sie und der Verwaltung
aller diesen Zwecken dienenden Einrichtungen". Das Ministerium war somit
federführend auf dem Gebiet der Massenmedien, der Kultur sowie der nationalsozialistischen
Feiergestaltung. Daraus ist zu erkennen, daß die Aufgaben des Ministeriums
sehr umfangreich waren, deren Durchführung und Erfüllung einzigartig
war. Die Arbeitsweise wird an Goebbels' Zielvorlage deutlich: "Wir wollen
die Menschen so lange bearbeiten, bis sie uns verfallen sind". Beeinflußt
wurden die Menschenmassen durch die Reichsparteitage, Bücherverbrennungen,
Großversammlungen, Berichte in Rundfunk und Presse, die Wochenschauen und
mit Hilfe diverser anderer Maßnahmen. 2.3. PROPAGANDISTEN
IM DRITTEN REICH UND IHRE AUFFASSUNGEN ZU PROPAGANDA 2.3.1. Der Redner
Adolf Hitler Adolf Hitler hatte seine Meinung über Propaganda und
äußerte diese beispielsweise in seinem Werk Mein Kampf wie folgt: "Die
Aufnahmefähigkeit der großen Masse ist nur eher beschränkt, das
Verständnis klein, dafür die Vergeßlichkeit jedoch groß.
Aus diesen Tatsachen heraus hat sich jede wirkungsvolle Propaganda auf nur sehr
wenige Punkte zu beschränken und diese schlagwortartig zu verwerten, bis
auch bestimmt der letzte unter einem solchen Worte das Gewollte sich vorzustellen
vermag." "Aber [Hitler] hielt die ,richtige Verwendung von Propaganda
für eine wirkliche Kunst', deren wichtigstes Ziel es sei, ,die gefühlsmäßige
Vorstellungswelt der großen Masse' zu begreifen, um ,den Weg zur Aufmerksamkeit
und weiter zum Herzen der Masse' zu finden. In Heftigkeit, Leidenschaft und Fanatismus
sah Hitler ,die großen magnetischen Kräfte, die allein die Massen anziehen'.
Und in wahnhaft visionärer Gewißheit fügte er hinzu: ,Völkerschicksale
vermag nur ein Sturm von heißer Leidenschaft zu wenden; Leidenschaft erwecken
aber kann nur, wer sie selbst im Inneren trägt.'." Die Leidenschaft
hat er mit seinen Reden zu verbreiten versucht, was ihm auch recht gut gelungen
zu sein scheint, wenn man die jubilierenden Menschenmassen in zeitgenössischen
Ton- und Filmdokumenten sieht. Das erste Mal sind Hitlers rhetorische Fähigkeiten
an der Münchner Universität bezeugt, an der er in einen Informations-
und Aufklärungskurs eingeschrieben war. Dort fiel er durch seine Leidenschaft
in der Rede vor Zuhörern auf: "Herr Hitler ist [...] ein geborener Volksredner,
der durch seinen Fanatismus und sein populäres Auftreten [...] die Zuhörer
zur Aufmerksamkeit und zum Mitdenken zwingt." Hitler sah in Kundgebungen
und Großveranstaltungen die Kampfplätze des Redners, dessen Auftritte
als dramaturgisch gegliederte Politspektakel zu inszenieren waren. Diese Dramaturgie
ist beispielsweise erkennbar bei den Aufmärschen zu den jährlich stattfindenden
Reichsparteitagen. Er vertraute nicht allein auf die suggestive Wirkung seiner
Auftritte, er arbeitete auch sorgfältig an seinen handwerklichen Fähigkeiten.
So nahm er zeitweilig Sprachunterricht bei einem Opernsänger und erprobte
vor dem Spiegel Handstellungen und Mimik auf ihre Wirksamkeit. Hitler hatte außerdem
ein Gebrauchsrezept für den Einsatz von Propaganda: "Jede Propaganda
hat, [...], ihr geistiges Niveau einzustellen nach der Aufnahmefähigkeit
des Beschränktesten unter denen, an die sie sich zu richten gedenkt. Damit
wird ihre rein geistige Höhe um so tiefer zu stellen sein, je größer
die zu erfassende Masse der Menschen sein soll", schrieb er in Mein Kampf.
Seine Reden mußten somit leicht verständlich und mitreißend sein,
und sie waren geprägt vom Gedanken der "Volksgemeinschaft", des
"Führermythos" und einfachen einprägsamen Botschaften: "Du
bist nichts, ein Volk ist alles!" - "Ein Volk, ein Reich, ein Führer"
sind zwei Beispiele für solche Botschaften; sie erfüllen die Ansprüche
Hitlers (und Goebbels) - kurz, leicht verständlich und einprägsam, jeder
verstand, was gemeint war. Auch ist in solchen kurzen Botschaften die Beschränkung
auf wenige Punkte zu erkennen.
2.3.2. Der Propagandaminister
Joseph Goebbels Wer war Joseph Goebbels und wie verlief sein Weg zu einer
der "bekanntesten Gestalten in der Führungsgruppe der NSDAP"?
