Die Julimonarchie 1830

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Inhaltsübersicht

1. Vorwort
2. Einleitung – Von der Restauration zur Revolution
2.1.Die postnapoleonische Periode
2.2. Les Trois Glorieuses - Die Glorreichen drei Tage (27. – 29. Juli 1830)
3. Louis-Philippe - Das Mensch gewordene 1830
4. Kabinett oder König? Wer herrscht, wer regiert? – Die Innenpolitischen Grundzüge der Julimonarchie
4.1. Der Widerstand und die Bewegung
4.2. «Le roi règne, mais il ne gouverne pas » ? - Der politische Kurs nach 1832
5. Die außenpolitischen Grundzüge der Julimonarchie
6. Die unruhigen Nachwehen der Julirevolution – Opposition, Aufstände und Aufruhr
6.1. Der legitimistische Widerstand
6.2. Der linke Widerstand
6.3. Soziale Unruhen
6.4. Die Bonapartisten
7. Fazit – Die Bedeutung der Julimonarchie

Literaturverzeichnis

1. Vorwort

„[...] wirklich plausibel zu erklären, warum vor allem Arbeiter, Handwerker, kleine Ladenbesitzer und in den letzten Stunden auch eine Handvoll Studenten die Julirevolution von 1830 ausfochten, während die Bourgeoisie, die auf dem Gemälde von Delacroix in jenem elegant gekleideten jungen Mann mit Zylinderhut dargestellt ist, der auf den Barrikaden steht und eine Muskete in den Händen hält, angstvoll und unentschlossen den Ereignissen zuschaute“.
Die Julirevolution von 1830 wurde immer wieder als die verratene oder die gestohlene Revolution bezeichnet . Die Bourgeoisie hätte die Früchte geerntet, die von den unteren Schichten und besonders das in seinen Anfängen begriffene Proletariat unter hohen Verlusten (allein in Paris ca. 3000 Gefallene auf den Barrikaden) erkämpften.
1830 war eine Revolution, die sich nicht wie ihre große Schwester von 1789 über Jahre entwickelte, sondern innerhalb von drei Tagen ausgefochten worden war . Zu wenig Zeit für die Etablierung revolutionärer Strömungen, wenn man bedenkt, dass der offene Aufstand, der im Sturz Charles X. mündete, von seinen Zeitgenossen bis kurz vor seinem Ausbruch gar nicht vorausgeahnt wurde. Das lag nicht zuletzt daran, dass das Gros der Insurgenten gar keine Pariser waren, sondern als Saisonarbeiter auf den großen Baustellen in der Hauptstadt beschäftigt waren . Die Lage in Paris wurde vom Polizeipräfekten als ruhig eingestuft, weil von Seiten einer „revolutionären“ Commune keine Gefahr bestand. Um so überraschter waren die Sicherheits- und Ordnungskräfte in und um Paris. Das bedeutet doch, dass während der Restauration zwar eine politische Opposition existierte, aber diese nicht einmal einen Gedanken daran verschwendete, im wahrsten Sinn des Wortes auf die Barrikaden zu gehen, sondern eher den verfassungsmäßig-politischen Weg zu wählen.
Trotzdem kam es zu einer ausgewachsenen Revolution, wurde ein König gestürzt, um einen neuen einzusetzen, ob von Volkes Gnaden oder von Gnaden der Kammern, wird noch zu erörtern sein, entstand die Julimonarchie, wurde ein neues Frankreich geschaffen, das 1848 erneut durch eine Revolution erschüttert werden sollte.
Und das alles vom „peuple“ erkämpft und von der Bourgeoisie ausgenutzt? Wie stabil war das neue System? Wer herrschte und wer regierte? Welchen Platz hatte das Frankreich der Julimonarchie im Konzert der Mächte in Europa? Wieweit ist 1848 schon in 1830 angelegt? Oder ist 1830 nur eine Festschreibung von 1789 in Mentalität und Weltanschauung einer Nation bzw. sogar eines Kontinents?

