| Die
mediale Rezeption des Irakkonflikts in der New York Times am Beispiel medialer Verarbeitung der Außenpolitik Deutschlands | ||
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Zur Einleitung in die Thematik erfolgt im folgenden Kapitel zunächst eine Definition der grundlegenden theoretischen Modelle anhand derer sich die Vermittlung internationaler bzw. außenpolitischer Prozesse in der Medienlandschaft deuten lassen. Für die Analyse von Kommunikation und ihrer Wirkung sind bestimmte Kategorisierungen unerlässlich. Basale theoretische Konstrukte wie Frame, Image, Thema, Diskurs werden nun näher erläutert. 2.1. Image-Bildungs-Prozesse Kognitive sowie affektive Vorstellungen und Urteile, die sich ein Mensch in Bezug auf die Realität seiner Umwelt bildet, werden als Images (Bilder) bezeichnet. Bei entsprechendem Informationsangebot dienen sie einer adäquaten Bewältigung der Umwelt durch Reduktion von Komplexität. Je abstrakter ein Gebiet sich für den Handelnden darstellt, desto mehr neigt er zur Imagination ohne jeglichen Realitätsbezug. Bilder werden nach dem Modell der kognitiven Dissonanz in bereits bestehende Wissensstrukturen - durch Sozialisation und eigene Erfahrung entstanden - eingebettet. Es ist hervorzuheben, dass den Medien im Pro-zess der Image-Bildung im internationalen Kontext aufgrund der vergleichsweise hohen Abstraktion eine größere Rolle zukommt als Erfahrung und Sozialisation. Images definieren sich unter anderem auch durch eine kollektive Komponente - die Einordnung in einen grö-ßeren sozialen Zusammenhang erscheint dem Individuum in Bezug auf soziale Integration und Kommunikation als eine wichtige Funktion. Besonders im Hinblick auf "Medienver-einheitlichung" in Krisen und Konflikten spielen kollektivistische Image- Bildungs-Prozesse eine große Rolle. Der Begriff des Stereotyps ist in den kollektivistischen Bildbeg-riff zu integrieren - hier überwiegen Erfahrung und etablierte Meinungen, sowie die Einstel-lung des sozialen Umfeldes - "for the most part we do not first see, and then define, we de-fine first an then we see" Bilder erweisen sich jedoch nicht als statisch, sondern können einem Wandel unterworfen sein, es wird "zwischen der Notwendigkeit der Orientierungs-leistung vereinfachender, schematisierter und kollektivierter Bilder im allgemeinen und der Wandelbarkeit jedes einzelnen Bildes unterschieden". Die Wandlung eines Images muss nicht unbedingt einen Verlust der Orientierungsleistung zur Folge haben, viel mehr ist dieser Prozess eine Anpassungsleistung, in dem neue Informationen in den bestehenden Wissens-stand eingegliedert werden. Bedingungen dieses Bildwandels betreffen sowohl die affektive Ebene z.B. die Erwartung, dass sich die Änderung positiv auswirkt; als auch die Dimension der Sozialisation und Bildung, sowie das Informationsangebot, welches dem Rezipienten zur Verfügung steht. 2.2. Frame- Thema- Diskurs Die
Einflussnahme der Medien auf die Öffentlichkeit kann unter anderem durch
die Agenda Setting Hypothese beschrieben werden. Sie besagt, dass Medien einen
indirekten Einfluss auf den öffentlichen Diskurs ausüben, indem sie
durch Themenstrukturierung und die Art und Weise wie dies geschieht, "die
Blickrichtung des Bildformationsprozesses vorgeben" . 3. Die Rolle der Medien in internationalen Konflikten Nachrichten, welche selektiert werden und einen relevanten Standpunkt auf der Medien-agenda darstellen, sind Bestandteil politischer Bildung und Information weswegen sie durch eine kontext- und prozessbetonte Darstellungsweise beim Rezipienten die Kompetenz ver-mitteln, mit komplexen internationalen Problemstellungen umzugehen . Jedoch weist die Nachrichtenvermittlung in der Auslandsberichterstattung einige Defizite auf: wesentlich im Bezug auf die Situation der Krisenkommunikation erscheinen vor allem "die Nichtdarstel-lung bedeutsamer Entwicklungen und Probleme" und die "Feindbildproduktion als Legiti-mation und Handlungsanleitung von Individuum, Gesellschaft und Politik" . 3.1. Defizite der Auslandsberichterstattung Ereignisse, welche
durch ein hohes Konfliktpotential gekennzeichnet sind, besitzen eine ho-he Wahrscheinlichkeit,
medial aufgegriffen zu werden. Doch vor allem in Krisen- und Konfliktzeiten weist
das medial vermittelte Auslandsbild einige Defizite auf. Im Hinblick auf die Thematisierung
des Irakkonfliktes werden an dieser Stelle nur einige Faktoren ge-nannt, welche
am relevantesten erscheinen. Wenn man davon ausgeht, dass mediale Ver-mittlung
eher ereigniszentriert denn prozessorientiert agiert, erscheint die Dekontextualisie-rung
als eine zu erwartende Konsequenz. Bilder und Frames werden nicht mehr in einen
Gesamtkontext gebracht, also in einem Diskurs reflektiert, sondern isoliert dargestellt.