Joseph Paul Goebbels wurde am 29.Oktober 1897 als dritter Sohn einer kleinbürgerlichen,
streng katholischen Familie in Rheydt geboren. Der begabte Junge besuchte die
städtische Oberrealschule und überschritt damit die zu jener Zeit festzementierten
Klassenschranken, genoß das Privileg von Klavierstunden und einer humanistischen
Bildung. Mit seinem Schulabschluß als Jahrgangsbester öffneten sich
ihm die Pforten der Universität. Er studierte Philosophie, Kunstgeschichte
und Literaturwissenschaft und promovierte zum Dr. Phil.. Im Jahre 1924 trat er
der NSDAP bei, gehörte erst dem eher linksorientierten Flügel der Partei
unter Gregor Straßer an, schwenkte dann aber auf die Linie Adolf Hitlers,
der ihn 1926 zum Gauleiter von Berlin- Brandenburg machte und 1929 dann zum Reichspropagandaleiter
der NSDAP. Nach den Wahlniederlagen 1932/33 trug Goebbels entscheidend dazu bei,
daß Hitler nicht resignierte. "Als Reichsminister für Volksaufklärung
und Propaganda (ab dem 13.März 1933) hat Goebbels mit psychologisch geschickten
Methoden Hitlers Machtstellung auszubauen verstanden, wobei er alle verfügbaren
Mittel und vorrangig die Massenmedien Rundfunk, Presse und Film für die Inszenierung
eines maßlos übersteigerten Personenkultes um die Person des ,Führers'
einsetzte: Er hat damit eine Art ,Führermythos' geschaffen." Goebbels
erkannte wie kein anderer zeitgenössischer Politiker, welche Einflußmöglichkeiten
der Rundfunk eröffnete. So ließ er Adolf Hitler nur noch in Städten
auftreten, wo Übertragungsanlagen zur Verfügung standen. Im Abschnitt
3. werde ich zeigen, welche Medien Goebbels gleichschaltete, und wie er sich diese
mit Hilfe zahlreicher Gesetze (Schriftleitergesetz; Lichtspielgesetz u.a.) und
Bestimmungen "gefügig" machte. Joseph Goebbels Meinung zur
Propaganda ist ähnlich der Adolf Hitlers. Diese findet man auch in der zeitgenössischen
Reklametheorie wieder, die sich an dem Publizistik- Wissenschaftler Emil Dofifat
orientierte. Sie beinhaltet fünf "Grundgesetze" der Propaganda:
geistige Vereinfachung, Stoffbeschränkung, hämmernde Wiederholung, Subjektivität
und gefühlsmäßige Steigerung. Diese wurden von Goebbels ebenso
wie von Hitler angewandt. Goebbels schätzte den Intellekt der zu "bearbeitenden
Masse" eher gering ein, wenn er meinte, daß diese die propagierte Absicht
nicht merke, oder aber der Redner ein überragendes Talent haben muß.
Dieses Talent scheint eine vorzügliche Rednergabe zu sein, der genaue Einsatz
von Mimik, Gestik und all den anderen Dingen, die eine Massenbegeisterung hervorrufen. 3.
MEDIEN UND IHR EINSATZ IM DRITTEN REICH 3.1. DIE PRESSE
3.1.1. Presselandschaft im Dritten Reich 3.1.1.1 Die Nationalsozialistische
Parteipresse Bei der Parteipresse handelte es sich nicht nur um ein oder
zwei Blätter, nein, es waren bedeutend mehr, auch wenn ihre Auflagen teilweise
unbedeutend waren. So wurden 1932 lediglich der Völkische Beobachter,
der Freiheitskampf (Dresden) und der Angriff in einer Auflage von über einhunderttausend
Exemplaren gedruckt. Demzufolge las nur ein kleiner Teil der damals elf bis zwölf
Millionen NSDAP-Wähler ein Parteiorgan. Die verkaufte Gesamtauflage der reichsdeutschen
Tagespresse lag zwischen 500.000 und 750.000 Exemplaren. Erst nach der Machtergreifung
entwickelten sich viele der vor 1933 nahezu bankrotten "Kampfblätter"
zu auflagestarken Tageszeitungen. So verfügte bald jede Parteiorganisation
über eine eigene Zeitung. Die neuen Organe hießen Das Schwarze Korps
(SS-Zeitung), Der SA-Mann, Der Arbeitsmann, Die deutsche Arbeiterfront. Dazu kamen
noch die Organe der NS- Frauenschaft und der Jugendorganisationen. Jetzt hatten
sich die Wirkungsmöglichkeiten der Propaganda enorm gesteigert, es gab kaum
noch einen Deutschen, der nicht mindestens ein Parteiorgan las. Der Völkische
Beobachter, seit 1920 im Parteibesitz und schon vor 1933 deren größtes
Blatt, entwickelte sich zur auflagenstärksten Zeitung im Reich, von 130.000
Exemplaren im Jahre 1933 auf ca. 1,7 Millionen Exemplare 1944. Zur Gewinnung breiter
Leserkreise gab es eine Berliner, eine Norddeutsche, eine Münchner und eine
Süddeutsche, nach 1938 auch eine Wiener Ausgabe. Das ermöglichte den
Redaktionen auch regionale und lokale Begebenheiten zu berücksichtigen.
Joseph Goebbels gründete im Sommer 1927 die Zeitung Der Angriff und blieb
bis 1933 auch deren Herausgeber. Dieses Kampfblatt hatte aber nicht den Stellenwert
des Völkischen Beobachters. Es gab auch Zeitungen, die nur ein Thema
hatten, wie beispielsweise Der Stürmer. Es handelte sich bei dieser Zeitung
jedoch nicht um ein Parteiorgan im engeren Sinne, sondern um den Privatbesitz
des fränkischen Gauleiters Julius Streicher. Diese Zeitung kannte nur den
Kampf gegen die Juden und schuf ein Klima der Angst und Einschüchterung,
forderte regelmäßig mit fettgedruckten Parolen auf, jüdische Ärzte
und Rechtsanwälte zu meiden. Der extrem antijüdische Charakter war in
der Regierung keineswegs unumstritten, die brutalen Attacken des Stürmers
gegen alles Jüdische riefen auch im Ausland Proteste hervor. So verschwand
er während der Olympischen Spiele aus dem Straßenhandel. Goebbels und
Hitler waren trotz ihrer antisemitischen Einstellungen selbstverständlich
auch auf das Ansehen des Reiches nach außen bedacht und bei einem Großereignis
wie den Olympischen Spielen durfte schließlich kein Wölkchen den Himmel
der Gedanken der Völkerverständigung belasten. Bei der Vielzahl
der NS- Presseerzeugnisse ist es mir wichtig zu erwähnen, daß Auseinandersetzungen
der Parteiführung mit den Bauleitern in der NSDAP Tradition hatten und nach
der Machtübernahme keineswegs beendet waren. Ein einheitliches Echo im NS-Blätterwald
konnte auch mit der Presselenkung nicht erzeugt werden.
