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Inhaltsübersicht
1. Vorwort
2. Einleitung – Von der Restauration zur Revolution
2.1.Die postnapoleonische Periode
2.2. Les Trois Glorieuses - Die Glorreichen
drei Tage (27. – 29. Juli 1830)
3. Louis-Philippe - Das Mensch gewordene
1830
4. Kabinett oder König? Wer herrscht, wer regiert? – Die
Innenpolitischen Grundzüge der Julimonarchie
4.1. Der Widerstand und
die Bewegung
4.2. «Le roi règne, mais il ne gouverne pas » ? - Der politische Kurs nach 1832
5. Die außenpolitischen Grundzüge
der Julimonarchie
6. Die unruhigen Nachwehen der Julirevolution – Opposition,
Aufstände und Aufruhr
6.1. Der legitimistische Widerstand
6.2.
Der linke Widerstand
6.3. Soziale Unruhen
6.4. Die Bonapartisten
7. Fazit – Die Bedeutung der Julimonarchie
Literaturverzeichnis
1. Vorwort „[...] wirklich
plausibel zu erklären, warum vor allem Arbeiter, Handwerker, kleine Ladenbesitzer
und in den letzten Stunden auch eine Handvoll Studenten die Julirevolution von
1830 ausfochten, während die Bourgeoisie, die auf dem Gemälde von Delacroix
in jenem elegant gekleideten jungen Mann mit Zylinderhut dargestellt ist, der
auf den Barrikaden steht und eine Muskete in den Händen hält, angstvoll
und unentschlossen den Ereignissen zuschaute“. Die Julirevolution
von 1830 wurde immer wieder als die verratene oder die gestohlene Revolution bezeichnet
. Die Bourgeoisie hätte die Früchte geerntet, die von den unteren Schichten
und besonders das in seinen Anfängen begriffene Proletariat unter hohen Verlusten
(allein in Paris ca. 3000 Gefallene auf den Barrikaden) erkämpften. 1830
war eine Revolution, die sich nicht wie ihre große Schwester von 1789 über
Jahre entwickelte, sondern innerhalb von drei Tagen ausgefochten worden war .
Zu wenig Zeit für die Etablierung revolutionärer Strömungen, wenn
man bedenkt, dass der offene Aufstand, der im Sturz Charles X. mündete, von
seinen Zeitgenossen bis kurz vor seinem Ausbruch gar nicht vorausgeahnt wurde.
Das lag nicht zuletzt daran, dass das Gros der Insurgenten gar keine Pariser waren,
sondern als Saisonarbeiter auf den großen Baustellen in der Hauptstadt beschäftigt
waren . Die Lage in Paris wurde vom Polizeipräfekten als ruhig eingestuft,
weil von Seiten einer „revolutionären“ Commune keine Gefahr bestand.
Um so überraschter waren die Sicherheits- und Ordnungskräfte in und
um Paris. Das bedeutet doch, dass während der Restauration zwar eine politische
Opposition existierte, aber diese nicht einmal einen Gedanken daran verschwendete,
im wahrsten Sinn des Wortes auf die Barrikaden zu gehen, sondern eher den verfassungsmäßig-politischen
Weg zu wählen. Trotzdem kam es zu einer ausgewachsenen Revolution, wurde
ein König gestürzt, um einen neuen einzusetzen, ob von Volkes Gnaden
oder von Gnaden der Kammern, wird noch zu erörtern sein, entstand die Julimonarchie,
wurde ein neues Frankreich geschaffen, das 1848 erneut durch eine Revolution erschüttert
werden sollte. Und das alles vom „peuple“ erkämpft und von
der Bourgeoisie ausgenutzt? Wie stabil war das neue System? Wer herrschte und
wer regierte? Welchen Platz hatte das Frankreich der Julimonarchie im Konzert
der Mächte in Europa? Wieweit ist 1848 schon in 1830 angelegt? Oder ist 1830
nur eine Festschreibung von 1789 in Mentalität und Weltanschauung einer Nation
bzw. sogar eines Kontinents? 2. Einleitung – Von der
Restauration zur Revolution 2.1. Die postnapoleonische Periode
„Das Haus Bourbon hielt sich für stark, weil das Kaiserreich
wie eine Theaterkulisse weggetragen worden war. Es merkte nicht, dass es auf die
gleiche Art herbeigebracht worden war. Es begriff nicht, dass es auch in dieser
Hand war, die ihn, Napoleon, weggestellt hatte. Das Haus Bourbon wähnte,
es habe Wurzeln, weil es die Vergangenheit war. Es täuschte sich.. [...]
Die Wurzeln der französischen Gesellschaft lagen nicht in den Bourbonen,
sondern in der Nation Diese verborgenen langlebigen Wurzeln stellten keineswegs
das Recht einer Familie, sondern die Geschichte eines Volkes dar. Sie waren überall,
nur nicht unter dem Thron.“ Mit der Rückkehr der Bourbonen
in Gestalt Louis XVIII. schickte sich ein überkommenes Regime an, in Frankreich
wieder Fuß zu fassen. Ein Frankreich, das durch die Revolution und die in
ihrem Schlepptau über das Land und nicht zuletzt über Europa hereingebrochenen
Ereignisse grundlegenden Veränderungen unterworfen worden war. 1814 bzw.
nach dem Ende der „Les cent Jours“ am 22. Juni 1815 fanden die neuen
alten Herrscher nicht mehr das vor, was sie durch die „Große“
Revolution verlassen mussten. Nur gestützt durch das reaktionäre System
von Wien und einer mächtigen Handvoll ultraroyalistisch gesinnter Adliger
versuchten sie, in den kommenden Jahren alte Verhältnisse wieder herzustellen.
Doch das Ancien Régime hatte ausgedient und war nicht mehr im alten Gewand
installierbar. Angesichts der sozialen Umstrukturierung des französischen
Volkes und den damit verbundenen neuen Machtverhältnissen mussten die Bourbonen
Konzessionen machen. Dies wurde besonders gut deutlich durch die Charte Constitutionelle
von 1814 . Louis XVIII. stand damit an der Spitze einer Konstitutionellen Monarchie.
Der König musste aber gegenüber dem neuen Corps Législative (Pairskammer
und Deputiertenkammer) in einer Erklärung diese Charte als gültige Verfassung
eines Zweikammersystems, mit garantierten Grundrechten (Rechtsgleichheit, Presse-
und Religionsfreiheit) und der Unabsetzbarkeit der Richter bestätigen. Darüber
hinaus wurden aber auch die seit 1789 vorgenommenen Besitzverschiebungen anerkannt.
Insgesamt entsprach diese Verfassung der Konstitution, die die Revolution 1791
hervorgebracht hatte. Damit hatte sich die Restauration gezwungenermaßen
gebunden und sich den gegebenen neuen Verhältnissen angepasst . Nachdem
Napoléon Bonaparte 1815 noch einmal zurückgekehrt, durch Briten und
Preußen geschlagen und in die Verbannung nach St. Helena geschickt worden
war, wo er 1821 starb, traten die Kräfte der Restauration in Frankreich ein
schweres Erbe an. Denn es sollte ihnen nicht gelingen, das neue Frankreich mit
dem zurückkehrenden Adel zu versöhnen, geschweige denn die erlittene
Niederlage des Volkes gegen die Alliierten bei Waterloo und den damit verbundenen
Friedensbedingungen nicht als nationale Schmach zu empfinden . Denn mit ihr war
Frankreich ins diplomatische Aus manövriert worden und wurde von nun an von
seinen reaktionären Nachbarn weiterhin misstrauisch beäugt. Mehr als
eine Million alliierter Soldaten standen im Land und besetzten mehr als zwei Drittel
des französischen Territoriums . In diesem Zusammenhang darf die Leistung
der Regierung Louis XVIII. nicht vergessen werden, die durch die von ihm einberufene
Requisitionskommission bewerkstelligt worden ist. Immerhin ist es dieser zu verdanken,
dass die Forderungen der Alliierten gegenüber Frankreich relativiert worden
sind und Frankreich nicht zerstückelt worden ist (was auch nicht zuletzt
der Intervention Großbritanniens und Russlands gegenüber Österreich
und Preußen zu verdanken ist) . Dennoch war das politische Frankreich
in ein linkes (republikanisches) und ein rechtes (ultrareaktionäres) Lager
gespalten, was die Regierung in den nächsten 15 Jahren prägen und erschweren
sollte. Der „Terreur Blanche“ wirkte über dies noch lageverschärfend.
Dieser von militanten Ultras geschürte und durchgeführte Rachefeldzug
gegen Jacobiner, Bonapartisten, Protestanten und Mamelucken forderte besonders
im Süden Frankreichs Hunderte von Toten . Dazu kamen noch weitere Säuberungsaktionen
in der Administration des Staates und der Departements bis hin zur kommunalen
Ebene . Der König war nun gezwungen, zwischen den Lagern der Restauration
und der mittlerweile etablierten liberalen Bourgeoisie zu vermitteln. Nach anfänglichen
Wahlerfolgen der Ultras gewann die bürgerliche Opposition immer mehr die
Oberhand in der Deputiertenkammer. Das ist nicht zuletzt dem Zensuswahlgesetz
von 1817 zu verdanken, das nun auch dem liberalen Bürgertum die Kammern öffnete
. Dieser freiheitliche Weg der Regierungen unter Richelieu und Decazes fand 1818/19
seinen Höhepunkt im neuen Militärgesetz, das die adligen Privilegien
bei der Besetzung der Offiziersposten aufhob und quasi bis 1868 in Kraft blieb,
sowie der faktischen Aufhebung der Pressezensur . Aber mit dem Mord an Herzog
de Berry am 13./14. Februar 1820 wurde die Phase der Entspannung abrupt beendet
. Sofort wurde im Zuge der allgemeinen Aufhebung der bisher ergangenen liberalen
Bestimmungen unter anderem auch die Pressezensur wieder eingeführt. Das Kabinett
wurde aufgelöst und Neuwahlen wurden angesetzt. Bei der Wahl wurden die Großgrundbesitzer
mit einem doppelten Wahlrecht ausgestattet. Das kam den Ultras zu Gute, die bis
dato immer mehr Verluste einfahren mussten und nun dadurch einen massiven Machtzuwachs
zu verzeichnen hatten. Sie bauten unter Graf Villèle ihre neugewonnene
Machtposition aus und verfolgten eine antiliberale und repressive Politik .
Das verstärkte sich noch mit der Thronbesteigung durch Charles X. am 29.
Mai 1825 nach dem Tode seines Bruders. Zunächst einen gemäßigten
Kurs fahrend, unterstützte er doch mit Nachdruck den französischen Klerus,
der eine seiner wichtigsten politischen Stützen werden sollte. Schon bald
galten deshalb die Ultras als Klerikerpartei. Dem Klerus wurde mehr Einfluss im
Bildungswesen eingeräumt und das religiöse Prinzip im Strafrecht wieder
eingeführt. Andere konservative Gesetzesentwürfe scheiterten allerdings
an einer immer härter werdenden Front liberal bzw. gemäßigt gesinnter
Pairs . Villèle dankte ab, nachdem Neuwahlen (1827/28) für das Unterhaus
mit einem überragenden Erfolg für die Opposition ausgingen. Es folgte
ihm Martignac im Amt. Dieser verfolgte Ausgleichsvorhaben mit den Liberalen und
eine Politik im Rahmen der Charte . Insbesondere versuchte er, den Klerus aus
dem Bildungswesen zu verdrängen. Natürlich brachte ihn diese Politik
um die Gunst des Königs. Auch er musste seinen Hut nehmen. Seine Nachfolge
trat einer der überzeugtesten Ultras an. Polignac („der Ultra der Ultras“)
übernahm die Regierung mit einem Kabinett, das einer schweren Wirtschaftskrise
in Frankreich gegenüber stand. Damit waren schwere innere Unruhen und Konfliktherde
verbunden, die es zu meistern galt. Der Versuch, von den Problemen, die Frankreich
hatte, mittels außenpolitischer Erfolge abzulenken , scheiterte an der einfach
zu festgefahrenen Situation im Land. Dessen ungeachtet ließ es der König
auf eine Kraftprobe mit den Kammern ankommen, indem er versuchte, die Gewichtung
der Gewaltenteilung mehr auf die (ihm unterstehenden) Exekutive zu verlagern.