Dies erschwert dem Rezipienten, politische Vorgänge in ihrer Gesamtheit zu
verstehen. Feind-bilder und Stereotypen haben somit größeren Einfluss
auf den Bild-Wandlungs-Prozess. 3.2. Die Bedeutung der Kommunikation in internationalen Konflikten Die
Einschätzung eines Konfliktes als eine Krise ist abhängig von der "entsprechenden
Wahrnehmung der aktiven Kräfte der öffentlichen Meinung" . Sie
muss als eine Entwick-lung rezipiert werden, die potentiell existenzgefährdend
ist, und deren Dynamik und Verlauf sich nicht einschätzen lassen. Wenn ein
Konflikt von der Gesellschaft mehrheitlich als eine Krise gedeutet wird, bewirkt
dies auch eine Stärkung der öffentlichen Meinung bezüglich des
Auslandsbildes. In der Verbindung mit dem Konfliktmoment der Medien erschließt
sich die Konsequenz, dass Medien in Krisenzeiten "ein hohes Aktivitätspotential
entfal-ten" . Die Rolle der Medien in internationalen Krisen lässt sich
unter anderem mit dem In-terpendenz-Modell von Richard Rosecrance beschreiben
. Er geht von drei verschiedenen Situationen sowie unterschiedlichen Wechselwirkungen
zwischen Interessen und Kommuni-kation der Akteure innerhalb von Konflikten aus.
Dabei spielt der Einfluss des Kommunika-tionsniveaus eine immense Rolle. Stehen
sich zwei Staaten prinzipiell positiv gegenüber, d.h. haben sie eine grundsätzlich
kompatible Interessenstruktur, so wirkt ein hohes Kommu-nikationsniveau stabilisierend,
ein Mangel an Kommunikation kann hingegen zu einer Inten-sivierung des Konfliktes
führen. In Konflikten, bei denen die Akteure weder positive noch negative
Interdependenz aufweisen, also Beziehungen einen geringen Stellenwert innehaben,
sind der Grad und die Qualität der Kommunikation maßgeblich verantwortlich
für die Art und Intensität der Beziehung. Es ist sozusagen eine Abhängigkeit
vom Kommunikationsni-veau zu verzeichnen. Im dritten Fall - der negativen Interdependenz
- spielt dieses Kommu-nikationsniveau eine untergeordnete Rolle. Die Akteure vertreten
gegensätzliche Interessen - Konflikte sind nur durch Austragen derselben,
Verbleiben im Konflikt oder Neudefinition der Interessen zu lösen.