3.1.1.2. Sonstige Tages- und Wochenzeitungen 1933 gab es in Deutschland
ca. 3.400 Tageszeitungen, die offizielle NSDAP- Parteipresse mit 59 Tageszeitungen
eingeschlossen. Zu den bekanntesten Nicht- NSDAP- Zeitungen kann man wohl die
folgenden zählen: Frankfurter Zeitung, Berliner Tageblatt, Münchner
Neueste Nachrichten, Hamburger Fremdenblatt. Diese Zeitungen nahmen die nationalsozialistischen
Zumutungen (Schriftleitergesetz, Reichspressekonferenzen u.a.) vielfach erstaunlich
sprachlos hin. Diese passive Haltung hing wohl mit einem vielleicht in erster
Linie "bürgerlich- liberalen Unvermögen" zusammen, den Wesenskern
der nationalsozialistischen Bewegung zu erfassen.
3.1.2.
Personelle Säuberungen im Pressewesen Der Zugang zu den Presseberufen
sollte nicht wie bisher frei, sondern reglementiert sein. Dazu hatten sich Goebbels'
Juristen ein Journalistengesetz und ein berufsständiges Kammersystem ausgedacht.
Am 4.Oktober 1933 wurde vom Kabinett das Schriftleitergesetz verabschiedet. Dieses
Gesetz regelte die Zulassung zu den Presseberufen, entband den Journalisten vom
politischen Weisungsrecht seines Verlegers und nahm ihn in die Pflicht des Staates.
Nur ein deutscher Reichsangehöriger von mindestens 21 Jahren, "arischer"
Abstammung und nicht jüdisch verheiratet durfte Schriftleiter im Sinne dieses
Gesetzes sein. Die Mitgliedschaft in der NSDAP war allerdings nicht erforderlich.
Kurz darauf wurde die Reichspressekammer gegründet, ein Bestandteil der Reichskulturkammer.
Sie sollte die Vorschriften durchführen. Auch wurden die bisher selbständigen
Verleger- und Journalistenorganisationen der Reichspressekammer einverleibt. Eine
Mitgliedschaft in dieser Kammer oder dem entsprechenden Reichsverband war Voraussetzung
für die Betätigung als Redakteur oder Verleger.
3.1.3. Presselenkung und Gleichschaltung 3.1.3.1. Die Reichspressekonferenzen
und ihre Presseanweisungen Während in den ersten Monaten nach den
Märzwahlen 1933 noch relativ häufig Maßnahmen wie vorübergehende
Verbote und Beschlagnahmungen gegenüber der bürgerlichen und konfessionellen
Presse ausgesprochen wurden, welche mißliebige Nachrichten und Kommentare
brachten, so wurden diese Maßnahmen bis 1935 zusehends seltener. Zum
wichtigsten Instrument der Vorzensur entwickelten sich die sogenannten Reichspressekonferenzen.
Die Treffen fanden täglich kurz nach Mittag statt. Die Teilnahme wurde reglementiert.
So mußten Zeitungen Zulassungsgesuche einreichen, die Journalisten ein polizeiliches
Führungszeugnis und einen Lebenslauf. Die Teilnehmer erhielten einen entsprechenden
Ausweis. Jetzt bekam das Regime die politische Berichterstattung im engeren
Sinne sehr rasch in den Griff. Vertreter der Regierung gaben täglich in den
Konferenzen Anweisungen "ob und wie bestimmte Themen behandelt werden sollten".
Die Presseanweisungen waren sehr breit gefächert, wie folgende Beispiele
anschaulich dokumentieren: "Anweisung aus der Reichspressekonferenz vom
4.Mai 1936: ,Über die Einfuhr von Vollblutpferden soll nichts berichtet werden,'
Anweisung vom 26.Januar: ,Eine westdeutsche Zeitung hatte sich polemisch mit Thomas
Mann befaßt. Dies wird als absolut unerwünscht bezeichnet, Thomas Mann
soll ausgelöscht werden aus dem Gedächtnis aller Deutschen, da er nicht
würdig ist, den Namen Deutscher zu tragen.'."
3.1.3.2. Steuerung durch Nachrichtenagenturen Da nur wenige deutsche Zeitungen
einen eigenen Korrespondenten in der Hauptstadt hatten, waren Nachrichtenagenturen
als Mittel zur inhaltlichen Steuerung von großer Bedeutung, denn viele Blätter
waren auf deren Informationen angewiesen. Die wichtigste Quelle war das Deutsche
Nachrichtenbüro (DNB), das aus der Zusammenlegung des Wolffschen Telegraphenbüros
(WTB) und der Telegraphen- Union Internationaler Nachrichtendienst GmbH (TU) hervorgegangen
war. Die Meldungen des DNB waren maßgeblich für Berichterstattung
und auf Anweisung unverändert als Auflagenachrichten zu veröffentlichen.
Diese Reglementierungen blieben beim Publikum nicht unbemerkt, so daß das
Kürzel DNB im Volksmund für "Darf Nichts Bringen" stand.
Durch die Verbreitung der Informationen über diese Nachrichtenagenturen,
speziell dem DNB war es offenbar möglich, ein weitgehend einheitliches Echo
im Pressewald zu generieren, auch wenn das von der Bevölkerung erkannt wurde,
was aus der oben genannten Volksmundparole geschlossen werden kann.