2. Einleitung – Von der Restauration zur Revolution
2.1. Die postnapoleonische Periode

„Das Haus Bourbon hielt sich für stark, weil das Kaiserreich wie eine Theaterkulisse weggetragen worden war. Es merkte nicht, dass es auf die gleiche Art herbeigebracht worden war. Es begriff nicht, dass es auch in dieser Hand war, die ihn, Napoleon, weggestellt hatte. Das Haus Bourbon wähnte, es habe Wurzeln, weil es die Vergangenheit war. Es täuschte sich.. [...] Die Wurzeln der französischen Gesellschaft lagen nicht in den Bourbonen, sondern in der Nation Diese verborgenen langlebigen Wurzeln stellten keineswegs das Recht einer Familie, sondern die Geschichte eines Volkes dar. Sie waren überall, nur nicht unter dem Thron.“
Mit der Rückkehr der Bourbonen in Gestalt Louis XVIII. schickte sich ein überkommenes Regime an, in Frankreich wieder Fuß zu fassen. Ein Frankreich, das durch die Revolution und die in ihrem Schlepptau über das Land und nicht zuletzt über Europa hereingebrochenen Ereignisse grundlegenden Veränderungen unterworfen worden war. 1814 bzw. nach dem Ende der „Les cent Jours“ am 22. Juni 1815 fanden die neuen alten Herrscher nicht mehr das vor, was sie durch die „Große“ Revolution verlassen mussten. Nur gestützt durch das reaktionäre System von Wien und einer mächtigen Handvoll ultraroyalistisch gesinnter Adliger versuchten sie, in den kommenden Jahren alte Verhältnisse wieder herzustellen.
Doch das Ancien Régime hatte ausgedient und war nicht mehr im alten Gewand installierbar. Angesichts der sozialen Umstrukturierung des französischen Volkes und den damit verbundenen neuen Machtverhältnissen mussten die Bourbonen Konzessionen machen. Dies wurde besonders gut deutlich durch die Charte Constitutionelle von 1814 . Louis XVIII. stand damit an der Spitze einer Konstitutionellen Monarchie. Der König musste aber gegenüber dem neuen Corps Législative (Pairskammer und Deputiertenkammer) in einer Erklärung diese Charte als gültige Verfassung eines Zweikammersystems, mit garantierten Grundrechten (Rechtsgleichheit, Presse- und Religionsfreiheit) und der Unabsetzbarkeit der Richter bestätigen. Darüber hinaus wurden aber auch die seit 1789 vorgenommenen Besitzverschiebungen anerkannt. Insgesamt entsprach diese Verfassung der Konstitution, die die Revolution 1791 hervorgebracht hatte. Damit hatte sich die Restauration gezwungenermaßen gebunden und sich den gegebenen neuen Verhältnissen angepasst .
Nachdem Napoléon Bonaparte 1815 noch einmal zurückgekehrt, durch Briten und Preußen geschlagen und in die Verbannung nach St. Helena geschickt worden war, wo er 1821 starb, traten die Kräfte der Restauration in Frankreich ein schweres Erbe an. Denn es sollte ihnen nicht gelingen, das neue Frankreich mit dem zurückkehrenden Adel zu versöhnen, geschweige denn die erlittene Niederlage des Volkes gegen die Alliierten bei Waterloo und den damit verbundenen Friedensbedingungen nicht als nationale Schmach zu empfinden . Denn mit ihr war Frankreich ins diplomatische Aus manövriert worden und wurde von nun an von seinen reaktionären Nachbarn weiterhin misstrauisch beäugt. Mehr als eine Million alliierter Soldaten standen im Land und besetzten mehr als zwei Drittel des französischen Territoriums . In diesem Zusammenhang darf die Leistung der Regierung Louis XVIII. nicht vergessen werden, die durch die von ihm einberufene Requisitionskommission bewerkstelligt worden ist. Immerhin ist es dieser zu verdanken, dass die Forderungen der Alliierten gegenüber Frankreich relativiert worden sind und Frankreich nicht zerstückelt worden ist (was auch nicht zuletzt der Intervention Großbritanniens und Russlands gegenüber Österreich und Preußen zu verdanken ist) .
Dennoch war das politische Frankreich in ein linkes (republikanisches) und ein rechtes (ultrareaktionäres) Lager gespalten, was die Regierung in den nächsten 15 Jahren prägen und erschweren sollte. Der „Terreur Blanche“ wirkte über dies noch lageverschärfend. Dieser von militanten Ultras geschürte und durchgeführte Rachefeldzug gegen Jacobiner, Bonapartisten, Protestanten und Mamelucken forderte besonders im Süden Frankreichs Hunderte von Toten . Dazu kamen noch weitere Säuberungsaktionen in der Administration des Staates und der Departements bis hin zur kommunalen Ebene .