4.1. Diskursrelevante Themen Ohne Frage stellt der aktuelle Irakkonflikt ein vorherrschendes Thema auf der Medienagen-da, sowohl in den USA, als auch in Deutschland dar. Zunächst kann man den öffentlichen Diskurs in einzelne Themen gliedern. Diese Themen bedingen einander und die jeweilige Gewichtung hängt sowohl vom Medium selbst, seiner politischen Ausrichtung, als auch dem Staat ab, in dem publiziert wird. Diese Gliederung könnte wie folgt aussehen: a) Eigentlicher Kernpunkt
- Massenvernichtungswaffen im Irak als offizieller Grund für Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen verabschiedete am 8. November die Resolution 1441. Die USA forderte bereits zu diesem Zeitpunkt, dem Irak mit einem Krieg zu drohen, wenn dieser seine Waffenarsenal nicht offen legen würde. Da sich der Sicherheitsrat nicht auf diese Lösung hatte einigen können, beschränkte man sich auf die Ankündigung von ernsthaften Konsequenzen - "falls bis zum 27. Januar nicht geklärt sein sollte, dass der Irak keine Massenvernichtungswaffen besitzt" .Waffeninspektoren sollten dies klären. "Die USA interpretieren [diese Resolution] als Freibrief für einen Präventivschlag - viele Staaten sind allerdings der Ansicht, dass es für einen Angriff einer expliziten, zweiten Resolution bedürfe, in der ein Krieg beschlossen würde." Der mögliche Besitz von Massenvernich-tungswaffen wird allerdings nur von den deutschen Medien als ´Kernpunkt´ medial vermit-telt. In den US- amerikanischen Medien wird eher die Verbindung Saddam Husseins mit dem fundamentalistischen Terrorismus Bin Ladens verknüpft. Als Kernpunkt ergibt sich dem zufolge ein anderer - die militärische Bekämpfung des Iraks mit dem Ziel dem Terro-rismus Einhalt zu gebieten und die `zivilisierte´ Welt zu schützen. Auch ein erneuter Bericht der Waffeninspektoren konnte keine neuen Ergebnisse erbringen -es wurden weiterhin kei-ne Massenvernichtungswaffen im Irak gefunden. Die Frage einer militärischen Intervention wurde jedoch erneut vertagt. b) Der
Konflikt zwischen zwei Parteien: Befürworter einer militärischen Intervention
contra Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen ist sich nicht einig - dieser Konflikt zwischen den Befürwortern eines Krieges und den ´Zweiflern´ zieht natürlich die mediale Aufmerk-samkeit auf sich, da dieser ein gewisse zusätzliche Brisanz mit sich bringt. Durch diese Bri-sanz erhöht sich natürlich der Nachrichtenwert im Sinne einer Negativierung. In diese zwei großen Themen gliedern sich weitere kleinere, deren mediale Präsenz stärker differiert: Pro-testbewegungen gegen einen Präventivkrieg und das Land Irak selbst - nicht seine Politik. Die hier beschriebene Hierarchie der medialen Themensetzung bezieht sich lediglich auf Printmedien, da z.B. im Internet eine Fülle verschiedenster Aspekte vermittelt werden, wel-che es unmöglich machen, Schwerpunkte zu setzen.
Aufgrund der Fülle der verschiedenen Themengebiete erfolgt in den weiteren Ausführungen eine Konzentration auf den zweiten Themenbereich - speziell auf die Rezeption der deut-schen Außenpolitik in der New York Times. 4.2.1. Beziehungsqualität Deutschland - USA Bei der Betrachtung des Verhältnisses USA - Deutschland ist eine positiv interdependente Beziehung der beiden Nationen festzustellen. Sie ist durch gemeinsame wirtschaftliche und politische Interessen geprägt, die interstaatliche Diplomatie ist durch eine ausgeprägte Kommunikation gekennzeichnet. Der Konflikt mit dem Irak und die unterschiedlichen Standpunkte beider Nationen führen allerdings auch zu Differenzen in der Beziehung USA - Deutschland. Im den folgenden Ausführungen soll zumindest ansatzweise geklärt werden, welche Frames vorrangig medial transportiert werden und wie sich diese Rahmensetzung möglicherweise begründet. Zusätzlich werden die bereits erläuterten Begrifflichkeiten wie Image- Bildungsprozesse und Defizite des Auslandsbildes integriert.
In der New York Times, eines der konservativsten Blätter der amerikanischen Presseland-schaft, nimmt die Berichterstattung über europäische Außenpolitik seit der "Hochphase" der Irakkrise ein deutlichen Anteil ein. Dies überrascht nicht, steigt doch in Krisenzeiten die Konzentration auf das außenpolitische Geschehen, sofern es einen Einfluss auf die Innenpo-litik des jeweiligen Landes hat. Die Haltung europäischer Nationen zu militärischen Inter-ventionen hat in sofern einen Einfluss auf US-amerikanische Politik, da der Großteil der Be-völkerung einen Präventivkrieg nur im Falle einer Legitimation durch eine UN-Resolution unterstützt. Hypothese: Die mediale Rezeption
der deutschen Haltung in der Irakfrage stellt einen Gegenpol zur Rezeption der
US-amerikanischen Außenpolitik dar. Die
Vermittlung der US-amerikanischen Position wird aber auch durch die mediale Rezep-tion
der deutschen Außenpolitik unterstützt, wobei die negative Berichterstattung
als Ge-genposition das medial transportierte Selbstbild der USA verstärkt.