Das forderte sofort den Protest beider Kammern heraus . Mit der Adresse von 221
liberalen und gemäßigten Abgeordneten der Deputiertenkammer und Pairs
wurde dem König und dem Kabinett Polignac das Misstrauen ausgesprochen. Charles
X. löste darauf die Deputiertenkammer kurzerhand auf, setzte Neuwahlen für
Anfang Juli 1830 an, die aber entgegen seiner Intention mit einem überwältigenden
Erfolg der Opposition ausgingen. Am 26. Juli 1830 erließ der König
daher die berüchtigten vier Ordonanzen, in denen er, sich angeblich auf die
Charte stützend , die Pressefreiheit außer Kraft setzte, die frisch
gewählte Deputiertenkammer auflöste, wiederum Neuwahlen für die
nunmehr beträchtlich verkleinerte zweite Kammer ansetzte und eine neue, seine
Anhänger begünstigende Wahlordnung erließ. Es war kein Aufstand
des Bürgertums zu befürchten, da mit den Ordonanzen keine ökonmomischen
Beeinträchtigung verbunden war. Die wirtschaftliche Lage war durch die einsetzende
gute Konjunktur entspannt und die anziehenden Löhne versprachen soziale Zufriedenheit
der unteren Volksschichten. 2.2. Les Trois Glorieuses - Die Glorreichen
drei Tage (27. – 29. Juli 1830) „Es gibt den Aufruhr,
und es gibt den Aufstand. Das sind zwei Zornesausbrüche. Der eine hat unrecht,
der andere recht. In den demokratischen Staaten, den einzigen auf Gerechtigkeit
gegründeten, geschieht es bisweilen, dass ein Teil die Macht an sich reißt.
Dann erhebt sich das Ganze, und die unumgängliche Forderung seines Rechtes
kann soweit gehen, dass zu den Waffen gegriffen wird. In allen Fragen, die zur
kollektiven Souveränität gehören, ist Aufstand der Krieg des Ganzen
gegen den Teil und Aufruhr der Angriff des Teils gegen das Ganze.“ [...]
Zeigt mir, in welche Richtung ihr geht. Der Aufstand führt nur vorwärts.
Jede andere Erhebung ist schlecht, jeder gewaltsame Schritt zurück Aufruhr.
Zurückzuweichen ist ein Verbrechen gegen die Menschheit. Der Aufstand ist
der Wutanfall der Wahrheit, und die Pflastersteine, die er herausreißt,
schlagen den Funken des Rechts. Die Ordonanzen Charles’ X. waren
nur der unrühmliche Höhepunkt seiner antirepublikanischen Politik. Die
Monarchie von 1814 hatte sich mit dem Handeln ihrer Repräsentanten, d.h.
deren offenkundigem Verfassungsbruch, dem offenen Aufstand, „dem Krieg des
Ganzen gegen den Teil“, ausgesetzt. Wie 41 Jahre zuvor wurde auch dieser
vom Kleinbürgertum getragen. Wieder wurde für kurze Zeit politische
Gewalt von unten ausgeübt.. Wieder kam es zu einer Revolution in Paris und
stellte den Rest Frankreichs vor die Wahl mitzuziehen oder dagegen anzugehen.
Aber diesmal stand die Nation geschlossen hinter ihrer Hauptstadt. Denn nach vierzig
Jahren waren die liberalen Grundstrukturen in der französischen Mentalität
so fest verankert, dass selbst eher konservative Kräfte sich mit den Prinzipien
von Rechtsgleichheit, Wahlrecht, Konstitution und Pressefreiheit identifizierten
und sich jedes Angriffs dagegen erwehrten . Noch fand die Regierung am 26.
Juli eine besonnene Opposition und ein ruhiges Paris vor. Man glaubte nicht so
recht an eine bevorstehende Revolution. Die ersten Reaktionen auf die Ordonanzen
bestanden zunächst auch nur in öffentlichen Bekanntmachungen der Verordnungen
(lediglich im monarchistischen Organ „Le Moniteur“ abgedruckt) meistens
durch Studenten bzw. Bildungsbürger, welche den Text dabei oft bissig kommentierten
. Drucker verweigerten das Vervielfältigen der Ordonanzen und traten in den
Streik. Fabrikbesitzer sperrten ihre Arbeiter aus und forcierten so die Spannung
auf der Straße. Bis zum folgenden Tag ergriff diese Protestbewegung alle
größeren Städte Frankreichs . Schon hier zeigt sich die Praxis
der Besitzbürger bzw. der Industriellen, die mit der Politik der Bourbonen
nicht mehr konform gingen. Sie kanalisierten den Zorn der Straße in eine
für sie und ihre politischen Ambitionen günstige Richtung, um dann im
geeigneten Augenblick das Ruder selbst zu ergreifen. Dennoch hatten sich die Menschenansammlungen
am Abend verlaufen und die Behörden wähnten die Lage in der Stadt unter
ihrer Kontrolle. Am nächsten Tag versuchte die Regierung, ihre Ordonanzen
mit Gewalt durchzusetzen. Insbesondere sollte den neuen Pressebestimmungen Nachdruck
verliehen werden. Oppositionelle Zeitungen, die sich nicht an die Zensurregelungen
hielten, sollten geschlossen und ihre Druckereimaschinen beschlagnahmt und zerstört
werden. Trotz des Publikationsverbot wurden Ausgaben dieser Zeitungen in der Stadt
verteilt, in denen zum Widerstand gegen den Staatsstreich der Regierung aufgerufen
wurde . Erste Demonstrationen wurden auseinandergetrieben und gegen Abend schien
die Lage beruhigt. Der propagierte Widerstand war bis dato eher spontan als organisiert.
Die liberalen Kräfte der Regierungsopposition wagten sich noch nicht, an
seine Spitze zu treten. Sie warteten lieber ab. Im Hause des Casimir Périer
trat eine Kommission zusammen, die gegen den König nur mit rechtlichen Mitteln
vorgehen wollte . Diese Haltung konnte sich aber, überrollt durch die Ereignisse
der Nacht und des kommenden Tages, nicht lange behaupten. In der Nacht wurden
im Stadtzentrum und den östlichen Stadtteilen der Hauptstadt Barrikaden aus
dem Boden gestampft. Waffenlager und –geschäfte wurden geplündert
und seit den Morgenstunden kam es zu heftigen Straßenkämpfen. Oft liefen
Mitglieder der königlichen Linientruppen zu den Aufständischen über.
In den Abendstunden ordnete der Oberbefehlshaber der königlichen Truppen
den Rückzug aus der Innenstadt an und gab somit Paris als verloren auf. Auf
dem Stadthaus wehte zu diesem Zeitpunkt schon lange die Trikolore und nicht mehr
das Lilienbanner. Noch immer waren die Führer der liberalen Opposition
unentschlossen, ja verhielten sich geradezu hasenherzig . In einer neuerlichen
Erklärung protestierten sie lediglich gegen die Auflösung der neu gewählten
Deputiertenkammer. Dass diese Erklärung das Resultat einer fruchtlosen Debatte
war, zeigte sich nicht zuletzt in der Delegation, die entsandt wurde als eigentlich
bereits alles entschieden war. Ihr gehörten Lafitte, Périer, Mauguin
und die Generäle Lebrun und Gérard an. Sie sollten vom König
die Rücknahme der Ordonanzen und die Entlassung des Kabinetts Polignac erbitten.
Die Delegation wurde gar nicht erst empfangen . Unterdessen gingen die Kämpfe
in Paris weiter. Am Morgen des 29. Juli wurden die Tuilerien geplündert.
Damit war ein eindeutiges Zeichen des Sturzes der 1814er Monarchie gesetzt worden.
Die königlichen Truppen waren in allgemeiner Auflösung bzw. Verbrüderung
mit den Aufständischen begriffen. Endlich erwachte auch die ängstliche
Kammeropposition und erhob den Anspruch der Regierungsgewalt. Im Stadthaus hatte
sich bereits eine provisorische Regierung unter dem ehemaligen napoleonischen
General Dubourg gebildet. Diese wurde aber durch eine unter dem Schutz der wiedergebildeten
Nationalgarde stehenden Munizipalkommission kurzerhand aufgelöst . Die wichtigste
Sorge der ehemaligen Opposition war zunächst, eine Radikalisierung der Revolution
zu verhindern und die Bewegung in gesicherte bürgerlich-konstitutionelle
Bahnen zu lenken. Zu diesem Zwecke diente der alte General und Veteran der Großen
Revolution La Fayette, dem wie einst das Kommando über die Nationalgarde
übertragen wurde. Er symbolisierte die revolutionäre Tradition Frankreichs.
Er diente so gleichsam zur Legitimation der nächsten Schritte, die unter
der Munizipalkommission eingeleitet wurden. Dazu gehörte vor allem die Installation
des neuen Königshauses der Orléans als Dynastie künftiger Bürgerkönige,
deren erster Vertreter Louis-Philippe sein sollte. Die kommende Julimonarchie
stützte sich wie mit La Fayette auf die Symbole der Trikolore, die wieder
das nationale Hoheitszeichen Frankreichs wurde, und der Charte als Verfassung,
auf die der neue König seinen Schwur zu leisten hatte. Damit wurde der Brückenschlag
zwischen 1789 und 1830 geschaffen. Aber damit wurde auch eine künstliche
Identität zwischen den Volksschichten des „peuple“ und der Bourgeoisie
sowie zwischen diesen beiden und dem Adel geschaffen. Was nach außen wie
eine neue freiheitliche Republik aussah, war nach innen ein äußerst
unausgeglichenes und zerbrechliches System, das bereits mit seiner Gründung
im Schatten der nächsten Revolution lag.
3. Louis-Philippe
- Das Mensch gewordene 1830 „Kehren wir zu 1830 zurück.
Das auf Abwege geratene 1830 hatte Glück. In der Institution der Monarchie,
nach der abgebrochenen Revolution Ordnung genannt, war der König mehr wert
als die ganze Einrichtung.“ Während Victor Hugo den Trois
Glorieuses noch den Charakter einer Revolution zubilligte, sprach Casimir Périer
es ihnen ab. Im Gespräch mit dem Präfekten des Seine-Department, Odilon
Barrot, sagte er es direkt: „Das Unglück dieses Landes besteht
darin, dass viele Menschen wie Sie glauben, dass eine Revolution stattgefunden
habe. Nein, Monsieur, es gab keine Revolution; was sich lediglich ereignete, war
ein schlichter Wechsel in der Person des Staatschefs!“ Tatsächlich
wurde die revidierte Charte Constitutionelle von 1814 beibehalten. Es wurde auch
sehr viel Wert auf den Dynastiewechsel gelegt . Auch wenn es rein faktisch nichts
zur Sache tat, welchem Geschlecht der neue König angehörte, ist anzunehmen,
dass hier die Symbolkraft des Namens eine ähnliche Rolle spielte wie etwa,
oben bereits geschildert, der Schwur des Königs auf die Verfassung. Damit
war das Amt des Königs unter die Verfassung gestellt worden und nicht umgekehrt.