3.1.3.3.Zusammenlegungs- und Schließungsaktionen Die Nationalsozialisten
schoben Neugründungen von Zeitungen, Zeitschriften und Korrespondenzbüros
bereits im September 1933 einen Riegel vor: "zur Befriedung der wirtschaftlichen
Verhältnisse im deutschen Zeitungswesen." Die Amann- Anordnungen
beseitigten zwei Jahre später "ungesunde Wettbewerbsverhältnisse"
innerhalb der Presse. Reichspressekammer- Chef Max Amann erreichte damit
die Ausschaltung der konfessionellen Presse und die Schließung kleinerer
Lokalzeitungen in Orten wo bisher mehrere Zeitungen existierten, so daß
es dort nur noch eine Zeitung gab. Da nicht definiert war, welche Zeitung zu schließen
sei fiel diese Entscheidung fast immer zuungunsten der privateigenen Verlage aus.
Die NS-Blätter gingen bei diesen Veränderungen praktisch immer als Sieger
hervor. Dadurch wuchs der parteieigene Eher- Konzern [durch den sämtliche
Parteiorgane verlegt wurden] unter der Leitung Amanns weiter an. Das Gebäude
der nationalsozialistischen Verlagspolitik war somit im Jahre 1939 nahezu vollendet.
Zwar befand sich zahlenmäßig noch ein großer Teil der Zeitungen
in Privatbesitz, doch auflagemäßig war der Eher- Konzern der unangefochtene
Spitzenreiter. Nach Kriegsbeginn im Jahre 1933 stellten einige kleinere Provinzblätter
ihr Erscheinen ein. Wie es hieß "zunächst für die Kriegszeit".
Alle anderen Blätter erschienen vorerst weiter. Im Laufe des Krieges aber
kam es zu drei kriegsbedingten Zeitungsschließungsaktionen, die erste davon
im Mai 1941. Dieser Aktion fielen mehr als 500 !kleine und kleinste Zeitungen"
zum Opfer, die gesamte konfessionelle Presse - mit Ausnahme der Amtsblätter
- wurde ausgeschaltet. Die Zahl der Zeitschriften wurde durch Zusammenlegungen
und Schließungen von 15.000 auf 2.500 stark reduziert. Ende Januar 1943
veranlaßte Amann seine zweite Aktion. In ihr wurden zunächst weitere
1.000 Zeitschriften vom Markt gedrängt. Es wurden nochmals ca. 400 Zeitungen
stillgelegt, darunter auch bedeutende Blätter, wie die Frankfurter Zeitung
und die Münchner Zeitung. In Städten mit bis zu 100.000 Einwohnern gab
es von jetzt an nur noch ein Blatt. Diese zweite Schließungsaktion war im
Vergleich zu der ersten Ergebnis der Verschärfung der militärischen
Situation Deutschlands. Im September 1944 kam es aufgrund der Maßnahmen
für den "Totalen Krieg" zur dritten kriegsbedingten Aktion. Von
jetzt an durften nur noch in 20 Großstädten mehr als eine Zeitung erscheinen.
Ein Großteil der privateigenen Blätter fiel dieser Aktion zum Opfer.
Titel alteingesessener Zeitungen gingen beim Zusammenlegen unter, sie erschienen
nun unter dem Titel der Parteizeitung. Von diesem Termin an gab es nur noch drei
überregionale deutsche Tageszeitungen mit Auslandsgeltung. Es handelte sich
dabei um die zum Eher- Konzern gehörenden Deutsche Allgemeine Zeitung, die
Münchner Neueste Nachrichten und die Kölnisch Zeitung.
3.2. DER RUNDFUNK 3.2.1. Entwicklungen zur ersten regelmäßigen
deutschen Rundfunksendung Bis zum ersten regelmäßigen Rundfunkprogramm
in Deutschland gab es eine Reihe von entscheidenden Entwicklungen und Veränderungen
auf dem Gebiet des Rundfunks. "Anfang der zwanziger Jahre [bestand] das Reichsfunknetz
aus der 1919 von der Heeresverwaltung übernommenen Hauptfunkstelle Königs-
Wusterhausen bei Berlin, über welche die Post einen regelmäßigen
telegraphischen Presse- und Rundspruchdienst verbreitete. zu Beginn des Jahres
1920 begann Königs- Wusterhausen mit Versuchen zur Ausstrahlung telefonischer
Wirtschaftsnachrichten. Es entstanden Radioklubs [...], verbunden mit einer großen
Zahl nicht genehmigter Empfangsstellen. In dieser Situation fürchtete der
Staat, [...], um die Staatssicherheit. Die Reichswehr erklärte sich mit der
Freigabe des Empfangs unter der Bedingung einverstanden, daß die Rundfunkindustrie
nur solche Mittelwellen- Empangsgeräte auf den Markt brachte, die das Abhören
des militärisch genutzten Frequenzbereich ausschlossen. Die Reichspost, welche
die Funkanlagen betrieb, eröffnete 1922 zusammen mit dem "Eildienst
für amtliche private Handelsnachrichten Gesellschaft mbH" den "Wirtschafts-
Rundspruchdienst" [...]. Im selben Jahr gründete dieser Eildienst sein
Tochterunternehmen "Deutsche Stunde, Gesellschaft für drahtlose Belehrung
und Unterhaltung", und ebenfalls 1922 schlossen sich einige Unternehmen der
funktechnischen Industrie in der "Rundfunk- Gesellschaft mbH" mit der
Absicht zusammen, den Unterhaltungsrundfunk privatwirtschaftlich zu betreiben.