Der König war nun gezwungen, zwischen den Lagern der Restauration und der mittlerweile etablierten liberalen Bourgeoisie zu vermitteln. Nach anfänglichen Wahlerfolgen der Ultras gewann die bürgerliche Opposition immer mehr die Oberhand in der Deputiertenkammer. Das ist nicht zuletzt dem Zensuswahlgesetz von 1817 zu verdanken, das nun auch dem liberalen Bürgertum die Kammern öffnete . Dieser freiheitliche Weg der Regierungen unter Richelieu und Decazes fand 1818/19 seinen Höhepunkt im neuen Militärgesetz, das die adligen Privilegien bei der Besetzung der Offiziersposten aufhob und quasi bis 1868 in Kraft blieb, sowie der faktischen Aufhebung der Pressezensur .
Aber mit dem Mord an Herzog de Berry am 13./14. Februar 1820 wurde die Phase der Entspannung abrupt beendet . Sofort wurde im Zuge der allgemeinen Aufhebung der bisher ergangenen liberalen Bestimmungen unter anderem auch die Pressezensur wieder eingeführt. Das Kabinett wurde aufgelöst und Neuwahlen wurden angesetzt. Bei der Wahl wurden die Großgrundbesitzer mit einem doppelten Wahlrecht ausgestattet. Das kam den Ultras zu Gute, die bis dato immer mehr Verluste einfahren mussten und nun dadurch einen massiven Machtzuwachs zu verzeichnen hatten. Sie bauten unter Graf Villèle ihre neugewonnene Machtposition aus und verfolgten eine antiliberale und repressive Politik .
Das verstärkte sich noch mit der Thronbesteigung durch Charles X. am 29. Mai 1825 nach dem Tode seines Bruders. Zunächst einen gemäßigten Kurs fahrend, unterstützte er doch mit Nachdruck den französischen Klerus, der eine seiner wichtigsten politischen Stützen werden sollte. Schon bald galten deshalb die Ultras als Klerikerpartei. Dem Klerus wurde mehr Einfluss im Bildungswesen eingeräumt und das religiöse Prinzip im Strafrecht wieder eingeführt. Andere konservative Gesetzesentwürfe scheiterten allerdings an einer immer härter werdenden Front liberal bzw. gemäßigt gesinnter Pairs . Villèle dankte ab, nachdem Neuwahlen (1827/28) für das Unterhaus mit einem überragenden Erfolg für die Opposition ausgingen. Es folgte ihm Martignac im Amt. Dieser verfolgte Ausgleichsvorhaben mit den Liberalen und eine Politik im Rahmen der Charte . Insbesondere versuchte er, den Klerus aus dem Bildungswesen zu verdrängen. Natürlich brachte ihn diese Politik um die Gunst des Königs. Auch er musste seinen Hut nehmen. Seine Nachfolge trat einer der überzeugtesten Ultras an. Polignac („der Ultra der Ultras“) übernahm die Regierung mit einem Kabinett, das einer schweren Wirtschaftskrise in Frankreich gegenüber stand. Damit waren schwere innere Unruhen und Konfliktherde verbunden, die es zu meistern galt.
Der Versuch, von den Problemen, die Frankreich hatte, mittels außenpolitischer Erfolge abzulenken , scheiterte an der einfach zu festgefahrenen Situation im Land. Dessen ungeachtet ließ es der König auf eine Kraftprobe mit den Kammern ankommen, indem er versuchte, die Gewichtung der Gewaltenteilung mehr auf die (ihm unterstehenden) Exekutive zu verlagern. Das forderte sofort den Protest beider Kammern heraus . Mit der Adresse von 221 liberalen und gemäßigten Abgeordneten der Deputiertenkammer und Pairs wurde dem König und dem Kabinett Polignac das Misstrauen ausgesprochen. Charles X. löste darauf die Deputiertenkammer kurzerhand auf, setzte Neuwahlen für Anfang Juli 1830 an, die aber entgegen seiner Intention mit einem überwältigenden Erfolg der Opposition ausgingen.
Am 26. Juli 1830 erließ der König daher die berüchtigten vier Ordonanzen, in denen er, sich angeblich auf die Charte stützend , die Pressefreiheit außer Kraft setzte, die frisch gewählte Deputiertenkammer auflöste, wiederum Neuwahlen für die nunmehr beträchtlich verkleinerte zweite Kammer ansetzte und eine neue, seine Anhänger begünstigende Wahlordnung erließ. Es war kein Aufstand des Bürgertums zu befürchten, da mit den Ordonanzen keine ökonmomischen Beeinträchtigung verbunden war. Die wirtschaftliche Lage war durch die einsetzende gute Konjunktur entspannt und die anziehenden Löhne versprachen soziale Zufriedenheit der unteren Volksschichten.