Und wie das Lilienbanner als Zeichen des Ancien Régime durch die Trikolore
abgelöst worden war, wurden auch die Bourbonen als Personifikation der Restauration
und des Ancien Régime ausgewechselt. Der Bürgerkönig konnte
auf eine revolutionär vorbelastete Vergangenheit verweisen. Während
der Großen Revolution stand er als junger Herzog von Chartres und Orléans
auf der Seite der Jacobiner. Er verdiente sich seine Sporen in der Revolutionsarmee
im Stab von Dumouriez bei Valmy und Jemappes. Sein Vater, als „Philippe
Egalité“ bekannt, stimmte 1793 im Konvent für die Hinrichtung
Louis XVI. Im selben Jahr musste Louis-Philippe vor dem jacobinischen Terror nach
Österreich fliehen, wo er aber die Hetze der Emigranten nicht mittrug, nicht
mittragen wollte. Als Soldat der Revolutionsarmee und Sohn von „Philippe
Egalité“ konnte er aber nicht lange bei den Alliierten Zuflucht finden.
Er tat sich um in der Schweiz, Skandinavien und den Vereinigten Staaten von Amerika
und musste sein Dasein als Mathematiklehrer fristen. 1817 kehrte er zurück
nach Frankreich, als der Terror der Ultras am Abebben war. Louis-Philippe hatte
also die besten Voraussetzungen, um von den Revolutionären von 1830 anerkannt
zu werden. Der Nimbus der Revolution wurde ihm endgültig verliehen, als er,
in der Uniform der Nationalgarde, gemeinsam mit La Fayette am 31. Juli auf dem
Balkon des Stadthauses von Paris erschien und von diesem den Bruderkuss empfing
. Bestätigt wurde Louis-Philippe schon vorher durch die Parade der Pariser
Nationalgardisten am 29. August 1830, bei der er frenetisch mit Hochrufen gefeiert
worden ist. „Das war für ihn eine Krönung durch das Volk oder,
wenn man so will durch die Bourgeoisie, die sich in ihrer Bedeutung durchaus mit
der Wahl durch die Kammer vergleichen ließ“. – Chateaubriands
Resümee: „Der republikanische Kuss machte einen König“,
trifft die Lage genau. Das revolutionäre Volk ließ sich einspannen
durch die liberalen Führer der ehemaligen Opposition. Namentlich Lafitte,
Thiers und Talleyrand bemühten sich vor allem die Republik als Inbegriff
von Chaos und Krieg dadurch abzuwenden , indem sie das Bürgerkönigtum
als das System des neuen Frankreich nach den glorreichen drei Tagen darstellten.
Louis-Philippe erfreute sich großer Popularität im Volke, weil er so
gar nicht der höfisch-adligen Haltung seiner Verwandten entsprach. Er gab
sich betont bürgerlich als „roi sans culotte“ und trat schon
währen der Restauration in der Pairskammer als Vertreter des liberalen Flügels
hervor. Dem Volk, das eine unorganisierte Revolution ohne Führung vom
Zaun gebrochen und beendet hatte, musste diese Lösung als einzig gangbare
erscheinen. Anders ist die breite Akzeptanz der Julimonarchie in ihrer Frühphase
nicht zu erklären. Es entsteht der Eindruck, dass die Revolution 1830 tatsächlich
darauf ausgelegt war, in der Julimonarchie zu münden. Doch viele Faktoren
beeinflussten schon direkt im Anschluss der Revolution ein sehr anfälliges
Gleichgewicht, das in noch nicht genau absehbarer Zeit umzukippen drohte. Diese
Faktoren sollen im Folgenden erörtert werden. 4. Kabinett oder
König? Wer herrscht, wer regiert? – Die innenpolitischen Grundzüge
der Julimonarchie „1830 ist eine auf halbem Wege stehen
gebliebene Revolution. [...] Wer hält die Revolution auf halbem Wege auf?
Das Bürgertum. Warum? Weil das Bürgertum der befriedigte Eigennutz
ist. Gestern war es die Begierde, heute ist es der Überfluss und morgen der
Überdruss. [...] Der Zustand, den nach der Erschütterung von 1830
der Bürgertum genannte Teil der Nation anstrebte, war nicht die Trägheit,
die, mit Gleichgültigkeit und Faulheit gepaart, ein wenig Schande enthält,
und auch nicht die Schläfrigkeit, die ein vorübergehendes, Illusionen
erlaubendes Vergessen voraussetzt. Es war die Marschpause.“
4.1. Der Widerstand und die Bewegung Die Julimonarchie musste sich den
Angriffen von links und aus dem eigenen, dem liberalen Lager erwehren. Noch war
nicht entschieden, welcher Weg gegangen werden sollte. In die Regierungspflicht
wurde zunächst ein Kabinett genommen, das aus Vertretern der alten politischen
Fraktionen bestand: die Revolutionspartei (La Fayette, Dupont de l´Eure),
Bonapartisten (Sebastiani, Gérard), Royalisten (Guizot), Orléanisten
(Lafitte, Thiers) und Ultras (Périer, de Broglie) . Die Zusammensetzung
dieses Kabinetts zeigte die politischen Stoßrichtungen der in Frankreich
herrschenden Bürgerschicht. Sie ist royalistisch oder liberal. Insgesamt
gingen die Mitglieder mit der neuen Regierungsform unter Louis-Philippe konform.
Das Kabinett könnte deshalb auch als durchweg orléanistisch bezeichnet
werden . Es kristallisierte sich sehr schnell die Entwicklung, hin zu einer bürgerlichen
Monarchie, heraus. Knackpunkt war allerdings hierbei die Kompetenzverteilung in
der Regierung. Sollte die Gewalt mehr zu Gunsten des Königs oder zu Gunsten
der Kammern verteilt werden? Über diesen Konflikt kam es zur Spaltung in
zwei Regierungsfraktionen. Für einen starken König setzte sich eine
Gruppe rechtsliberal eingestellter Politiker ein. Sie nannte sich „Widerstand“.
Für eine Stärkung von Pairs- und Deputiertenkammer setzten sich die
linksliberalen Mitglieder der Partei der „Bewegung“ ein . Ruhe
und Ordnung in Frankreich wieder herzustellen, war die erste Aufgabe der neuen
Regierung. Dabei nutzte man aus, dass die Revolution bereits nach drei Tagen für
beendet erklärt worden war, und somit den radikaleren Gruppierungen keine
Chance blieb, sich wirksam zu etablieren. Die politische Dominanz wurde nach
den Julitagen sehr bald von der liberal-großbürgerlichen Schicht ausgeübt.
Der Einfluss des Adels war innerhalb kürzester Zeit verschwunden. Die revolutionäre
Schicht, die den Aufstand getragen hatte, war aus sozialen und ökonomischen
Gründen nicht fähig, organisierte Politik zu betreiben. An diesem Punkt
ist festzustellen, dass die Ergebnisse der Revolution vom Kleinbürgertum
bzw. der sich bildenden Klasse des Proletariats schwer erkämpft worden sind.
Aber zum Vorteil gereichten sie vor allem dem Groß- und Finanzbürgertum,
das sich nicht überwinden konnte auch nur die Führung der revolutionären
Massen zu übernehmen, von einer direkten Beteiligung an den Straßenkämpfen
ganz abgesehen . Die Bewegungspartei ist von beiden Regierungsfraktionen die
vielschichtigste. Ihr gehörten sowohl linke Liberale an, die für die
bürgerliche Monarchie eintraten, als auch Republikaner und Saint-Simonisten.
La Fayette, Lafitte und Barrot waren ihre namhaften Vertreter der Bewegung. Auch
wenn sie die revolutionären Ergebnisse weiter ausbauen wollte, ist sie keineswegs
eine Revolutionspartei . Sie zeichnete sich eher dadurch aus, dass sie ihre Anhänger
im mittleren und kleinem Bürgertum und Intellektuellen hatte, aber dennoch
kein genau bestimmtes Ziel verfolgte außer anfänglich eine größere
Demokratisierung der Institutionen, Erweiterung der Freiheiten und allmähliche
Senkung des Wahlzensus herbeizuführen . Dadurch war die Nähe zum Volk,
zur Revolution, größer als bei der Widerstandspartei. Diese war geprägt
durch Mitglieder wie Périer, Molé, Guizot, Thiers und Sebastiani.
Für sie war die Revolution mit der Annahme der abgeänderten Charte als
Verfassung beendet worden. Ihre Anhänger rekrutierten sich aus dem besitzenden
Bürgertum auch in der mittel- und kleinbürgerlichen Schicht. Also all
die, die Angst davor haben mussten, dass bei neuerlichen Unruhen ihr Eigentum
in Gefahr geraten könnte. Dem ersten Kabinett nach der Vereidigung des
Königs stand zunächst de l’Eure und danach Lafitte vor. Dieser
hatte schwer mit den Unruhen während der Nachwehen der Revolution zu kämpfen.
Besonders die Kämpfe anlässlich der Prozesse gegen die letzten Minister
Charles’ X. machten der neuen Regierung zu schaffen. Sie konnte nur sehr
schwer mit Hilfe der Nationalgarde die Lage wieder unter Kontrolle bekommen. Auch
die antiklerikalen Ausschreitungen zum elften Todestag des Herzogs von Berry im
Februar 1831 zeigten deutlich die unsichere Situation in Frankreich nach den Trois
Glorieuses. Es häuften sich aber auch kleinere Unruhen wie Streiks, Maschinenstürmerei
und Plünderungen von Bäckereien, welche durch die wieder verschlechterte
Wirtschaftslage forciert wurden. Entweder aus politisch-taktischem Kalkül,
um von den innenpolitischen Problemen abzulenken, oder aus gekränktem Nationalstolz
nach der Niederlage von Waterloo und den Wiener Verträgen ereiferten sich
die Vertreter der Bewegungspartei nun als Kriegstreiber. Unterstützt von
Demonstrationen zu Gunsten der Erhebungen in Polen, Italien und Belgien tat sich
dabei besonders das „Fossil“ der Großen Revolution La Fayette
als Wortführer hervor. Es wurden die Revision der Vereinbarungen von Wien
und ein Frankreich in seinen „natürlichen“ Grenzen von 1815 gefordert.
Ja, man forderte sogar eine militärische Intervention zu Gunsten der revolutionären
Bewegungen in Europa sowie die Annexion der preußischen Rheinprovinz. Das
bürgerliche Lager um Industriebürgertum und Republikanern stimmte vehement
für einen Offensivkrieg Frankreichs. Andere befürworteten einen Präventivkrieg,
um der europäischen Reaktion zuvor zu kommen . All das provozierte eine Reaktivierung
der Heiligen Allianz, deren Mitglieder ohnehin kritisch die Vorgänge in Frankreich
beobachteten. Doch die Mehrheit der Franzosen konnte und wollte sich nicht
hinter eine Kriegspartei stellen. Diese Position wusste der König und der
Widerstand auszunutzen: Am 13. März 1831 übernahm deshalb Périer
die Regierungsgeschäfte für den abgesetzten Lafitte. Damit hatten die
rechtsliberalen Kräfte das Steuer in der Hand. Ihnen war bewusst, dass der
Krieg eine Vertiefung der Revolution und Unterstützung der linken, republikanischen
Kräfte bedeutet hätte. Es ist anzunehmen, dass nicht nur die Gefahr
eines neuerlichen Koalitionskrieges den Führungswechsel im Kabinett hervorgerufen
hat, sondern auch das Trauma der Jacobinerherrschaft, d.h. die Gefahr einer Diktatur
der Straße, dazu geführt hat. Das Kabinett Périer beeilte
sich mit der Verabschiedung diverser Gesetze, die die Ordnung des Staates so schnell
wie möglich fest in einem rechtlichen Gefüge verankern sollten. Als
erstes muss das am 19. April 1831 erlassene neue Wahlgesetz erwähnt werden.