Die "Deutsche Stunde" sowie die kurz darauf gegründete "Drahtlose
Dienst AG für Buch und Presse" erhielten [...] die Konzession für
einen regelmäßigen Programmdienst [...]. Am 23.Oktober 1923 begann
die "Dradag" mit der ersten regelmäßigen Rundfunksendung
in Deutschland [...]. 1925 entstand dann die "Reichs- Rundfunkgesellschaft"
als Zusammenschluß von Filialgesellschaften der "Deutschen Stunde"
und unter Beteiligung privater Geldgeber. Die Gesellschaft sendete vor allem Unterhaltungsmusik,
Nachrichten, Vorträge und Börsenberichte." Es ist erkennbar,
daß in den Anfangsjahren vorzugsweise Wirtschaftsnachrichten zur Verbreitung
gelangten, später folgten Unterhaltungssendungen bis "mit der ,Machtergreifung'
auch die nationalsozialistische Herrschaft im Rundfunk begann".
3.2.2. Personelle Säuberungen im Rundfunkwesen Goebbels rief am
25.März 1933 in einer Rede vor den Rundfunkintendanten zur personellen Säuberung
auf: " ,Der Rundfunk wird gereinigt wie die ganze preußische und deutsche
Verwaltung gereinigt wird'. Ziel sei es, ,daß hundertprozentig die ganzen
Funkhäuser der nationalen Regierung dienen und sich dem Volke verpflichtet
fühlen.'." Das Regime machte sich die Rundfunkmitarbeiter mit Verhören,
Verleumdungen, Fragebögen, Beschlagnahmung von Akten, Kündigungen, Versetzungen,
aber auch mit Wiedereinstellung zu verminderten Bezügen gefügig. Zur
Jahresmitte 1933 konnte die Reichs- Rundfunk- Gesellschaft die Entlassung von
98 leitenden und 38 sonstigen Rundfunkangestellten bekanntgeben. Zum Jahresende
waren ca. 13% aller früheren Mitarbeiter entlassen.
3.3. DAS NEUE MEDIUM FERNSEHEN 3.3.1. Die Entwicklung zum regelmäßigen
Programmdienst Nachdem die USA bei der Übertragung von Fernsehprogrammen
eine Pionierrolle einnahmen und 1932 bereits 32 Versuchsstationen Fernsehsendungen
ausstrahlten, die britische Regierung schon seit 1934 die Forschung zur Entwicklung
des Fernsehens aufmerksam verfolgten, wollte die "Reichs- Rundfunkgesellschaft"
bei der Einführung eines solchen epochemachenden Verfahrens keiner ausländischen
Gesellschaft den Vortritt lassen. Sie unternahm größte Anstrengungen
der BBC zuvorzukommen, die einen regelmäßigen Programmdienst für
den Herbst 1935 ankündigte. Deutschland konnte diesen "Wettlauf"
für sich entscheiden und am 22.März 1935 eröffnete Reichssendeleiter
Hadamovsky den ersten regelmäßigen Programmdienst der Welt.
3.3.2. Propaganda im vs. mit dem Fernsehen Aufgrund der geringen Verbreitungsdichte
(bis zum Kriegsbeginn wurden etwa 650 Geräte des Typs E1 produziert ) und
der noch nicht ganz ausgereiften Technik waren Goebbels und Hitler dem neuen Medium
gegenüber skeptisch eingestellt: "wirkten doch die Heroen der nationalsozialistischen
Bewegung auf einem immer noch stark flimmernden Fernsehbild von 22 mal 19 Zentimetern
eher lächerlich". So maß die Regierung für Propagandazwecke
dem Hörfunk und Film mehr Bedeutung bei. Es wurde für die wenigen
Fernsehteilnehmer ein Programm gesendet, aber diese Sendungen konnten während
des Krieges nur noch per Kabel in Berlin empfangen werden. Die Propaganda
im Fernsehen spielte für die Nationalsozialisten keine große Rolle,
aber auf die Propaganda mit dem Fernsehen (erster Programmdienst der Welt) konnten
sie setzen.
3.4. DER FILM IM DRITTEN REICH 3.4.1.
Institutionelle Entwicklung: Reichsfilmkammer und Reichslichtspielgesetz
Am 14. Juni 1933 wurde durch das Filmkammergesetz die "Gleichschaltung des
zu Zeiten der Weimarer Republik international anerkannten deutschen Films eingeleitet".
Die entstandene Reichsfilmkammer wurde ein Bestandteil der am 22.September 1933
gegründeten Reichskulturkammer und somit Instrument der nationalsozialistischen
Kulturpolitik. Wer sich auf dem Gebiet des Films betätigen wollte, mußte
Mitglied in dieser Kammer sein. Die Reichskulturkammer hatte die Möglichkeit,
Mitglieder abzulehnen und damit Berufsverbote auszusprechen. Somit bedeutete die
Errichtung der Filmkammer unter der Reichskulturkammer die "Abkehr vom demokratisch-
individualistischen Kulturaufbau hin zum völkisch- einheitlichen Kulturleben
unter staatlicher Lenkung". Im Februar 1934 wurde das Reichslichtspielgesetz
verabschiedet. Es bot die Möglichkeit, die Aufführung von Filmen zu
untersagen, die "nationalsozialistisches Empfinden" verletzten. Von
diesem Gesetz waren im ersten Jahr bereits mehr als 100 Filme betroffen.
3.4.2. Spezielle Filmgenres In der Zeit des Nationalsozialismus bildeten
sich verschiedene Filmgenres wie das der Historischen Spielfilme, die unpolitischen
Filme, Kulturfilme und die Wochenschauen heraus. Nach Happel lassen sich folgende
Arten vom Historischen Film unterscheiden: Preußenfilme, Kriegsfilme, Filme
über die Geschichte der Bewegung, Filme über das unterdrückte "Deutschtum
im Ausland", Antifilme (antiarabisch, -französisch, -semitisch, -bolschewistisch)
und biographische Filme. Es werden hier Ideologien wie "Treue, Kameradschaft,
Opfersinn, Gerechtigkeit, Gehorsam, Stolz, Mut, Gefolgschaftsdenken und Vaterlandsliebe
thematisiert", hierbei wird versucht, "die Geschichte für die Gegenwart
nutzbar zu machen." Bis zum Kriegsausbruch erschien im Reich die Wochenschau
der Ufa, die Deuling- Tonwoche, die Auslandswoche, die Wochenschau der Tobias
und der Bavaria (bis 1938) und die Fox Tönende Wochenschau. Nach Kriegsbeginn
gab es nur noch die Ufa- Tonwoche (später: Deutsche Wochenschau). Die Wochenschauen
waren von so großer Bedeutung, daß Hitler jede Ausgabe nach der Zensur
durch Goebbels vor ihrer Aufführung persönlich anschaute. Selbst in
Krisenzeiten wurden triumphale Siegesmeldungen gesendet.