2.2. Les Trois Glorieuses - Die Glorreichen drei Tage (27. – 29. Juli 1830)

„Es gibt den Aufruhr, und es gibt den Aufstand. Das sind zwei Zornesausbrüche. Der eine hat unrecht, der andere recht. In den demokratischen Staaten, den einzigen auf Gerechtigkeit gegründeten, geschieht es bisweilen, dass ein Teil die Macht an sich reißt. Dann erhebt sich das Ganze, und die unumgängliche Forderung seines Rechtes kann soweit gehen, dass zu den Waffen gegriffen wird. In allen Fragen, die zur kollektiven Souveränität gehören, ist Aufstand der Krieg des Ganzen gegen den Teil und Aufruhr der Angriff des Teils gegen das Ganze.“
[...] Zeigt mir, in welche Richtung ihr geht. Der Aufstand führt nur vorwärts. Jede andere Erhebung ist schlecht, jeder gewaltsame Schritt zurück Aufruhr. Zurückzuweichen ist ein Verbrechen gegen die Menschheit. Der Aufstand ist der Wutanfall der Wahrheit, und die Pflastersteine, die er herausreißt, schlagen den Funken des Rechts.

Die Ordonanzen Charles’ X. waren nur der unrühmliche Höhepunkt seiner antirepublikanischen Politik. Die Monarchie von 1814 hatte sich mit dem Handeln ihrer Repräsentanten, d.h. deren offenkundigem Verfassungsbruch, dem offenen Aufstand, „dem Krieg des Ganzen gegen den Teil“, ausgesetzt. Wie 41 Jahre zuvor wurde auch dieser vom Kleinbürgertum getragen. Wieder wurde für kurze Zeit politische Gewalt von unten ausgeübt.. Wieder kam es zu einer Revolution in Paris und stellte den Rest Frankreichs vor die Wahl mitzuziehen oder dagegen anzugehen. Aber diesmal stand die Nation geschlossen hinter ihrer Hauptstadt. Denn nach vierzig Jahren waren die liberalen Grundstrukturen in der französischen Mentalität so fest verankert, dass selbst eher konservative Kräfte sich mit den Prinzipien von Rechtsgleichheit, Wahlrecht, Konstitution und Pressefreiheit identifizierten und sich jedes Angriffs dagegen erwehrten .
Noch fand die Regierung am 26. Juli eine besonnene Opposition und ein ruhiges Paris vor. Man glaubte nicht so recht an eine bevorstehende Revolution. Die ersten Reaktionen auf die Ordonanzen bestanden zunächst auch nur in öffentlichen Bekanntmachungen der Verordnungen (lediglich im monarchistischen Organ „Le Moniteur“ abgedruckt) meistens durch Studenten bzw. Bildungsbürger, welche den Text dabei oft bissig kommentierten . Drucker verweigerten das Vervielfältigen der Ordonanzen und traten in den Streik. Fabrikbesitzer sperrten ihre Arbeiter aus und forcierten so die Spannung auf der Straße. Bis zum folgenden Tag ergriff diese Protestbewegung alle größeren Städte Frankreichs . Schon hier zeigt sich die Praxis der Besitzbürger bzw. der Industriellen, die mit der Politik der Bourbonen nicht mehr konform gingen. Sie kanalisierten den Zorn der Straße in eine für sie und ihre politischen Ambitionen günstige Richtung, um dann im geeigneten Augenblick das Ruder selbst zu ergreifen. Dennoch hatten sich die Menschenansammlungen am Abend verlaufen und die Behörden wähnten die Lage in der Stadt unter ihrer Kontrolle.
Am nächsten Tag versuchte die Regierung, ihre Ordonanzen mit Gewalt durchzusetzen. Insbesondere sollte den neuen Pressebestimmungen Nachdruck verliehen werden. Oppositionelle Zeitungen, die sich nicht an die Zensurregelungen hielten, sollten geschlossen und ihre Druckereimaschinen beschlagnahmt und zerstört werden. Trotz des Publikationsverbot wurden Ausgaben dieser Zeitungen in der Stadt verteilt, in denen zum Widerstand gegen den Staatsstreich der Regierung aufgerufen wurde . Erste Demonstrationen wurden auseinandergetrieben und gegen Abend schien die Lage beruhigt. Der propagierte Widerstand war bis dato eher spontan als organisiert. Die liberalen Kräfte der Regierungsopposition wagten sich noch nicht, an seine Spitze zu treten. Sie warteten lieber ab. Im Hause des Casimir Périer trat eine Kommission zusammen, die gegen den König nur mit rechtlichen Mitteln vorgehen wollte . Diese Haltung konnte sich aber, überrollt durch die Ereignisse der Nacht und des kommenden Tages, nicht lange behaupten. In der Nacht wurden im Stadtzentrum und den östlichen Stadtteilen der Hauptstadt Barrikaden aus dem Boden gestampft. Waffenlager und –geschäfte wurden geplündert und seit den Morgenstunden kam es zu heftigen Straßenkämpfen. Oft liefen Mitglieder der königlichen Linientruppen zu den Aufständischen über. In den Abendstunden ordnete der Oberbefehlshaber der königlichen Truppen den Rückzug aus der Innenstadt an und gab somit Paris als verloren auf. Auf dem Stadthaus wehte zu diesem Zeitpunkt schon lange die Trikolore und nicht mehr das Lilienbanner.
Noch immer waren die Führer der liberalen Opposition unentschlossen, ja verhielten sich geradezu hasenherzig . In einer neuerlichen Erklärung protestierten sie lediglich gegen die Auflösung der neu gewählten Deputiertenkammer. Dass diese Erklärung das Resultat einer fruchtlosen Debatte war, zeigte sich nicht zuletzt in der Delegation, die entsandt wurde als eigentlich bereits alles entschieden war. Ihr gehörten Lafitte, Périer, Mauguin und die Generäle Lebrun und Gérard an. Sie sollten vom König die Rücknahme der Ordonanzen und die Entlassung des Kabinetts Polignac erbitten. Die Delegation wurde gar nicht erst empfangen . Unterdessen gingen die Kämpfe in Paris weiter. Am Morgen des 29. Juli wurden die Tuilerien geplündert. Damit war ein eindeutiges Zeichen des Sturzes der 1814er Monarchie gesetzt worden. Die königlichen Truppen waren in allgemeiner Auflösung bzw. Verbrüderung mit den Aufständischen begriffen.
Endlich erwachte auch die ängstliche Kammeropposition und erhob den Anspruch der Regierungsgewalt. Im Stadthaus hatte sich bereits eine provisorische Regierung unter dem ehemaligen napoleonischen General Dubourg gebildet. Diese wurde aber durch eine unter dem Schutz der wiedergebildeten Nationalgarde stehenden Munizipalkommission kurzerhand aufgelöst . Die wichtigste Sorge der ehemaligen Opposition war zunächst, eine Radikalisierung der Revolution zu verhindern und die Bewegung in gesicherte bürgerlich-konstitutionelle Bahnen zu lenken. Zu diesem Zwecke diente der alte General und Veteran der Großen Revolution La Fayette, dem wie einst das Kommando über die Nationalgarde übertragen wurde. Er symbolisierte die revolutionäre Tradition Frankreichs. Er diente so gleichsam zur Legitimation der nächsten Schritte, die unter der Munizipalkommission eingeleitet wurden. Dazu gehörte vor allem die Installation des neuen Königshauses der Orléans als Dynastie künftiger Bürgerkönige, deren erster Vertreter Louis-Philippe sein sollte.
Die kommende Julimonarchie stützte sich wie mit La Fayette auf die Symbole der Trikolore, die wieder das nationale Hoheitszeichen Frankreichs wurde, und der Charte als Verfassung, auf die der neue König seinen Schwur zu leisten hatte. Damit wurde der Brückenschlag zwischen 1789 und 1830 geschaffen. Aber damit wurde auch eine künstliche Identität zwischen den Volksschichten des „peuple“ und der Bourgeoisie sowie zwischen diesen beiden und dem Adel geschaffen. Was nach außen wie eine neue freiheitliche Republik aussah, war nach innen ein äußerst unausgeglichenes und zerbrechliches System, das bereits mit seiner Gründung im Schatten der nächsten Revolution lag.