In ihm wurde lediglich der Wahlzensus herabgesetzt, nicht abgeschafft. Um an der
Wahl des Unterhauses teilnehmen zu können, musste man einen jährlichen
Steuerbetrag von 200 Franc aufbringen, um selbst in die Deputiertenkammer gewählt
zu werden, 500 Franc. Diese Wahlordnung ermöglichte zu diesem Zeitpunkt 167.000
Bürgern die Wahl der neuen Regierung (1846 waren es schon 246.000). Das entsprach
einem Anteil von 2,8% aller erwachsenen männlichen Franzosen (0,75% der französischen
Gesamtbevölkerung) . Der Zensus wurde nun nicht mehr vorrangig aus der Grundbesitzsteuer
errechnet, sondern auch aus der Gewerbesteuer. So waren 1830 die Nutznießer
des Wahlrechts vor allem die Großgrundbesitzer, aber ein Zehntel der Wählerschaft
waren bereits Angehörige der freien Berufe, des Handels- und des Industriebürgertums
. Am 29. Dezember 1831 wurde per Gesetz die erbliche Pairswürde abgeschafft.
Der König konnte nun auch Notabeln in die Pairskammer berufen. Im gleichen
Zuge wurde auch die Auflösung der Kammern durch den König rechtlich
unterbunden. Damit war die Möglichkeit des Adels genommen, durch sein Veto
im Oberhaus Gesetzinitiativen zu blockieren. In der Regierung war damit dem Adel
der Einfluss endgültig genommen und dem Großbürgertum neue politische
Dimensionen eröffnet worden. Auf der gleichen Ebene sind die Gesetz über
die Nationalgarden vom März 1831 anzusiedeln. Danach konnte in der Nationalgarde
nur dienen, wer sich seine Ausrüstung selbst leisten konnte und Kopfsteuer
zahlte, also ein gewisses finanzielles Polster aufweisen und sich zum besitzenden
Bürgertum rechnen konnte. Weiterhin wurde durch das Gemeindegesetz bestimmt,
dass die Gemeinderäte künftig ebenfalls mittels Zensuswahl eingesetzt
und nicht durch die Präfekten bestimmt werden. Dadurch erhielten die Notabeln
mehr Mitsprache im kommunalen Bereich. Die Rechte schien die bessere Wahl
zu sein, wenn es um die Wiederherstellung der viel beschworenen Ordnung ging.
Vor allem konnte sich der Widerstand als Friedensgarant gegenüber der Bewegung
profilieren. Beide Faktoren werden ausschlaggebend gewesen sein für den Erfolg
der Konservativen bei der Wahl zum Deputiertenkabinett im Juli 1831. Damit hatte
Périer freiere Hand für seine Politik. Sein Ziel war die Befestigung
der Monarchie im Rahmen der Verfassung. Das hieß in erster Linie die republikanische
Opposition auszuschalten, was er mittels repressiver Pressegesetze und Vereinigungsverboten
in Angriff nahm, ohne sich je außerhalb der Charte zu bewegen. Alles in
allem verfolgte Périer ein strikt konservatives Programm. Dabei war er
bemüht, den König außen vor zu lassen und nur im Notfall an seiner
Politik zu beteiligen. Louis-Philippe billigte es nur widerwillig, dass er zwar
herrschte, aber nicht regierte. Diese Politik der Repressionen hatte auch
kein Ende als Périer am 16. Mai 1832 ein Opfer der in Paris grassierenden
Choleraepidemie wurde. Der König sah keine Veranlassung die vakant gewordene
Stelle des Président du Conseil sofort wieder zu besetzen. Er setzte damit
ein Zeichen, dass der Verstorbene zwar ohne ihn, jedoch nur für ihn regiert
hätte. Die republikanische Linke und einzelne Kräfte der Bewegung
nahmen den Verlust der rechten Hand der Julimonarchie zum Anlass, noch einmal
einen Aufstand gegen die Regierungspolitik zu wagen. Am 5. und 6. Juni 1832 kam
es anlässlich der Beerdigung des napoleonischen und Revolutionsgenerals Lamarque
zu erneuten und heftigen Straßenkämpfen in Paris . Diese wurden jedoch
von der Nationalgarde erbarmungslos für die Julimonarchie entschieden. Damit
war die Nationalgarde zu einem der, wenn nicht sogar zu dem wichtigsten Machtinstrument
Louis-Philippes geworden. Damit war aber auch jegliche ernst zu nehmende, republikanische
Strömung erstickt worden, zumindest hatte sie keinerlei Rückhalt mehr
in der an der Regierungsgewalt beteiligten Bourgeoisie . Den Aufstand überstanden,
hatte die Regierung nun genügend Rechtfertigung, mit der unter Périer
begonnenen Repressionspolitik weiter fortzufahren. Indem sie sich von den Juniereignissen
distanzierten, stellten sich nun auch die letzten Mitglieder der Kammer, die der
Bewegung angehörten, unter die schützende Hand des Monarchen und des
konservativen bzw. rechtsliberalen Kabinetts . 4.2. «Le roi
règne, mais il ne gouverne pas» ? - Der politische Kurs nach 1832
Das neue Kabinett wurde ab Oktober durch die Minister Soult (Président
de Conseil) , Thiers (Innenminister), Guizot (Unterrichtsminister), und Broglie
(Außenminister) dominiert. Dieses „Kabinett aller Talente“ führte
Périers Regierungspraxis weiter, indem es den König an der Regierung
nicht mitbeteiligte. Das verschärfte natürlich den Gegensatz zu Louis-Philippe,
welcher glaubte, mit dem Sieg im Juni 1832 seine Position enorm gestärkt
zu haben. Bereits zu dieser Zeit bahnte sich eine erneute innere Spaltung
des Kabinetts in eine gemäßigt-parlamentaristische Fraktion unter Thiers
und in eine mehr autoritär-monarchistisch gesinnte Fraktion unter Guizot
an. Obgleich ihre Positionen verschieden waren, hatten sie doch einen gemeinsamen
Feind: die republikanische Bewegung, die mit der geheimen „Gesellschaft
der Menschenrechte“ ihre Organisation fand. Der Kampf gegen diese Bewegung
und Konsolidierung des Bürgerkönigtums hielt die beiden Regierungsfraktionen
noch fest zusammen . Es wurden eine Reihe weiterer Gesetze erlassen, die den bürgerlichen
Interessen entgegenkommen und der Regierung aus diesem Lager Unterstützung
sichern sollten. So erhielten die Notabeln durch das Departementgesetz die komplette
örtliche Kontrolle, da nun auch die Generalräte durch die Zensuswählerschaft
bestimmt wurden (1833). Ein Gesetz über die Enteignung aus Gründen des
öffentlichen Wohls legte den Grundstein zum Ausbau der französischen
Infrastruktur, und ein Gesetz über die Errichtung von Elementarschulen in
den Gemeinden band das Bildungswesen mehr an den Staat. Man versuchte mit solchen
Initiativen, den Republikanern den Wind aus den Segeln zu nehmen. Doch diese stützten
sich auf die Unzufriedenheit der Arbeiterschaft, die sie mit der Aufnahme von
sozialen Forderungen in ihr Programm zu gewinnen suchten. Die republikanische
Propaganda schürte die Unzufriedenheit der unteren Klassen. Um dem entgegen
zu wirken, hantierte die Regierung mit Ausnahmegesetzen und Einschränkung
der Freiheiten. Am Ende dieser Entwicklung stand ein neues Vereinsgesetz, dass
auf die Organisation der „Gesellschaft der Menschenrechte“ zugeschnitten
war . Das hatte im April 1834 eine von republikanischen Gruppen angeführte
Welle von Erhebungen zur Folge, die von Lyon ausgehend auf Paris und andere französische
Großstädte übergriff. Diese Aufstände wurden mit aller Härte
blutig niedergeschlagen. Damit war die republikanische Bewegung in Frankreich
zerschlagen, die in der bürgerlichen Schicht keinen Rückhalt mehr hatte.
Das beweist allein schon das erbarmungslose Vorgehen der Nationalgarden gegen
die Aufständischen (z.B. Massaker in der Rue Transnonain) . Die Regierung
konnte nun ohne Schaden zu nehmen mit ihren republikanischen Widersachern aufräumen.
Ihre Propaganda konnte die Niederschlagung des Aufruhrs sogar ausschlachten als
Angriff gegen das Eigentumsrecht. Damit konnte sie sowohl die Bauern auf dem flachen
Land als auch die Kleinbürgerliche Schicht in den Städten erreichen.
Die politische Lage war also stabilisiert, die Ordnung in Frankreich wiederhergestellt.
Nun trat der Bruch zwischen den Regierungsfraktionen offen zu Tage. Für
Louis-Philippe war das die Chance, die Kabinettsdoktrin vom herrschenden, aber
nicht regierenden König ins Gegenteil zu verkehren. Die Abgeordneten in den
Kammern und die Mitglieder der Regierung ergingen sich in endlosen Querelen. Zwischen
April 1834 und März 1835 wurden vom König nicht weniger als fünf
Regierungen ernannt. Sein Ziel war es, die unnachgiebigsten Gegner eines starken
Königtums, de Broglie und Thiers, aus dem Kabinett zu entfernen, was ihm
auch bis zum September 1836 gelang . Zum neuen Regierungschef wurde der devote
Hofbeamte Molé berufen. Nachdem Guizot aus seiner Regierung ausschied (April
1837), bildete er ein Kabinett, das bis auf wenige Ausnahmen von Beamten und Höflingen
bestand und getragen wurde. Diese überließen wie ihr Président
lieber dem König die Regierungsgeschäfte und waren eher auf Gunstbezeugungen
ihres Monarchen aus, als Politik zu betreiben. Die neue Regierung wurde deshalb
von einigen Abgeordneten der Deputiertenkammer gerne als Kabinett der „Kreaturen
des Schlosses“ bezeichnet . Die neue Regierungskonstellation von dominantem
König, unterwürfigem Kabinett und eben solchen Vertretern im Parlament
wurde mit der Wahl im November 1837 bestätigt. Während der folgenden
Monate formierte sich eine Opposition um Thiers und Guizot unter Beteiligung der
linken Kräfte um Barrot. 1839 erhielten sie die Stimmmehrheit in der Kammer.
Molé trat zurück. Aber Louis Philippe ließ sich mit der Beauftragung
zur Bildung einer neuen Regierung Zeit. Erst als es im Mai zu erneuten republikanischen
Erhebungen in Paris kam, wurde Marschall Soult zum Vorsitzenden des Kabinetts
berufen. Aber schon im März 1840 erhielt Thiers Soults Posten. Wie damals
Lafitte versuchte auch er von ausbleibenden innenpolitischen Erfolgen durch außenpolitisches
Engagement hinweg zu täuschen. Doch führte er Frankreich in der Orientkrise
an den Rand eines neuen Krieges mit der Gefahr einer erneuten Besetzung Frankreichs
durch die Heiligen Allianz. Und wie damals Lafitte musste auch er wegen seiner
allzu großen außenpolitischen Umtriebigkeit seinen Hut nehmen .
Die Macht übernahm de facto jetzt Guizot als Außenminister unter Soult,
1847 dann auch als Ministerpräsident de jure. Er fuhr eine konservative Schiene
unter Achtung der königlichen Autorität. So konnte er sich der Gunst
seines Monarchen gewiss sein. Die bestehende innere Ordnung Frankreichs blieb
unangetastet. So war er der Zustimmung seiner großbürgerlichen Wähler
versichert . Was aber von der Regierung und dem oligarchisch-plutokratischem
Wahlvolk immer mehr in Vergessenheit geraten war, war die Tatsache, dass der große
Rest Frankreichs, der vor allem die Revolution 1830 mitgetragen hatte, gar nicht
von ihnen repräsentiert wurde. Die hohe Politik ging immer stärker an
den Interessen des Volkes ebenso vorbei, wie gesellschaftliche Veränderungen
scheinbar an der Politik vorbeigegangen waren. Die erneute Wirtschaftskrise 1846/47
verschärfte die ohnehin schon schlechte Verfassung des gemeinen Volkes. Genau
hier hatte die Revolution 1848 ihren Hebel am verkrusteten System der Julimonarchie
anzusetzen. Das Bürgerkönigtum war nach 18 Jahren so überkommen
und festgefahren wie 1830 die Bourbonenherrschaft.