3.4.3.
Der Film als Propagandamittel "Unter dem von 1933 bis 1945 als Schirmherr
des deutschen Films fungierenden Goebbels [...] sorgte der Reichsfilmintendant
[...] Dr. Fritz Hippler dafür, daß die [...] Filme ihren Zweck als
,Propagandamittel Nummer 1' erfüllten." Die Propagandawirkung des Films
war enorm, so daß "die kinofreundlichen Deutschen der Droge des nationalsozialistischen
Films zunehmend verfielen." Die Besucherzahlen stiegen von 624 Millionen
Kinobesuchern im Jahre 1939 auf 1,1 Milliarden Besucher 1943. Das war offenbar
nicht nur die Folge der Identifikation mit dem NS-Regime, sondern auch Erfolg
der Filmpolitik, die Goebbels geschickt zu handhaben verstand. 4.
DIE BEDEUTUNG VON PRESSE, RUNDFUNK UND FERNSEHEN Die Verkaufszahlen
von Presseerzeugnissen waren von 1932 an stark rückläufig und sind bis
1934 fast um die Hälfte zurückgegangen. Goebbels fürchtete aufgrund
dieser Entwicklungen um die Massenwirkung seiner Propaganda. Doch hatte er
noch ein anderes "Eisen im Feuer", den Rundfunk. Dieser war für
die Nationalsozialisten von nicht unerheblicher Bedeutung, mit ihm konnten sie
viele Menschen erreichen, z.B. ermöglicht durch den Volksempfänger.
Der Leiter der Abteilung III (Rundfunkabteilung), des Reichsministeriums für
Volksaufklärung und Propaganda, Horst Dreßler- Anderß bezeichnete
den Rundfunk "als ,das Verkündungsmittel der nationalsozialistischen
Weltanschauungseinheit'." Aufgrund der Tatsache, daß "Kommunikation
durch die Sprache häufig einen stärkeren, suggestiveren Einfluß
... als das geschriebene Wort" ausübt, wurde der Rundfunk intensiv genutzt.
So wurden Reden Hitlers und anderer Personen der Staats- und Parteiführung
über ihn verbreitet. Durch zahlreiche Reportagen von Autobahneröffnungen,
Reichsparteitagen und Staatsakten sollte eine Teilhabe der Volksgenossen an der
Selbstinszenierung des Regimes erreicht werden. Goebbels aber veranlaßte
bereits im September 1933, daß zahlreiche Unterhaltungssendungen, Konzerte,
Hörspiele und Dichterlesungen über den "Äther" zu senden
seien, damit die Zuhörer der nationalsozialistischen Propaganda nicht überdrüssig
wurden , damit wären sowohl die Rundfunkeinnahmen als auch die Werbekraft
des Rundfunks gesunken. Der Rundfunk sollte die Verbundenheit mit dem Regime
festigen, so wurde "scharfe Kritik gegen die Freiländer" gesendet
und die Ereignisse verzerrt dargestellt. Doch das Vertrauen in die Glaubwürdigkeit
solcher Sendungen fehlte. Bei einer Analyse der Bedeutung des Rundfunks muß
zwischen Friedenszeiten und Kriegszeiten unterschieden werden. So wurde versucht,
die Kriegsbegeisterung mit musikalischen Mitteln zu heben. Auf dem Programm standen
Wunschkonzerte mit Marschliedern wie: "Wir fahren gegen Engeland", "Panzer
rollen in Afrika vor", "Von Finnland bis zum Schwarzen Meer" und
auch Schlager wie "Heimat, deine Sterne". Der Rundfunk als Instrument
der Massenkommunikation im 20. Jahrhundert ist zugleich auch als historisches
Phänomen der Massenbeeinflussung und Propaganda insbesondere in dieser deutschen
Diktatur anzusehen. Information und Desinformation, Verformung und gezielte Agitation
waren Mittel, die Gegenstand der Propaganda des Rundfunks waren, selbstverständlich
im Sinne ideologischer Zielsetzung. Wie bereits im Abschnitt 3.3.3. dargestellt
war die Propaganda im Fernsehen für die Nationalsozialisten von eher nachrangiger
Bedeutung. Zum einen begründet durch die schlechte Qualität, zum anderen
durch den geringen Verbreitungsgrad. Bei allen drei Medienarten (Presse, Rundfunk,
Fernsehen) handelt es sich um sogenannte Massenmedien, da mit ihrer Hilfe erstmals
größere anonyme Publika erreicht werden konnten. Die Printmedien setzten
sich freilich nicht erst im Nationalsozialismus durch und das Fernsehen steckte
noch in den "Kinderschuhen". Inwieweit allerdings die Medien Einfluß
auf die Gesellschaft nahmen und ob sie ihre beabsichtigte Wirkung erzielten oder
doch verfehlten ist aus den sehr groben Kenntnissen der Programmpräferenzen
der Rundfunkteilnehmer nur schwer herleitbar, da es sich nur um sehr grobe Daten
der Nutzung handelt. Eine tatsächliche Nutzung ist aus den bekannten Nutzungsmöglichkeiten
nur unscharf zu erkennen.