3. Louis-Philippe - Das Mensch gewordene 1830

„Kehren wir zu 1830 zurück. Das auf Abwege geratene 1830 hatte Glück. In der Institution der Monarchie, nach der abgebrochenen Revolution Ordnung genannt, war der König mehr wert als die ganze Einrichtung.“
Während Victor Hugo den Trois Glorieuses noch den Charakter einer Revolution zubilligte, sprach Casimir Périer es ihnen ab. Im Gespräch mit dem Präfekten des Seine-Department, Odilon Barrot, sagte er es direkt: „Das Unglück dieses Landes besteht darin, dass viele Menschen wie Sie glauben, dass eine Revolution stattgefunden habe. Nein, Monsieur, es gab keine Revolution; was sich lediglich ereignete, war ein schlichter Wechsel in der Person des Staatschefs!“
Tatsächlich wurde die revidierte Charte Constitutionelle von 1814 beibehalten. Es wurde auch sehr viel Wert auf den Dynastiewechsel gelegt . Auch wenn es rein faktisch nichts zur Sache tat, welchem Geschlecht der neue König angehörte, ist anzunehmen, dass hier die Symbolkraft des Namens eine ähnliche Rolle spielte wie etwa, oben bereits geschildert, der Schwur des Königs auf die Verfassung. Damit war das Amt des Königs unter die Verfassung gestellt worden und nicht umgekehrt. Und wie das Lilienbanner als Zeichen des Ancien Régime durch die Trikolore abgelöst worden war, wurden auch die Bourbonen als Personifikation der Restauration und des Ancien Régime ausgewechselt.
Der Bürgerkönig konnte auf eine revolutionär vorbelastete Vergangenheit verweisen. Während der Großen Revolution stand er als junger Herzog von Chartres und Orléans auf der Seite der Jacobiner. Er verdiente sich seine Sporen in der Revolutionsarmee im Stab von Dumouriez bei Valmy und Jemappes. Sein Vater, als „Philippe Egalité“ bekannt, stimmte 1793 im Konvent für die Hinrichtung Louis XVI. Im selben Jahr musste Louis-Philippe vor dem jacobinischen Terror nach Österreich fliehen, wo er aber die Hetze der Emigranten nicht mittrug, nicht mittragen wollte. Als Soldat der Revolutionsarmee und Sohn von „Philippe Egalité“ konnte er aber nicht lange bei den Alliierten Zuflucht finden. Er tat sich um in der Schweiz, Skandinavien und den Vereinigten Staaten von Amerika und musste sein Dasein als Mathematiklehrer fristen. 1817 kehrte er zurück nach Frankreich, als der Terror der Ultras am Abebben war. Louis-Philippe hatte also die besten Voraussetzungen, um von den Revolutionären von 1830 anerkannt zu werden. Der Nimbus der Revolution wurde ihm endgültig verliehen, als er, in der Uniform der Nationalgarde, gemeinsam mit La Fayette am 31. Juli auf dem Balkon des Stadthauses von Paris erschien und von diesem den Bruderkuss empfing . Bestätigt wurde Louis-Philippe schon vorher durch die Parade der Pariser Nationalgardisten am 29. August 1830, bei der er frenetisch mit Hochrufen gefeiert worden ist. „Das war für ihn eine Krönung durch das Volk oder, wenn man so will durch die Bourgeoisie, die sich in ihrer Bedeutung durchaus mit der Wahl durch die Kammer vergleichen ließ“. – Chateaubriands Resümee: „Der republikanische Kuss machte einen König“, trifft die Lage genau. Das revolutionäre Volk ließ sich einspannen durch die liberalen Führer der ehemaligen Opposition. Namentlich Lafitte, Thiers und Talleyrand bemühten sich vor allem die Republik als Inbegriff von Chaos und Krieg dadurch abzuwenden , indem sie das Bürgerkönigtum als das System des neuen Frankreich nach den glorreichen drei Tagen darstellten. Louis-Philippe erfreute sich großer Popularität im Volke, weil er so gar nicht der höfisch-adligen Haltung seiner Verwandten entsprach. Er gab sich betont bürgerlich als „roi sans culotte“ und trat schon währen der Restauration in der Pairskammer als Vertreter des liberalen Flügels hervor.
Dem Volk, das eine unorganisierte Revolution ohne Führung vom Zaun gebrochen und beendet hatte, musste diese Lösung als einzig gangbare erscheinen. Anders ist die breite Akzeptanz der Julimonarchie in ihrer Frühphase nicht zu erklären. Es entsteht der Eindruck, dass die Revolution 1830 tatsächlich darauf ausgelegt war, in der Julimonarchie zu münden. Doch viele Faktoren beeinflussten schon direkt im Anschluss der Revolution ein sehr anfälliges Gleichgewicht, das in noch nicht genau absehbarer Zeit umzukippen drohte. Diese Faktoren sollen im Folgenden erörtert werden.