Auch hier spielt die Konzentration der Presse auf politische Akteure eine immense
Rolle. Aussagen, vor allem von US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld zum Standpunkt
Deutschlands im UN-Sicherheitsrat, werden vordergründig transportiert. Es
lassen sich diverse Frames auf ver-schiedenen Ebenen feststellen. Zum einen wird
die Beziehung Deutschland - USA themati-siert - hier dominieren Aussagen über
die Schädigung des diplomatischen Verhältnisses. Fragen im Bezug auf
die Regeneration der deutsch-amerikanischen Freundschaft implizie-ren eine hochgradige
Schädigung der Beziehung. Inwieweit dies der Realität entspricht ist
noch nicht abzusehen. Es stellt sich allerdings die Frage, ob die allgemeine Qualität
der Be-ziehungen angesichts der Intensität der Irakproblematik einen großen
Stellenwert einnehmen sollte. Neben der Thematisierung der Gefährdung deutsch-amerikanischer
Beziehungen, welche eher eine affektive Ebene des Rezipienten anspricht, spielt
die Darstellung der Posi-tion Deutschlands im internationalen Verhandlungsprozess
eine nicht zu vernachlässi-gende Rolle. Die USA stößt im UN-Sicherheitsrat
auf zunehmenden Widerstand. Obwohl Frames wie zum Beispiel Isolation in NATO und
UN-Sicherheitsrat, und Deutschland als Quertreiber einen gewissen Stellenwert
in der Berichterstattung einnehmen, kann man mit dem wachsenden Widerstand gegen
einen Krieg auch eine differenziertere Berichterstattung beobachten. Das Image
der sich aus dem Staub machenden Wiesel, welcher für Deutschland und auch
Frankreich steht, ist jedoch in seiner Grundaussage durchaus noch enthalten. 5. Schlussbemerkung Zusammenfassend
kann man feststellen, dass in der New York Times im zeitlichen Aus-schnitt der
Monate Januar und Februar 2003 eine tendenzielle Vereinheitlichung der Themen
und Frames zu verzeichnen ist. Man kann jedoch immer nur einen kleinen Bereich
der Me-dienlandschaft untersuchen, was das Aufstellen allgemeingültiger Aussagen
erschwert. In-wieweit die Berichterstattung über die deutsche Außenpolitik
die Meinungsbildung der ame-rikanischen Öffentlichkeit beeinflusst, muss
differenziert betrachtet werden und ist durch eine alleinige Auswertung der NYT
nicht möglich. Die Widerstandsbewegung in den USA wird jedoch zunehmend stärker
und auch wenn die konservative amerikanische Presse sehr einheitlich berichtet,
so wird man sich angesichts der wachsenden Zahl an Protestbekundun-gen im Internet
bewusst, dass politische Meinungsbildung nicht allein von der Presse abhän-gig
ist. "Wenn man Nachrichten bekommen will, dann muss man sich heute als Amerikaner
in Übersee auf die Suche begeben" - Aussagen wie diese enthalten wohl
eine gewisse Wahrheit, aber allzu vorbehaltlos dürfen auch sie nicht angenommen
werden.
Anhang
FOREIGN DESK |
January 23, 2003, Thursday
NEWS | February 14, 2003
Literaturverzeichnis Böhmel, Max: Unabhängige Berichterstattung? Dass ich nicht lache. Interview mit dem Journalisten John R. MacArthur. http://www.heise.de. 04.02.2003. Stand: 09.02.2003. Hafez, Kai: Die politische Dimension der Auslandsberichterstattung. Band 1: Theoretische Grundlagen. Baden-Baden 2002. Hafez, Kai: Die politische Dimension der Auslandsberichterstattung. Band 2: Das Nahost- und Islambild der deutschen überregionalen Presse. Baden-Baden 2002. Le Carré, John: Bekenntnis eines Terroristen. In: Der Spiegel, Nr.4 vom 20.01.2003, S.138-140. McCombs, Maxwell/ Shaw, Donald L./ Weaver, David (Hg.): Communication and De-mocracy. Exploring the Intellectual Frontiers in Agenda- Setting Theory. London 1997. Tyler E. Patrick/ Elder, Janet: Poll Shows Most Want Delay. http://www.nytimes.com 14.02.2003. Stand: 16.02.2002. http://www.heise.de/tp/ http://www.heute.t-online.de http://www.n-tv.de http://www.nytimes.com http://www.sueddeutsche.de http://www.washpost.com http://www.zeit.de Autor:
Karoline
Zanke | ||
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