5. MEDIALE DARSTELLUNG DER NSDAP
5.1. DER WAHLKAMPF DER NSDAP Damit eine Partei die nötigen Stimmen bei
einer Wahl erhält, benötigt sie in aller Regel ein ernstzunehmendes
Programm und entsprechende Wahlwerbung. Wie im Abschnitt 2 erwähnt, betrieb
die NSDAP schon vor 1933 eine ausgeklügelte Propagandaarbeit. Im "spannungsgeladenen
Dauerwahljahr 1932" zeigte sich die NS- Propagandamaschinerie in voller Aktion.
So wurden Themen und Tempo über weite Strecken von ihr bestimmt. Die Nationalsozialisten
kreierten die doppelsinnige Parole "Hitler über Deutschland", denn
während Brüning und Hindenburg das Land mit dem Zug durchfuhren, kam
Hitler mit dem Flugzeug zu seinen Auftritten, die oftmals unmittelbar neben dem
Landeplatz arrangiert waren, so daß die Zuhörer noch sahen, wie Hitler
vom Himmel kam. Aufgrund dieser Wahlkampfstrategie war es möglich, den Spitzenkandidaten
innerhalb weniger Tage vor Hunderttausenden sprechen zu lassen. Selbst wenn der
erhoffte Erfolg bei den Wahlen 1932 ausblieb, zeigen diese Deutschlandflüge,
wie sehr die Nationalsozialisten auf die Erzeugung eines überwältigenden
Eindrucks fixiert waren. Für die Märzwahlen 1933 stand den Nationalsozialisten
dann sogar der Rundfunk zur Verfügung, denn schließlich war Hitler
zu der Zeit bereits Reichskanzler. In Preußen übertrugen die Rundfunkstationen
45 Wahlsendungen, in denen ausschließlich Regierungsvertreter zu Wort kamen.
5.2. DER FACKELZUG ZUR MACHTERGREIFUNG Als am 30.Januar
1933 Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt wurde, war das ein normaler und legaler
Regierungswechsel, doch die NS-Propaganda zelebrierte diesen Tag als "Machtergreifung".
Dieser Machtwechsel im Reich wurde am gleichen Abend in Berlin von SA und Stahlhelm
mit einem Fackelzug gefeiert. 25.000 SA- und Stahlhelm- Männer marschierten
durch das Brandenburg Tor und an der Reichskanzlei vorbei. Damit wurde die historische
Bedeutung des Ereignisses bekräftigt. Diesem "Spektakel" sollten
nicht nur die Berliner beiwohnen, nein, "Goebbels hatte mit der Autorität
der neuen Regierung dafür gesorgt, daß der Rundfunk eine große
Live- Reportage brachte sowie Interviews mit Göhring und Hans Hinkel, Goebbels'
späterem ,Beauftragten für die Überwachung der im deutschen Reichsgebiet
geistig und kulturell tätigen Nichtarier'." Das nächtliche
Schlußwort reservierte Goebbels sich selbst - "zum ersten Mal ,über
alle deutschen Sender', wie er etwas großzügig in sein Tagebuch schrieb."
Nun nahm die nationalsozialistische Propaganda vorher unerreichte Ausmaße
und neue institutionelle Formen an. Dieser Fackelzug wurde u.a. von Arthur Kampf
auf dem mit "Der 30.Januar 1933" betitelten Bild dargestellt. Die
Machtergreifung wurde also propagandistisch "vermarktet", und solche
Bilder wie jenes von Arthur Kampf erinnerten an diesen Tag im Jahre 1933, an dem
die Nationalsozialisten die Regierungsgewalt übernahmen. Auch wurde dieses
Ereignis drei Jahre später für einen Propagandafilm nachgestellt.
5.3. DIE REICHSPARTEITAGE Bei den Reichsparteitagen der Nationalsozialisten
handelte es sich um reine Selbstinszenierung und Machtdemonstration. Sie sollten
der Stärkung des Gemeinschaftsgefühls dienen. Der erste Reichsparteitag
fand 1923 in München statt, der nächste erst nach der Aufhebung des
NSDAP-Verbots im Jahre 1926 in Weimar. Die Reichsparteitage, welche ab 1933 alljährlich
abgehalten wurden, signalisierten einen Höhepunkt der nationalsozialistischen
Propaganda. Organisiert wurden diese Kundgebungen - die auf dem eigens dafür
geschaffenen Reichsparteitagsgelände in Nürnberg abgehalten wurden -
von Joseph Goebbels. Sie standen seit der Machtergreifung immer unter einem
Motto, welche lauteten wie folgt: 1933 "Sieg des Glaubens", 1934 "Triumph
des Willens", 1935 "Reichsparteitag der Freiheit", 1936 "Reichsparteitag
der Ehre", 1937 "Reichsparteitag der Arbeit", 1938 "Reichsparteitag
Großdeutschlands" und 1939 "Reichsparteitag des Friedens".
Letzterer fiel aber wegen des deutschen Überfalls auf Polen aus. Damit
war der zehnte Parteitag der letzte seiner Art. Die Mottos hatten auch teilweise
einen politischen Hintergrund, so beispielsweise die Machtergreifung, Vollendung
der Diktatur und Wiedereinführung der Wehrpflicht. Die Mittel der Massenpsychologie
wurden auf allen Parteitagen gleichsam geschickt eingesetzt. "Die Marschierenden
formierten sich auf dem Gelände zu riesigen, hierarchisch gegliederten Menschenquadern.