4. Kabinett oder König? Wer herrscht, wer regiert? – Die innenpolitischen Grundzüge der Julimonarchie

„1830 ist eine auf halbem Wege stehen gebliebene Revolution. [...] Wer hält die Revolution auf halbem Wege auf? Das Bürgertum.
Warum? Weil das Bürgertum der befriedigte Eigennutz ist. Gestern war es die Begierde, heute ist es der Überfluss und morgen der Überdruss.
[...] Der Zustand, den nach der Erschütterung von 1830 der Bürgertum genannte Teil der Nation anstrebte, war nicht die Trägheit, die, mit Gleichgültigkeit und Faulheit gepaart, ein wenig Schande enthält, und auch nicht die Schläfrigkeit, die ein vorübergehendes, Illusionen erlaubendes Vergessen voraussetzt. Es war die Marschpause.“


4.1. Der Widerstand und die Bewegung

Die Julimonarchie musste sich den Angriffen von links und aus dem eigenen, dem liberalen Lager erwehren. Noch war nicht entschieden, welcher Weg gegangen werden sollte. In die Regierungspflicht wurde zunächst ein Kabinett genommen, das aus Vertretern der alten politischen Fraktionen bestand: die Revolutionspartei (La Fayette, Dupont de l´Eure), Bonapartisten (Sebastiani, Gérard), Royalisten (Guizot), Orléanisten (Lafitte, Thiers) und Ultras (Périer, de Broglie) . Die Zusammensetzung dieses Kabinetts zeigte die politischen Stoßrichtungen der in Frankreich herrschenden Bürgerschicht. Sie ist royalistisch oder liberal. Insgesamt gingen die Mitglieder mit der neuen Regierungsform unter Louis-Philippe konform. Das Kabinett könnte deshalb auch als durchweg orléanistisch bezeichnet werden . Es kristallisierte sich sehr schnell die Entwicklung, hin zu einer bürgerlichen Monarchie, heraus. Knackpunkt war allerdings hierbei die Kompetenzverteilung in der Regierung. Sollte die Gewalt mehr zu Gunsten des Königs oder zu Gunsten der Kammern verteilt werden? Über diesen Konflikt kam es zur Spaltung in zwei Regierungsfraktionen. Für einen starken König setzte sich eine Gruppe rechtsliberal eingestellter Politiker ein. Sie nannte sich „Widerstand“. Für eine Stärkung von Pairs- und Deputiertenkammer setzten sich die linksliberalen Mitglieder der Partei der „Bewegung“ ein .
Ruhe und Ordnung in Frankreich wieder herzustellen, war die erste Aufgabe der neuen Regierung. Dabei nutzte man aus, dass die Revolution bereits nach drei Tagen für beendet erklärt worden war, und somit den radikaleren Gruppierungen keine Chance blieb, sich wirksam zu etablieren.
Die politische Dominanz wurde nach den Julitagen sehr bald von der liberal-großbürgerlichen Schicht ausgeübt. Der Einfluss des Adels war innerhalb kürzester Zeit verschwunden. Die revolutionäre Schicht, die den Aufstand getragen hatte, war aus sozialen und ökonomischen Gründen nicht fähig, organisierte Politik zu betreiben. An diesem Punkt ist festzustellen, dass die Ergebnisse der Revolution vom Kleinbürgertum bzw. der sich bildenden Klasse des Proletariats schwer erkämpft worden sind. Aber zum Vorteil gereichten sie vor allem dem Groß- und Finanzbürgertum, das sich nicht überwinden konnte auch nur die Führung der revolutionären Massen zu übernehmen, von einer direkten Beteiligung an den Straßenkämpfen ganz abgesehen .
Die Bewegungspartei ist von beiden Regierungsfraktionen die vielschichtigste. Ihr gehörten sowohl linke Liberale an, die für die bürgerliche Monarchie eintraten, als auch Republikaner und Saint-Simonisten. La Fayette, Lafitte und Barrot waren ihre namhaften Vertreter der Bewegung. Auch wenn sie die revolutionären Ergebnisse weiter ausbauen wollte, ist sie keineswegs eine Revolutionspartei . Sie zeichnete sich eher dadurch aus, dass sie ihre Anhänger im mittleren und kleinem Bürgertum und Intellektuellen hatte, aber dennoch kein genau bestimmtes Ziel verfolgte außer anfänglich eine größere Demokratisierung der Institutionen, Erweiterung der Freiheiten und allmähliche Senkung des Wahlzensus herbeizuführen . Dadurch war die Nähe zum Volk, zur Revolution, größer als bei der Widerstandspartei. Diese war geprägt durch Mitglieder wie Périer, Molé, Guizot, Thiers und Sebastiani. Für sie war die Revolution mit der Annahme der abgeänderten Charte als Verfassung beendet worden. Ihre Anhänger rekrutierten sich aus dem besitzenden Bürgertum auch in der mittel- und kleinbürgerlichen Schicht. Also all die, die Angst davor haben mussten, dass bei neuerlichen Unruhen ihr Eigentum in Gefahr geraten könnte.
Dem ersten Kabinett nach der Vereidigung des Königs stand zunächst de l’Eure und danach Lafitte vor. Dieser hatte schwer mit den Unruhen während der Nachwehen der Revolution zu kämpfen. Besonders die Kämpfe anlässlich der Prozesse gegen die letzten Minister Charles’ X. machten der neuen Regierung zu schaffen. Sie konnte nur sehr schwer mit Hilfe der Nationalgarde die Lage wieder unter Kontrolle bekommen. Auch die antiklerikalen Ausschreitungen zum elften Todestag des Herzogs von Berry im Februar 1831 zeigten deutlich die unsichere Situation in Frankreich nach den Trois Glorieuses. Es häuften sich aber auch kleinere Unruhen wie Streiks, Maschinenstürmerei und Plünderungen von Bäckereien, welche durch die wieder verschlechterte Wirtschaftslage forciert wurden.
Entweder aus politisch-taktischem Kalkül, um von den innenpolitischen Problemen abzulenken, oder aus gekränktem Nationalstolz nach der Niederlage von Waterloo und den Wiener Verträgen ereiferten sich die Vertreter der Bewegungspartei nun als Kriegstreiber. Unterstützt von Demonstrationen zu Gunsten der Erhebungen in Polen, Italien und Belgien tat sich dabei besonders das „Fossil“ der Großen Revolution La Fayette als Wortführer hervor. Es wurden die Revision der Vereinbarungen von Wien und ein Frankreich in seinen „natürlichen“ Grenzen von 1815 gefordert. Ja, man forderte sogar eine militärische Intervention zu Gunsten der revolutionären Bewegungen in Europa sowie die Annexion der preußischen Rheinprovinz. Das bürgerliche Lager um Industriebürgertum und Republikanern stimmte vehement für einen Offensivkrieg Frankreichs. Andere befürworteten einen Präventivkrieg, um der europäischen Reaktion zuvor zu kommen . All das provozierte eine Reaktivierung der Heiligen Allianz, deren Mitglieder ohnehin kritisch die Vorgänge in Frankreich beobachteten.