5. Die außenpolitischen
Grundzüge der Julimonarchie „Überdies musste
nach außen hin 1830, das nicht mehr Revolution war und Monarchie wurde,
Europa vorangehen. Den Frieden erhalten – eine weitere Schwierigkeit. Eintracht
zur Unzeit gewünscht ist oft drückender als Krieg. Aus dem schwelenden
Konflikt, der immer wieder zum Schweigen gebracht wurde, doch stets weitergrollte,
entstand der Friede in Waffen [...]. Ob es wollte oder nicht, das Julikönigtum
bäumte sich im Gespann der europäischen Regierungen. Metternich hätte
ihm gerne die Zügel kurzgehalten.“ Die Außenpolitik
der Julimonarchie war durch die Nachwirkungen von Waterloo und der Bestimmungen
des Wiener Kongresses geprägt. Erste Priorität hatte die Wiederherstellung
des alten Platzes im Konzert der Mächte in Europa. Dazu musste den ehemaligen
Mitgliedern der Heiligen Allianz zunächst gezeigt werden, dass das Frankreich
des Julis 1830 keineswegs an einem Export der Revolution in das restaurative Europa
interessiert war. Dass die drei glorreichen Tage einen kontinentalen Flächenbrand
von Aufständen erzeugt hatten, war weniger in Frankreich angelegt als vielmehr
in der revolutionären Grundstimmung der Staaten der Restauration. Aus
diesem Grunde war zweifelsohne die erklärte Nichteinmischung in Belgien oder
Polen ein sehr taktischer Schachzug der Politik gewesen. Gekoppelt mit einer Politik
der Androhung aktiver Unterstützung der revolutionären Bewegungen in
Europa, sobald die Allianz die Julimonarchie durch eine Invasion in Frankreich
infrage stellen würde, hatte Louis-Philippe eine wirkungsvolle Außenpolitik
entwickelt, mit der Revolutionsangst der Großmächte spielend, Frankreich
wieder in Europa zu etablieren . Die Erinnerung an die Revolutionskriege nach
1789 saß tief im Bewusstsein Europas. Deswegen musste Lafitte entlassen
werden, als er mit seiner allzu ungestümen Forderung nach einer revolutionären
französischen Außenpolitik die Regierung vor den anderen Mächten
unmöglich zu machen drohte. Die republikanischen Gruppierungen sahen darin
die Möglichkeit, die Revolution doch noch in ihrem Sinne zu beenden. Doch
konnten sie nicht an einen „Geist der Revolution“ der Trois Glorieuses
im Volk anknüpfen, das keine Notwendigkeit sah für einen nicht von außen
aufgezwungenen Offensivkrieg Frankreichs. Die Franzosen mussten nach 1830 mit
anderen inneren Problemen kämpfen, und hatten kein Interesse für einem
Prinzipienkrieg, den eigentlich keiner wollte, außer den linken Kräften.
Damit wurde natürlich das Bild des Bürgerkönigtums und seiner Hinwendung
zu den Großmächten gefestigt, das einem im Grunde konservativen Staat
vorstand . Unterstützt von Périer bewies Louis-Philippe diplomatisches
Geschick, indem er die Wahl seines Sohnes, des Duc de Nemours, zum ersten belgischen
König zurückwies und statt dessen die Wahl Leopolds von Sachsen-Coburg-Gotha
auf den Thron unterstützte (August 1831) , da England auf ein neutrales Belgien
wert legte. Die Niederlande, an die es nach dem Wiener Kongress angegliedert worden
und von denen es nun wieder abgefallen war, wollten sich mit der neuen Lage nicht
zufrieden geben und entsandten Militär. England gab seine Zustimmung zu einer
französischen Expedition zur Wahrung der Unabhängigkeit des jungen Belgiens,
die mit der Eroberung Antwerpens erfolgreich beendet werden konnte. Damit war
eine englisch-französische Annäherung zu Stande gekommen und die außenpolitische
Isolation Frankreichs wirkungsvoll durchbrochen worden . Als Österreich
in die Aufstände Oberitaliens mit der Besetzung Bolognas eingriff, sah Frankreich
hier nicht nur seine Interessen, sondern auch das europäische Mächtegleichgewicht
gefährdet und besetzte kurzerhand Ancona (März 1831/Februar 1832) .
Andererseits vermied Louis-Philippe jedoch ein Eingreifen auf Seiten der polnischen
Aufständischen. Damit konnte er die Ostmächte von der „antirevolutionären“
Julimonarchie überzeugen. Im Grunde wurde nach außen gezeigt, dass
im périerschen Sinne lediglich die Person an der Spitze Frankreichs ausgewechselt
worden war. Neben der Aussöhnung mit den anderen Großmächten
Europas ist auch das koloniale Engagement der Julimonarchie zu erwähnen.
Bereits unter Charles X. legte Frankreich den Grundstein eines neuen Kolonialreiches
mit seinen Aktionen in Algerien (Juni 1830) . Nach der Eroberung Algiers wurden
weitere wichtige Städte des Landes unter französische Kontrolle gebracht,
um sich ganz Algerien zu bemächtigen. In diesem Zusammenhang ist auch die
Bildung der Fremdenlegion (Legion Étrengère) zu sehen. Diese Politik
wurde allerdings nicht vom König getragen, dessen Metier eher die Euroapolitik
war. Hier agierten eher seine Minister, zuletzt Guizot. In dessen Amtszeit fiel
auch die kriegerische Auseinandersetzung mit den Arabern unter Abd-el-Kader seit
1839. Bis zum Ende der Auseinandersetzungen 1847 waren 88.000 französische
Soldaten in Nordafrika im Einsatz. Ihre Kriegsführung soll der ihrer Gegner
in Brutalität und Blutrünstigkeit in nichts nachgestanden haben .
Eher passiv verlief die Politik während der Orientkrise 1839/40. Entstanden
ist sie durch den Konflikt des Paschas von Ägypten, Mehmed Ali, und des Sultans
von Konstantinopel, Mahmoud II., um die Provinz Syrien. In diesen Konflikt wurde
schon 1832/33 Russland hinein gezogen, was Proteste und Besorgnis Frankreichs
und Englands hervorrief. Ein Vertrag sollte Ruhe in die Region bringen, die aber
1839 durch erneute Kämpfe ihr Ende fand. Während sich bereits im Vorfeld
England und die Ostmächte auf eine gemeinsame Überwachung des Osmanischen
Reiches geeinigt hatten, erklärte Frankreich, d.h. Thiers, seine Unterstützung
für Kairo. Damit war in Europa die Alte Situation zwischen Frankreich und
der Heiligen Allianz heraufbeschworen worden. Diese verschärfte Thiers durch
eine allgemeine Mobilmachung und die Verstärkung der französischen Festungen.
Da aber die Erfolge Mehmeds ausblieben, schlug seine Politik fehl. Er wurde entlassen
. Frankreich hatte sich aus der Isolation des Wiener Kongresses herausmanövriert.
Seine Europapolitik trieb wieder Früchte. Es wurde als europäische Großmacht
anerkannt und gefürchtet. Zunächst weil von ihm die Gefahr der revolutionären
Brandfackel ausging und später, weil es sich wieder zu einer ernstzunehmenden
militärischen Macht gemausert hatte. Seine gelungene Annäherung an England
bildete den Grundstein der Entente Cordiale von 1904 und für einen zweiten
Machtblock in Europa neben den drei Ostmächten. Die Vertretung kolonialer
Interessen war nach den Verlusten in Amerika ein neuerlicher Versuch, neben den
bereits vorhandenen Kolonialreichen auf diesem Gebiet selbst wieder Fuß
zu fassen. Es ist nicht anzunehmen, dass die Algerienfrage ohne Julimonarchie
anders behandelt worden wäre, da sie schon unter Charles X. in Angriff genommen
worden ist, wohingegen die Orientkrise ohne das selbstherrliche Eingreifen Thiers
sicher einen anderen Verlauf für Frankreich genommen hätte. 6.
Die unruhigen Nachwehen der Julirevolution – Opposition, Aufstände
und Aufruhr „Die alten legitimistischen Parteien fielen
des ungeachtet über die Revolution von 1830 mit all dem Ungestüm her,
das falschen Schlüssen entspringt. Irrtümer sind vortreffliche Geschosse.
Jene Parteien trafen geschickt die Revolution da, wo sie verwundbar war, an ihrer
schwachen Stelle, in ihrem Mangel an Logik. Sie griffen sie in ihrer Monarchie
an, riefen ihr zu: „Revolution, weshalb denn dieser König?“ Die
Faktionen sind Blinde, die genau zielen. Der gleiche Zuruf kam auch von den
Republikanern. Aber bei ihnen war er folgerichtig. Was Blindheit war bei den Legitimisten,
war Hellsichtigkeit bei den Demokraten. 1830 hatte dem Volk gegenüber sein
Wort nicht gehalten. Die empörte Demokratie warf es ihm vor.“
6.1. Der legitimistische Widerstand Die Legitimisten waren Anhänger
der alten bourbonischen Dynastie. Einzig Charles X. bzw. Henri V., Sohn des ermordeten
Herzogs de Berry, hatten Anspruch auf den französischen Thron, der nur durch
einen gewaltsamen Akt der Usurpation an Louis-Philippe gekommen war. Der Bürgerkönig
war mit der Abdankung Charles X. zum Generalstatthalter für den noch unmündigen
„Nachfolger“ bestimmt worden. Deshalb wurden für die Legitimisten
die Orléans und ihre Anhänger zu Verrätern am Königshaus
und an Frankreich. Verstärkt wurde diese Apathie gegen den Orléanismus
durch die nach dem Thronwechsel einsetzende Säuberungswelle. Der Verlierer
von 1830, der Adel, wurde von der Spitze bis zur Basis der Verwaltung, quasi vom
Monarchen bis zum kleinen Finanzangestellten, aus dem Staatsapparat verdrängt.
Eine der umfassendsten Säuberungsaktionen in der französischen Geschichte!
Die betroffenen Adligen mussten frustriert den Weg in eine Art Emigration im eigenen
Land antreten. Sie bildeten die erste Opposition im neuen Staat. Ihr Programm,
sofern man davon sprechen konnte, war denkbar einfach. Henri V. sollte auf den
französischen Thron und eine dritte Restauration herbeigeführt werden.
Die Ideologie war durch traditionalistische, konservative, klerikale, insgesamt
reaktionäre Grundzüge gekennzeichnet. Sie lehnten den Industrie- und
den Finanzkapitalismus ab, durch die sie aus ihrer alten gesellschaftlichen Position
hinausgedrängt worden waren. Damit war auch die strikte Verwerfung von Individualismus
und Wirtschaftsliberalismus verbunden. Denn diese waren in ihren Augen für
Materialismus und Massenverelendung verantwortlich, die als soziale Krankheiten
der neuen Gesellschaft ebenso bekämpft werden mussten wie die politischen
Gegner. Um eine repräsentative Monarchie zu errichten, wurde eine Ausweitung
des Wahlrechts, was in einer Abschaffung des Zensus münden sollte, und ein
dezentralisierter Staatsaufbau mit betonter Regionalisierung gefordert. Es sollte
also nicht nur der bourbonische Thron wiederhergestellt, sondern eine partikularistische
Adelsaristokratie geschaffen werden. Der französische Adel, von dem eine
Restitution der Bourbonen abhing, besann sich also seiner Wurzeln und wollte bei
dieser Gelegenheit an eine Machtentfaltung aus grauer Vorzeit anknüpfen.