Neben Aufzügen, Sportvorführungen, Parolenausgaben, Treuegelöbnissen
und Totenehrungen war der Höhepunkt eine programmatische Rede Hitlers. Um
den dramatischen Effekt noch zu steigern, überwölbten Flakscheinwerfer
die abendlichen Appelle mit einem Lichterdom." Nun lag die Aufgabe der Verbreitung
der Botschaft beim Rundfunk und der "Deutschen Wochenschau", welche
dafür sorgten, "daß diese Machtdemonstration ihr breites Publikum
fanden und so die beabsichtigte Suggestion überdimensionaler Macht bei Großteilen
der Bevölkerung ihre Wirkung nicht verfehlte." Leni Riefenstahl,
die bis heute in der Fachwelt als Regisseurin geschätzt wird, "verstand
es mit ihren Parteitagsfilmen [...] brutale Machtausübung zu ästhetisieren
und damit die Masse zu faszinieren." Daran ist zu erkennen, daß
weite Kreise der Bevölkerung den Inszenierungen Glauben schenkten und mit
der Politik Adolf Hitlers und der Partei übereinstimmten. Damit hatten die
Nationalsozialisten ihr Ziel erreicht.
5.4. DIE OLYMPISCHEN
SPIELE 1936 IN BERLIN Die weltweit größte Aufmerksamkeit dürften
zweifelsohne die Olympischen Spiele von 1936 in Garmisch-Partenkirchen (6.-16.Februar)
und Berlin (1.-16.August) erlangt haben. Hier hatten die Nationalsozialisten die
Möglichkeit, ihren Friedenswillen und Willen zur Völkerverständigung
der Welt zu zeigen. Den Zuschlag für die Austragung erhielt Berlin 1931 vom
IOC , also noch zwei Jahre vor der nationalsozialistischen Machtübernahme.
Zwar sprach sich die NSDAP gegen die Austragung der Spiele aus, doch Hitler sah
in diesen Wettkämpfen die Chance, "die ,Weltgeltung' des Dritten Reiches
zu demonstrieren." Trotz der Boykottaufrufe internationaler Sportverbände
und deutscher Emigranten, der Nürnberger Gesetze von 1935 und der Rheinlandbesetzung
vom Mai 1936 revidierte das Internationale Olympische Komitee seine Entscheidung
für Berlin nicht. So wurden diese Spiele zu einer "beispiellosen ästhetisch-
politischen Großinszenierung", ermöglicht durch hohen finanziellen
und organisatorischen Aufwand. Anläßlich der Olympischen Spiele wurde
die Sendezeit des Fernsehens von zwei auf acht Stunden täglich erweitert.
Die größtenteils direkt übertragenen Wettkämpfe waren in
den 25 öffentlichen Fernsehstuben in Berlin, zwei Empfangsstellen in Leipzig
und einer in Potsdam zu sehen. So kamen mehr als 160.000 Besucher zum Gemeinschaftsempfang.
Die Live- Übertragung wurde durch das sogenannte Zwischenfilmverfahren ermöglicht.
Die Filmaufnahmen wurden mit modernster Technik erstellt, so plazierte Telefunken
seine monströse Ikonoskop- Kamera (Länge inkl. Teleobjektiv 2,20 m)
in etwa 20 Metern Abstand vom Ziel der 100-m-Bahn. So konnte sowohl das gesamte
Oval des Stadions als auch die Ehrentribüne gefilmt werden. Die bereits
im Abschnitt 5.3. erwähnte Regisseurin Leni Riefenstahl war ebenfalls verantwortlich
für den offiziellen Olympiafilm. Er wurde nach zweijähriger Montagearbeit
fertiggestellt und stellt die sportlichen Siege als Taten von Übermenschen
dar, denen die Menschenmassen unter dem Lächeln Hitlers zujubelten. Der Rassismus
wurde bewußt ausgeblendet, so vermied Hitler es beispielsweise, dem vierfachen
schwarzen Goldmedaillengewinner Jesse Owens bei der Ehrung die Hand zu geben.
Auch war es für die Nationalsozialisten wichtig, welches Bild Deutschlands
ins Ausland getragen wurde, so verschwanden "für die Dauer der Spiele
[...] antisemitische Parolen aus dem Straßenbild [...] und der Verkauf des
Hetzblattes Der Stürmer [wurde] untersagt." Die Propaganda anläßlich
der Olympischen Spiele scheint ihr Ziel nicht verfehlt zu haben, wenn man zeitgenössische
Film- und Tondokumente anschaut. 6. RESÜMEE Wie die
Ausführungen zeigen, wurde in allen Bereichen, die für Propaganda und
Indoktrination nützlich erschienen, ein Apparat aufgebaut, der es den Nationalsozialisten
ermöglichte, ihr Weltbild auf die Gesellschaft zu übertragen. Die Frage
nach der Wirkung stellt sich als sehr vielschichtig dar. Es kann nicht davon ausgegangen
werden, daß der "Propaganda- und Indoktrinationsapparat" jeden
Menschen umgeformt hat, denn das ist ebenso abhängig von der Person, die
indoktriniert werden soll. Trotzdem verstanden es die Nationalsozialisten, ihren
Hitler- Mythos und Volksgemeinschaftsmythos zu verbreiten. Diese sorgsam aufgebauten
Mythen sind in ihrer Wirklichkeit nicht zu unterschätzen. Daß die
zwei zentralen Figuren Hitler und Goebbels zweifelsfrei die Menschenmassen für
die nationalsozialistischen Ideen begeistern konnten, zeigt ein Ausspruch Joseph
Goebbels nach seiner am 18.Februar 1943 gehaltenen Sportpalastrede zum "Totalen
Krieg" im kleineren Kreis. Er urteilte über seine Zuhörer wie folgt:
"Wenn ich ihnen befohlen hätte, vom Dach eines Hochhauses zu springen,
sie hätten es getan."
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Adolf Hitler. Eine Biographie in Texten, Bildern, Dokumenten. München 1989(Zit.:Zentner,Hitler) http://www.ardzdf.de/geschichte/ges1_3.html
http://www.rhein-neckar.netsurf.de/~mdz/his-film.htm Autor: Ricarda
D. Herbrand Hochschule: FSU Jena Veranstaltung: Das Dritte Reich 1933-39
(PS) WS 1998/99 (D: van Laak) Benotung: 1,7 Mein Dank gilt Andreas
Lenger. |