Doch die Mehrheit der Franzosen konnte und wollte sich nicht hinter eine Kriegspartei stellen. Diese Position wusste der König und der Widerstand auszunutzen: Am 13. März 1831 übernahm deshalb Périer die Regierungsgeschäfte für den abgesetzten Lafitte. Damit hatten die rechtsliberalen Kräfte das Steuer in der Hand. Ihnen war bewusst, dass der Krieg eine Vertiefung der Revolution und Unterstützung der linken, republikanischen Kräfte bedeutet hätte. Es ist anzunehmen, dass nicht nur die Gefahr eines neuerlichen Koalitionskrieges den Führungswechsel im Kabinett hervorgerufen hat, sondern auch das Trauma der Jacobinerherrschaft, d.h. die Gefahr einer Diktatur der Straße, dazu geführt hat.
Das Kabinett Périer beeilte sich mit der Verabschiedung diverser Gesetze, die die Ordnung des Staates so schnell wie möglich fest in einem rechtlichen Gefüge verankern sollten. Als erstes muss das am 19. April 1831 erlassene neue Wahlgesetz erwähnt werden. In ihm wurde lediglich der Wahlzensus herabgesetzt, nicht abgeschafft. Um an der Wahl des Unterhauses teilnehmen zu können, musste man einen jährlichen Steuerbetrag von 200 Franc aufbringen, um selbst in die Deputiertenkammer gewählt zu werden, 500 Franc. Diese Wahlordnung ermöglichte zu diesem Zeitpunkt 167.000 Bürgern die Wahl der neuen Regierung (1846 waren es schon 246.000). Das entsprach einem Anteil von 2,8% aller erwachsenen männlichen Franzosen (0,75% der französischen Gesamtbevölkerung) . Der Zensus wurde nun nicht mehr vorrangig aus der Grundbesitzsteuer errechnet, sondern auch aus der Gewerbesteuer. So waren 1830 die Nutznießer des Wahlrechts vor allem die Großgrundbesitzer, aber ein Zehntel der Wählerschaft waren bereits Angehörige der freien Berufe, des Handels- und des Industriebürgertums .
Am 29. Dezember 1831 wurde per Gesetz die erbliche Pairswürde abgeschafft. Der König konnte nun auch Notabeln in die Pairskammer berufen. Im gleichen Zuge wurde auch die Auflösung der Kammern durch den König rechtlich unterbunden. Damit war die Möglichkeit des Adels genommen, durch sein Veto im Oberhaus Gesetzinitiativen zu blockieren. In der Regierung war damit dem Adel der Einfluss endgültig genommen und dem Großbürgertum neue politische Dimensionen eröffnet worden. Auf der gleichen Ebene sind die Gesetz über die Nationalgarden vom März 1831 anzusiedeln. Danach konnte in der Nationalgarde nur dienen, wer sich seine Ausrüstung selbst leisten konnte und Kopfsteuer zahlte, also ein gewisses finanzielles Polster aufweisen und sich zum besitzenden Bürgertum rechnen konnte. Weiterhin wurde durch das Gemeindegesetz bestimmt, dass die Gemeinderäte künftig ebenfalls mittels Zensuswahl eingesetzt und nicht durch die Präfekten bestimmt werden. Dadurch erhielten die Notabeln mehr Mitsprache im kommunalen Bereich.
Die Rechte schien die bessere Wahl zu sein, wenn es um die Wiederherstellung der viel beschworenen Ordnung ging. Vor allem konnte sich der Widerstand als Friedensgarant gegenüber der Bewegung profilieren. Beide Faktoren werden ausschlaggebend gewesen sein für den Erfolg der Konservativen bei der Wahl zum Deputiertenkabinett im Juli 1831. Damit hatte Périer freiere Hand für seine Politik. Sein Ziel war die Befestigung der Monarchie im Rahmen der Verfassung. Das hieß in erster Linie die republikanische Opposition auszuschalten, was er mittels repressiver Pressegesetze und Vereinigungsverboten in Angriff nahm, ohne sich je außerhalb der Charte zu bewegen. Alles in allem verfolgte Périer ein strikt konservatives Programm. Dabei war er bemüht, den König außen vor zu lassen und nur im Notfall an seiner Politik zu beteiligen. Louis-Philippe billigte es nur widerwillig, dass er zwar herrschte, aber nicht regierte.
Diese Politik der Repressionen hatte auch kein Ende als Périer am 16. Mai 1832 ein Opfer der in Paris grassierenden Choleraepidemie wurde. Der König sah keine Veranlassung die vakant gewordene Stelle des Président du Conseil sofort wieder zu besetzen. Er setzte damit ein Zeichen, dass der Verstorbene zwar ohne ihn, jedoch nur für ihn regiert hätte.
Die republikanische Linke und einzelne Kräfte der Bewegung nahmen den Verlust der rechten Hand der Julimonarchie zum Anlass, noch einmal einen Aufstand gegen die Regierungspolitik zu wagen. Am 5. und 6. Juni 1832 kam es anlässlich der Beerdigung des napoleonischen und Revolutionsgenerals Lamarque zu erneuten und heftigen Straßenkämpfen in Paris . Diese wurden jedoch von der Nationalgarde erbarmungslos für die Julimonarchie entschieden. Damit war die Nationalgarde zu einem der, wenn nicht sogar zu dem wichtigsten Machtinstrument Louis-Philippes geworden. Damit war aber auch jegliche ernst zu nehmende, republikanische Strömung erstickt worden, zumindest hatte sie keinerlei Rückhalt mehr in der an der Regierungsgewalt beteiligten Bourgeoisie .
Den Aufstand überstanden, hatte die Regierung nun genügend Rechtfertigung, mit der unter Périer begonnenen Repressionspolitik weiter fortzufahren. Indem sie sich von den Juniereignissen distanzierten, stellten sich nun auch die letzten Mitglieder der Kammer, die der Bewegung angehörten, unter die schützende Hand des Monarchen und des konservativen bzw. rechtsliberalen Kabinetts .