Mit dem Ziel, eine Linderung des Pauperismus von Staatswegen herbeizuführen
und ein neues weitergefasstes Wahlrecht durchzusetzen, waren Schnittstellen mit
der Linken geschaffen. Diese hätten eine Koalition beider Kräfte ermöglicht
. Damit konnten aber auch die Legitimisten ihren Rekrutierungspool auf die städtische
Mittel- und Unterschicht ausweiten. Auf dem flachen Land hatten sie traditionell
mehr Anhänger, allein wegen ihrer Herkunft als Grundbesitzer, welche früher
eng durch das Feudalwesen mit der Landbevölkerung verbunden waren. Eine
dritte Restauration herbeizuführen, war auf drei Wegen möglich. Der
erste führte über die Erlangung der Parlamentsmehrheit zur legalen Absetzung
Louis-Philippes, welche durch beharrliche Propaganda geschürt und durch die
Wahlrechtserweiterung begünstigt werden sollte. Der zweite Weg war der einer
Restauration von außen durch die reaktionären Mächte Europas.
Allerdings hätte die damit verbundene Möglichkeit eines zweiten Waterloo
die revolutionären Stimmungen im Volk gegen die Aristokratie gelenkt. Dieser
Weg wurde jedoch durch die Entspannungspolitik der Julimonarchie in Europa in
unerreichbare Ferne gerückt. Der dritte Weg war der des offenen Aufstands.
Dieser wurde beschritten und bildete den Höhepunkt und gleichzeitig das Ende
einer wirkungsvollen legitimistischen Bewegung. Oft wird der Erhebung unter
Führung der Herzogin de Berry zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet. Der Aufstandsversuch
wird als eine in Lächerlichkeit endende Episode des kaum noch nennenswerten
tätlichen legitimistischen Widerstands abgetan, die lediglich den Schlussstrich
unter die Abwicklung der alten Aristokratie zieht . Es wird aber immer vergessen,
dass dieser offene Aufstand nur der Höhepunkt einer ganzen Reihe von royalistischen
Aufständen im Westen und Südwesten Frankreichs war, die schon seit Monaten
die Regierung in den Departements und in Paris in Atem hielten. Seit dem Juli
1830 etablierte sich ein legitimistischer Untergrund in ganz Frankreich, der seine
Hochburgen im eher ländlichen Westen hatte, im historischen Kernland der
Vendée (elf aneinander grenzende Departements). Seit dem Sturz Charles’
X. war die Region, die „treuste Provinz des Königs“, im Aufstand
gegen die vermeidliche Usurpation durch die Orléanisten. Die Wurzeln der
seigneuralen Lehenverfassung wurden durch die Revolutionen nicht ausgemerzt. Es
bestanden immer noch zumindest emotionale Bindungen zum ehemaligen Herrn, oft
verstärkt durch wirtschaftliche Abhängigkeit der Bauern. So hatte der
ansässige Adel kein Problem seine Truppen hier zu rekrutieren. Verstärkt
wurden die Aufständischen durch ehemalige Militärs, Offiziere wie Soldaten
der Restaurationsarmee, die ihren Dienst quittiert hatten oder quittieren mussten.
Unterstützung kam außerdem vom katholischen Klerus, der unter Charles
X. gefördert worden war und nun nicht nur das Wort der Konterrevolution predigte,
sondern sich auch aktiv an der Organisation beteiligte. Seit Beginn der Revolten
im Westen operierten hier auch Regierungstruppen, welche arge Probleme mit der
von den Aufständischen verfolgten Guerillataktik hatten. Sie hatten mit Überfällen
auf Waffen- und Munitionsdepots, Kasernen, Gefängnissen, Bürgermeistereien,
Patrouillen und Geldtransporten zu kämpfen. Diese Aktionen hatten meistens
die Erbeutung von Geld, Waffen und Munition als Zweck. Das sprach für die
Vorbereitung eines größeren Aufstandes. Auch erhielt der Weiße
Terror eine Neuauflage in dieser Zeit. Die Herzogin de Berry wollte die Startschwierigkeiten
der Julimonarchie nutzen und einen Aufstand im Inneren Frankreichs provozieren.
Sie war der Illusion aufgesessen, dass ihr bloßes Erscheinen dazu ausreichen
würde. So geriet schon ihre Landung in Marseille am 30. März 1832 zum
Fiasko. Im Mai erreichte sie das eigentliche Operationsgebiet, wo sie eine Verschiebung
des großen Aufstandes beschließt (vom 24. Mai auf den 3./4. Juni).
Doch nur ein Teil der örtlichen Anführer erreichte die Nachricht von
der Verschiebung. Deshalb schlugen die ohnehin schwachen Kräfte der legitimistischen
Insurgenten geteilt in zwei Phasen zu. Der Aufstand konnte von den Regierungstruppen
nicht ohne Schwierigkeiten niedergeschlagen werden. Die Herzogin bliebt in Frankreich
und konnte sich auch monatelang verstecken, bis sie verraten und gefangengesetzt
wurde. Sie wurde als Heldin und Märtyrerin der legitimistischen Bewegung
gefeiert. Doch im Februar 1833 erhielt die Öffentlichkeit Kenntnis von ihrer
Schwangerschaft, die auf eine heimliche Heirat mit einem unstandesgemäßen
niederen Adligen aus Italien zurückzuführen war. Damit war der letzte
Keim legitimistischer Hoffnung erstickt. Der Aufstand der Legitimisten 1830
– 1833 wurde und wird von der Geschichtsschreibung vernachlässigt.
Objektiv betrachtet stellt er wohl eine der größten innenpolitischen
Krisen der Julimonarchie dar, die das noch junge Bürgerkönigtum in seiner
Existenz bedrohten. Louis-Philippes Regime musste eine Menge militärischer
Macht und polizeilicher Tätigkeit aufbringen, um mit dieser Herausforderung
erfolgreich fertig zu werden. Fehlplanungen und ein zu langes Abwarten brachten
jedoch die Anhänger der Bourbonen um die Siegeschance und die Etablierung
einer dritten Restauration. 6.2. Der linke Widerstand Das
Erscheinungsbild der Linken war sehr heterogen. Sie war stets republikanisch geprägt.
Der an der Politik beteiligte Anteil der Bewegung befand sich immer im Rahmen
des politischen Systems der Julimonarchie, obgleich er immer gegen die offizielle
Regierungspolitik opponierte, egal von welcher Kabinettsfraktion sie gemacht wurde.
Doch der größte Teil der linken Kräfte partizipierte in keiner
Weise an der Politik. Er stand außerhalb der Julisystems. Diese Kräfte
stellten die „Armee zum Schlagen“ während der drei glorreichen
Tage. Sie bestanden aus Mitgliedern der städtischen Unter- und Mittelschicht.
Das waren Arbeiter, insbesondere Facharbeiter aus dem Handwerk, Bildungsberufe
wie Advokaten, Journalisten und Publizisten des weiteren Studenten und Selbständige
aus dem Kleingewerbe. Sehr schnell hatte sich eine Grundstruktur der Linken herausgebildet,
in der eine bildungsbürgerliche Führungsschicht einer Basis aus Arbeitern,
Handwerkern und Kleingewerbetreibenden gegenüberstand. Ebenso wie die Legitimisten
ihre Hochburgen im Westen Frankreichs hatten, hatte die Linke besonders im stark
urbanisierten Osten des Landes ihre großen Standorte ausgeprägt, weil
hier eine besonders hohe Gewerbedichte und eine hohe Alphabetisierung vorherrschte,
was die Propaganda erleichterte. Die Linke profitierte vor allem von der politischen
Praxis der Regierung, insbesondere unter Guizot. Diese war nämlich gekennzeichnet
durch Desinteresse für die sozialen Missstände. Es wurde im Gegenteil
gegen die Unzufriedenheitsdemonstrationen der Straße teilweise mit übertrieben
harten Maßnahmen vorgegangen. So bedurfte es keines großen propagandistischen
Aufwands seitens der linken Kräfte, diese Gruppe der Unzufriedenen für
sich zu gewinnen und eine Radikalisierung der Arbeiterschaft herbeizuführen.
Die Organisation der Linken stützte sich vor allem auf ein gut ausgebautes
Vereinswesen. Die „société des amis du peuple“ existierte
schon als Untergrundbewegung während der Restauration und war prädestiniert
für die Übernahme der Führung der Linken. Doch die innere Konfusion,
die nur teilweise durch die heterogene Zusammensetzung ihrer Mitglieder bedingt
war, verhinderte dies. Diese Tatsache ist auch nicht ganz unschuldig am Scheitern
des ersten größeren Aufstandsversuchs im Juni 1832 anlässlich
der Beerdigung von General Lamarque. Schon im Dezember 1830 während der Prozesse
gegen die letzten Restaurationsminister fehlte eine Spitze, um das kampfbereite
Volk von Paris in den Aufstand zu führen. Auch jetzt waren alle Bedingungen
gegeben, um erfolgreich einen Umsturzversuch zu wagen. Es grassierte seit April
die Cholera in Paris und forderte besonders in den Armenvierteln der Hauptstadt
ihre Opfer. Die auf diese makabre Weise offenbarte Ungleichheit selbst vor dem
Tode heizte die Stimmung an . Diese war ohnehin durch den auf Höchstwerte
gestiegenen Getreidepreis und die konjunkturbedingte hohe Arbeitslosigkeit überreizt.
Der plötzliche Tod Périers und die darauf folgende Vakanz seines
Amtes sollte von den Kammer-Linken ausgenutzt und die Beerdigung zu einer Machtdemonstration
der Kräfte der Straße umfunktioniert werden. Nach gezielter Provokation
bewaffneter Demonstranten folgte eine übertriebene Reaktion der Ordnungskräfte.
Es kam zur Solidarisierung durch Mitläufer, die in blutigen Barrikadenkämpfen
endeten. Mangels einer etablierten Führung der Aufständischen, z.B.
durch Kammer-Linke oder durch die Volksfreunde, brach dieser Aufstand sehr bald
zusammen. Aus diesem Aufstand und der zweiten Vendée war die Julimonarchie
gestärkt hervorgegangen. Die Volksfreunde lösten sich auf und bildeten
mit einigen radikaleren Linken die „Société des droits de
l’homme“, die nun die Leitung der republikanischen Bewegung übernahm.
Gleichzeitig fand jetzt eine allgemeine Radikalisierung der Linken statt.
Die Gesellschaft der Menschenrechte zeichnete sich auch verantwortlich für
die Organisation des letzten größeren Aufstandes in der Konsolidierungsphase
der Julimonarchie. Dieser war von der Regierung Thiers wohlweißlich provoziert
worden, um die Kräfte der Linken in Frankreich unschädlich zu machen
, wenn auch nur vorübergehend. Die Verschärfung des Vereinsgesetzes
lösten 9. April 1834 in Lyon einen von Republikanern geschürten und
unterstützten Arbeiteraufstand aus, der drei Tage später mit aller Macht
in Blut erstickt wurde. Durch ein Täuschungsmanöver der Regierung Thiers
setzten sich die Kämpfe auch in anderen Städten fort, wo man von Regierungsseiten
aus vorbereitet war, so auch in Paris. Die linke Bewegung war damit tatsächlich
für die nächste Zukunft ausgeschaltet worden . Die Regierung hatte sich
gefestigt und war so schnell nicht mehr aus dem Sattel zu heben.
6.3.
Soziale Unruhen In Frankreich setzte erst relativ spät die Industrialisierung
ein. Das vorher sehr agrarisch geprägte Land hatte durch die Wirren der Großen
Revolution und den Kriegen in ihrem Schlepptau kaum Zeit sich wie England zu entwickeln
. Seit 1790 war die französische Bevölkerung stetig gewachsen. In den
Grenzen Frankreichs mussten 1830 fünf Millionen Menschen mehr versorgt sein
als noch 40 Jahre zuvor . Diese Menschen fanden auf dem Lande kaum noch Broterwerb.
Denn die Landwirtschaft hatte den Anschluss an die moderneren Produktionsmöglichkeiten
noch nicht geschafft . Es folgte eine allgemeine Landflucht in die Städte.
Aber dort war die Industrie noch nicht soweit entwickelt, um das Angebot an Arbeitskräften
voll auszuschöpfen. Daraus resultierte eine Lohnkonkurrenz unter den Arbeitern,
die Hungerlöhne hervorbrachte. Mit dem weiteren Voranschreiten der Industrialisierung
waren Kleingewerbetreibende der Konkurrenz der Maschinen in den Fabriken nicht
mehr gewachsen. Das Verlagswesen nutzte dies ebenfalls durch Drücken von
Löhnen auf niedrigstes Niveau aus. All das stand aber in keinem Verhältnis
zu den gestiegenen Lebenshaltungskosten in den Großstädten . Es kam
zur Massenverelendung in den Städten, die mit mangelndem Hygienewesen und
unmöglichen Wohnverhältnissen einherging. Sie gipfelte im Massensterben
während der Choleraepidemie in der ersten Jahreshälfte von 1832.
In diesem sozial-ökonomischen Spannungsfeld bewegten sich die nun zu besprechenden
Proteste. Diese konnten nicht wie politische Opposition bekämpft werden.
Diesen schwelenden Konfliktherden Herr zu werden, bedurfte es Reformen und einer
sozialen Gesetzgebung. Oder man handhabte die Sache wie die Julimonarchie, die
mit Gewalt versuchte, Proteste, Demonstrationen und Unruhen unter Kontrolle zu
bekommen. Diese unpolitischen Proteste wurden von einer Schicht getragen,
die 1830 erst knapp ein Zehntel der französischen Bevölkerung ausmachte.
In Frankreich gab es zwischen drei und vier Millionen Arbeiter. Diese Schicht
konnte noch zu Beginn der Industrialisierung in drei Gruppen eingeteilt werden.
Die erste waren die Facharbeiter bzw. Handwerksmeister. Sie stellten eine Art
Elite unter den Arbeitern dar. Doch ihr Status verschlechtert sich rapide durch
die zunehmenden Verbesserungen der Fabrikproduktion, die eine schnellere und billigere
Herstellung ermöglichten als in den kleinen Handwerksbetrieben. Die zweite
Gruppe stellten die ländlichen Heimarbeiter. Sie waren in den klein- und
unterbäuerlichen Schichten anzutreffen. Wegen ihrer sozialen Herkunft hatten
sie eine etwas krisensicherere Ausgangsposition als die Arbeiter in den Städten,
da sie voll in den dörflichen Gemeinden integriert waren mit ihrer eigenen
Parzelle und den landwirtschaftlichen Nutzungsrechten der Dorfgemeinschaften.
Sie produzierten vor allem im Rahmen des Verlagswesens in der Textilherstellung.
Aber auch sie waren durch die voranschreitende Industrialisierung und der damit
verbundenen Stückpreis- und Lohnsenkung betroffen. Sie wanderten in die Städte
ab, um dort als ungelernte Fabrikarbeiter eine Stelle zu bekommen. Aber hier kamen
sie lediglich vom Regen in die Traufe. Hier war die Massenverelendung sogar stärker
ausgeprägt als auf dem Lande. Die dritte Gruppe bildeten die schon erwähnten
ungelernten Fabrikarbeiter. Das waren gescheiterte und abgewanderte ländliche
Heimarbeiter, aber auch Landarbeiter, die sich mehr Chancen in der Stadt ausgemalt
hatten, und Tagelöhner. Drei Viertel dieser Gruppe stellten die Textilarbeiterschaft,
der Rest verteilte sich vorwiegend auf den Bergbau und der Metallurgie. Alle
drei Gruppen waren gleichermaßen von der sozialen Unsicherheit unter der
Julimonarchie betroffen. Sie waren gezwungen, selbst in Aktion zu treten, um eine
Änderung der Zustände herbeizuführen. Zum ersten Mal kam es zu
Unruhen, die ausschließlich sozial motiviert waren und denen keine politische
oder aufrührerische Haltung zu Grunde lag. Zu den klassischen Formen des
Arbeitskampfes, wie Streiks, Maschinenstürmerei, Raufereien mit konkurrierenden
Arbeitergruppen, trat der offene Aufstand. Der erste und zugleich größte
Arbeiteraufstand fand nicht in Paris, sondern in der zweitgrößten Stadt
Frankreichs, Lyon, statt. Er wurzelte in einer seit 1827 dauernden Krise der Seidenindustrie,
die ihren Schwerpunkt hier in Lyon hatte. Ebenso ist die immer stärker zu
Tage tretende, sich verschärfende Verelendung, selbst bei den Handwerksmeistern,
als Grund anzusehen. 1831 setzte eine leichte Konjunktur ein. Die im Verlagswesen
produzierenden Seidenweber wollten diese nutzen und forderten eine Erhöhung
der Stücklöhne. Eine von Handwerksmeistern gegründete, seit 1828
agierende Selbsthilfeorganisation namens „Société de Duvoire
mutuel“ erreichte die Vermittlung eines Ausschusses von Arbeitern und Unternehmern,
durch den Präfekten des Departements und den Bürgermeister von Lxon.
Man konnte sich auch am 25. Oktober 1831 auf einen Lohntarif und eine Stücklohnerhöhung
einigen. Doch einige Unternehmer schalteten die Regierung Périer ein, der
den Tarifvertrag für ungültig erklärte. Die Seidenweber fühlten
sich verraten und dadurch legitimiert zu Notwehrmaßnahmen. Zum 21. November
wurde eine große Protestdemonstration organisiert. Nachdem die ersten Schüsse
der Ordnungskräfte ihre Opfer verlangten, brach der offene Aufstand los.
An ihm beteiligten sich ca. 20.000 bis 30.000 Arbeiter und mit ihnen fraternisierende
Soldaten und Nationalgardisten. Nach drei Tagen blutigen Straßenkampfes
hatten die Aufständischen die Stadt unter Kontrolle . Damit hofften sie,
ein wichtiges Faustpfand für weitere Verhandlungen in der Hand zu haben.
Sie bildeten mit Teilen des Stadtrates und dem Präfekten eine Interimsregierung.
Sie bestand bis zum 3. Dezember, als Marschall Soult an der Spitze von 20.000
Mann die Stadt kampflos überlassen wurde, und die alten Verhältnisse
wiederhergestellt worden sind. Die alten Verhältnisse wurden aber nicht
nur in der Stadt, sondern auch in der sozialen Frage wiederhergestellt, die ja
die Ursache der Unruhen war. Die Regierung wurde vielleicht wachgerüttelt
durch dieses eindrucksvolle Voraugenführen der Problematik. Doch sah sie
sich nicht gezwungen zur Besserung beizutragen. Zu groß war ihr Rückhalt
in der besitzenden „Mittelschicht“, die sie auch zu gewinnen verstand,
indem der Aufstand von ihr propagandistisch gegen Republikaner und Legitimisten
als angebliche Drahtzieher in die Schuhe geschoben worden ist. Der Aufstand wurde
politisiert. Er sei angelegt gewesen, um gegen das Eigentum der Fabrikanten und
Verleger vorzugehen. Man konnte sich so als Schützer der bürgerlichen
Rechte und der Ordnug profilieren und oppositionelle Kräfte in Misskredit
bringen .
6.4. Die Bonapartisten Obgleich sich Napoléon
I. bei den Franzosen einer großen Popularität erfreute, fanden die
Anhänger des Bonapartismus kaum eine breite Basis im Volk. Sie konnten nicht
an dem Bild der nationalen Legende anknüpfen. Das wurde noch dadurch erschwert,
dass nach 1830 eine allgemeine Napoléon-Verehrung in Frankreich um sich
griff. Regierung und Opposition, außer den Legitimisten, beanspruchten Napoléon
für ihre Politik. Der Versuch der Bourbonen während der Restauration
war vergeblich, den Mythos um den Kaiser der Franzosen auszumerzen. Eher verstärkten
sie noch den Kult um den Kaiser der Franzoswn, der seine Höhepunkte 1833
in der Errichtung der Vendôme-Säule, 1836 in der Fertigstellung des
Arc de Triomphe und 1840 in der Überführung der Gebeine Napoléons
I. von St. Helena und ihrer Beisetzung im Invalidendom in Paris fand. Dieses
Fahrwasser nutzend forderten die Bonapartisten die Wiedereinsetzung der Kaiserfamilie.
Der legitime Nachfolger Napoléons I. sei dessen Sohn der Herzog von Reichstadt,
welcher als Napoléon II. offiziell anerkannt war und seit 1814 in Wien
lebte. Hier stand er quasi unter direkter Kontrolle Metternichs. Der Herzog starb
allerdings schon im Juli 1832. Damit war den Bonapartisten der Thronanwärter
genommen. Infrage kamen nun die Brüder Napoléons I., die zwar am Machtanspruch
ihrer Familie festhielten, aber das nur äußerten und nicht durch Aktionen
unterstrichen. Ganz anders sah das der Neffe des Kaisers, Louis-Napoléon.
Er stellte sich an die Spitze der Bonapartisten und konnte sich sogar bei ihnen
als Thronanwärter durchsetzen. Zu diesem Zeitpunkt waren aber die Anfangsprobleme
der Julimonarchie bereits überwunden. Außerdem hatte Louis-Philippe
durch eine geschickte Politik mögliche Sympathisanten der Bonapartisten für
sich gewinnen können. Er behandelte die einstigen Opfer der Restauration
bevorzugend, indem er ihnen nicht nur die Rückkehr aus dem Exil gestattete,
sondern im System der Julimonarchie auch (re-)integrierte. So wurden napoleonische
Offiziere und Generäle wieder in der Armee aufgenommen und ehemalige Parteigänger
des Kaisers bei der Personalpolitik in der Pairskammer berücksichtigt. Die
Strategie, den Napoléon-Kult zu fördern und für sich in Anspruch
zu nehmen und ehemalige Kaisertreue in die eigene Politik einzuspannen, erweist
sich als erfolgreich, um den Bonapartisten das Wasser abzugraben und politisch
einflusslos zu machen. Nicht zuletzt deswegen konnten sich die Bonapartisten
nicht auf eine breite Trägerschaft stützen wie die beiden anderen großen
politischen Gruppierungen. Sie waren auf eine kleine Truppe von Gefolgsleuten
angewiesen. Daher war die einzige Möglichkeit, sich in Frankreich durchzusetzen,
nur über einen Putsch gegeben. Aus Mangel einer Basis fielen nämlich
Volkserhebungen oder gar Bürgerkriege zur Machtergreifung aus. Aus diesem
Grund wurde verstärkt nach Anhängerschaft bei hohen Militärs gesucht.
Zu Ausgangspunkten der Aktionen wurden deshalb die Garnisonen im Osten Frankreichs
gewählt. Von hier aus sollte bereits ein Staatsstreich zugunsten Napoléons
II. im Sommer 1831 seinen Ausgang nehmen. Die Verschwörung wurde aber von
der Polizei frühzeitig entdeckt. Ihr Ziel war die Aufwiegelung der Regimenter
in Strassburg, Metz, Lunéville und anderen Standorten gegen das Regime,
um mit ihnen dann eine Stadt nach der anderen erobern und in Paris einzumarschieren.
Die Ermittlungen deckten ein großes Netz von Beteiligten auf. Unter den
Verschwörern waren neben Ausländern und Intellektuellen auch Finanziers,
ein Abgeordneter der Deputiertenkammer, aber vor allem auch eine Vielzahl hochgestellter
Offiziere. Die Regierung hatte offenbar kein Interesse an einem Aufbauschen der
Affäre und hielt die Verschwörer für ungefährlich, weswegen
der Prozess im April 1832 mit Freisprüchen endete. Am 30. Oktober 1836
wird das geplante Muster von 1831 noch einmal in die Tat umgesetzt. Es beginnt
in Strassburg, wo sich ein Artillerieregiment sofort Louis-Napoléon anschloss.
Das Vorhaben scheiterte aber schon wenige Stunden nach Beginn am Widerstand der
anderen Regimenter in der Stadt. Unter Ausnutzung der Orientkrise und überschwänglichen
Napoléon-Begeisterung wegen der Gebeinüberführung unternahm
der Neffe Napoléons I. am 6. August 1840 einen weiteren Putschversuch in
Boulogne-sur-Mer, der nach dem selben Muster wie seine Vorgänger geplant
war. Dieser scheiterte aber noch kläglicher als das Experiment vier Jahre
vorher, was vor allem an der schlechten Vorbereitung und der Entziehung zugesagter
Unterstützung von hohen Militärs lag. Louis-Napoléon wurde zu
Festungshaft verurteilt, aus der ihm im Mai 1846 die Flucht gelang. In Anbetracht
der Situation, dass der Führer der Bonapartisten für die Franzosen am
Beginn seiner „Verschwörerlaufbahn“ ein Unbekannter war und seine
Putschversuche nicht mit Erfolg gekrönt waren, dienten sie doch der Mehrung
seines Bekanntheitsgrades in der französischen Öffentlichkeit. Seine
politische Unerfahrenheit und seine Jugend, 1836 war er gerade einmal 28 Jahre
alt, schienen zu seinen Misserfolgen das ihre beigetragen zu haben. Aber das größte
Manko der von ihm verfolgten Politik dürfte seine irrtümliche Überzeugung
gewesen zu sein, er könne die Popularität und die Aura seines Onkels
auf sich übertragen. Er verkannte sie Tatsache, dass die Franzosen den Kaiser
verehrten, aber keineswegs eine Rückkehr des alten Bonaparte-Regimes wünschten.
Er war deshalb außer Stande, eine „zweite Rückkehr von Elba“
zu zelebrieren. Dennoch sind sein Ehrgeiz und seine hartnäckige Unbeirrbarkeit
in der Verfolgung seiner Ziele zu bewundern.
7. Fazit –
Die Bedeutung der Julimonarchie „Doch eines ist die
Arbeit der Weisen, ein anderes die der Schlauköpfe. Die Revolution von
1830 war rasch zum Stillstand gekommen. Sobald eine Revolution gestrandet
ist, nehmen die Schlauköpfe das Strandgut auseinander. Die Schlauköpfe
haben sich in unserem Jahrhundert selbst die Bezeichnung Staatsmänner zuerkannt.
Und so nimmt es sich nicht wunder, dass das Wort Staatsmann schließlich
ein bisschen wie Argot klingt. Es sollte freilich nicht vergessen werden, dass,
wo nur Schläue herrscht, dies zwangsläufig zu einer niedrigen Gesinnung
führt. Statt schlau kann man auch mittelmäßig sagen, und statt
Staatsmann mitunter Verräter. Nach Meinung der Schlauköpfe sind
also Revolutionen, wie die Julirevolution, durchtrennte Schlagadern. Da heißt
es rasch abbinden. Das zu feierlich verkündete Recht gerät ins Wanken.
Auch muss, ist erst einmal das Recht bestätigt, der Staat wieder gefestigt
werden. Und ist die Freiheit gesichert, sollte man an die Macht denken. [...]
Die Macht schön und gut! Aber erstens, was ist die Macht? Zweitens, wo kommt
sie her? [...] Jenen Politikern zufolge – erfinderisch, wie sie sind,
den vorteilhaften Hypothesen eine Maske der Notwendigkeit aufzusetzen –
braucht ein Volk nach einer Revolution, wenn es zu einem monarchisch regierten
Kontinent gehört, erst einmal eine Dynastie. Auf diese Weise, sagen sie,
bekommt es Frieden nach seiner Revolution, das heißt Zeit, sich die Wunden
zu verbinden und sein Haus auszubessern. Die Dynastie verbirgt das Baugerüst
und entzieht das Lazarett den Blicken.“ 1830 war die Restauration
in Frankreich endgültig gescheitert. Zu stark waren die Franzosen mit ihrer
französischen Vergangenheit aufs engste verbunden. So konnte auch ein künstliches
Wiederherstellen der Bourbonenherrschaft 1814/15 nur mit Konzessionen in Form
der Charte Constitutionelle vonstatten gehen. 25 Jahre nach dem Sturm auf
die Bastille hatten sich Veränderungen in der Grundstruktur der französischen
Gesellschaft in Gang gesetzt, die immer noch anhielten und deren Ende immer noch
nicht abzusehen war. Die alte Aristokratie des Adels konnte sich nur mit Hilfe
des reaktionären Europas seine Alten Positionen zurückerobern. Doch
war sie nicht mehr allein Bestandteil der gesellschaftlichen Elite. Eine neue
Aristokratie des Besitz- und Finanzbürgertums hatte sich in den vergangenen
Jahrzehnten in Frankreich etabliert. Sie forderte ebenfalls ihr Recht an der Führung
Frankreichs. Je länger die Restauration anhielt, um so morscher wurde
ihr System. Anfänglich noch mit einem relativ liberalen Programm hantierend,
war die Politik gegen Ende nicht nur konservativ, sondern regelrecht reaktionär.
Offenbar glaubte die Regierung ab der Mitte der 1820er, ihre Position sei gefestigt.
Das sie nicht gefestigt genug war, um ihren repressiven Kurs weiterzufahren, bestätigte
1830. Mit den Juliordonanzen wurde gegen die selbst auferlegte Verfassung verstoßen
und eine der wichtigsten Freiheiten, die der Meinung in Wort und Schrift, außer
Kraft gesetzt. Die Franzosen aber waren aber den Respekt vor ihrer Verfassung
seitens der Regierung gewöhnt. Auch mussten die seit einiger Zeit offenkundigen
Ambitionen, ein starkes Königtum gegen die Kammern zu etablieren, dem politisierten
Teil der Bevölkerung zuwider laufen. Auch die soziale Lage wurde von Charles
X. und seinem Beraterstab verkannt. Die soziale Mobilität innerhalb der bürgerlichen
Schicht hatte sich zuungunsten der Kleinbürger verschoben. Die erst in den
1820er Jahren richtig einsetzende industrielle Revolution erzeugte zu diesem Zeitpunkt
bereits einen Problemdruck von Massenarbeitslosigkeit, Massenverelendung, Landflucht.
Auch dieser Faktor fand keinerlei Beachtung bei den Ultras. So brach die Julirevolution
überraschend über die Restauration herein und entfachte in ganz Europa
einen Flächenbrand des Aufruhrs. Scheinbar war auf dem gesamten Kontinent
ein revolutionäres Potential während der letzten 15 Jahre angestaut
worden, das nur eines Startsignals bedurfte, welches in Frankreich gegeben wurde.
Früh genug, um nicht in Bürgerkrieg und Chaos zu versinken, und früh
genug, um eine „jacobinische“ Republik zu verhindern, übernahm
die neue Aristokratie die Führung und beeilte sich, Louis-Philippen, den
Herzog von Orléans, einer jüngeren Bourbonenlinie, zum neuen König,
zum Bürgerkönig, zu erheben. Damit war die Revolution beendet oder,
wenn man so will, „gestrandet“. Auch wenn vor allem aus der Tradition
der vergleichenden Geschichtsforschung stammende Meinungen die Revolution mit
den drei Tagen nicht beendet sehen wollen, sondern die Jahre danach als weiteren
festen Bestandteil der Umwälzungen betrachten, ist nach meinem Dafürhalten
die Julirevolution spätestens mit der Thronbesteigung des Bürgerkönigs
und seinem Schwur auf die Verfassung am 9. August 1830 beendet. Die weiteren Ereignisse
bis 1833/34, die mit ihren Barrikaden den Aufständen und Revolutionen im
19. Jahrhundert ein Symbol schufen, das immer wiederkehrte, kommen über den
Versuch eines Umsturzes nie hinaus. Sie scheiterten am Mangel revolutionären
Interesses der bürgerlichen Gesellschaft. Der Rückhalt der republikanischen
Revolutionäre in der Bevölkerung wurde mit Fortdauer der Julimonarchie
immer schwächer. Das Fiasko von 1834 macht dies auf unwiderlegbare Weise
deutlich. Die Nationalgarde, die revolutionäre Bürgerwehr, ging mit
aller Gewalt gegen die Aufrührer vor. Der Seidenweberaufstand in Lyon 1831
kann nicht als Ausdruck der revolutionären Grundhaltung der Franzosen gewertet
werden. Dies zeigt zum einen die Disziplin, die herrschte nach der Übernahme
der Stadt. Zum anderen belegt es auch die kampflose Übergabe der Stadt an
die Regierungstruppen. Dieser Aufstand ist eher als Notwehrhandlung der Arbeiterschaft
im Rahmen ihres Arbeitskampfes zu werten. Die Verfassung der Julimonarchie
war die nur geringfügig geänderte Charte von 1814. Am schwerwiegendsten
waren die Machterweiterung der Kammern und die Abänderung des Zensuswahlrechts,
die nun den Großteil des Besitz- und Finanzbürgertums an der Regierung
teilhaben ließen. Aus den Machtkämpfen mit den Legitimisten bis 1832
und den Linken bis 1834 ging die neue herrschende Aristokratie jedes Mal gestärkter
hervor. Jedes Mal verloren die oppositionellen Kräfte an Einfluss. Bis sie
schwer in Misskredit gebracht waren, was nicht zuletzt auf die Regierungspropaganda
gegen diese „Feinde der Ruhe und Ordnung“ zurückzuführen
ist. Das Bürgertum hatte sich spätestens jetzt endgültig etabliert.
Vom kleinen Ladenbesitzer bis zum großen Finanzier hatte sich eine konservative,
traditionalistische Grundeinstellung durchgesetzt. Ihre Mittelpunkte stellten
die verfassungsrechtlich garantierten Rechte, aber auch der Wunsch nach Erhaltung
von Ruhe und Ordnung dar. Diese Haltung bot keinen Platz für republikanische
Forderungen, die lediglich vom „pueple“ getragen wurden. Schließlich
wurden dadurch nur der erworbene Besitz und durch die bürgerkriegsähnlichen
Auseinandersetzungen zu Beginn der Julimonarchie die öffentliche Sicherheit
und rechtliche Ordnung gefährdet. Diese Phase der Konsolidierung, des
„Wundenverbindens und Hausausbesserns“, war durch eine liberale Politik
gekennzeichnet. Denn diese Konsolidierung war geprägt durch Politik, die
von den Kammern gemacht worden ist und sich kaum auf den König stützte.
Nach der Festigung der Julimonarchie war die Opposition außerhalb der Kammer
mundtot, aber nicht eliminiert. Sie hatte sich durch ihre Aufstandsversuche verausgabt
und musste sich erst einmal regenerieren. Derweil schwenkte die Politik innerhalb
der Kammern um. Die innerfraktionellen Querelen nahmen zu und schwächten
die bürgerliche Regierung. Das endete mit einer faktischen Machtübernahme
in der Regierung durch den König und einem konservativen, ihm ergebenen Kabinett.
Ähnlich wie die Restaurationsmonarchie verlor die des Bürgerkönigs
das Gefühl für zeitgemäße Politik. Man hielt wie jene an
seinem alten Kurs fest und musste wie jene früher oder später scheitern,
da man zu keiner Anpassung fähig war. Was fortschrittlich in der Julirevolution
begann, hörte in der Februarrevolution auf.
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