4.2. «Le roi règne, mais il ne gouverne pas» ? - Der politische Kurs nach 1832

Das neue Kabinett wurde ab Oktober durch die Minister Soult (Président de Conseil) , Thiers (Innenminister), Guizot (Unterrichtsminister), und Broglie (Außenminister) dominiert. Dieses „Kabinett aller Talente“ führte Périers Regierungspraxis weiter, indem es den König an der Regierung nicht mitbeteiligte. Das verschärfte natürlich den Gegensatz zu Louis-Philippe, welcher glaubte, mit dem Sieg im Juni 1832 seine Position enorm gestärkt zu haben.
Bereits zu dieser Zeit bahnte sich eine erneute innere Spaltung des Kabinetts in eine gemäßigt-parlamentaristische Fraktion unter Thiers und in eine mehr autoritär-monarchistisch gesinnte Fraktion unter Guizot an. Obgleich ihre Positionen verschieden waren, hatten sie doch einen gemeinsamen Feind: die republikanische Bewegung, die mit der geheimen „Gesellschaft der Menschenrechte“ ihre Organisation fand. Der Kampf gegen diese Bewegung und Konsolidierung des Bürgerkönigtums hielt die beiden Regierungsfraktionen noch fest zusammen . Es wurden eine Reihe weiterer Gesetze erlassen, die den bürgerlichen Interessen entgegenkommen und der Regierung aus diesem Lager Unterstützung sichern sollten. So erhielten die Notabeln durch das Departementgesetz die komplette örtliche Kontrolle, da nun auch die Generalräte durch die Zensuswählerschaft bestimmt wurden (1833). Ein Gesetz über die Enteignung aus Gründen des öffentlichen Wohls legte den Grundstein zum Ausbau der französischen Infrastruktur, und ein Gesetz über die Errichtung von Elementarschulen in den Gemeinden band das Bildungswesen mehr an den Staat. Man versuchte mit solchen Initiativen, den Republikanern den Wind aus den Segeln zu nehmen. Doch diese stützten sich auf die Unzufriedenheit der Arbeiterschaft, die sie mit der Aufnahme von sozialen Forderungen in ihr Programm zu gewinnen suchten. Die republikanische Propaganda schürte die Unzufriedenheit der unteren Klassen. Um dem entgegen zu wirken, hantierte die Regierung mit Ausnahmegesetzen und Einschränkung der Freiheiten. Am Ende dieser Entwicklung stand ein neues Vereinsgesetz, dass auf die Organisation der „Gesellschaft der Menschenrechte“ zugeschnitten war . Das hatte im April 1834 eine von republikanischen Gruppen angeführte Welle von Erhebungen zur Folge, die von Lyon ausgehend auf Paris und andere französische Großstädte übergriff. Diese Aufstände wurden mit aller Härte blutig niedergeschlagen. Damit war die republikanische Bewegung in Frankreich zerschlagen, die in der bürgerlichen Schicht keinen Rückhalt mehr hatte. Das beweist allein schon das erbarmungslose Vorgehen der Nationalgarden gegen die Aufständischen (z.B. Massaker in der Rue Transnonain) .
Die Regierung konnte nun ohne Schaden zu nehmen mit ihren republikanischen Widersachern aufräumen. Ihre Propaganda konnte die Niederschlagung des Aufruhrs sogar ausschlachten als Angriff gegen das Eigentumsrecht. Damit konnte sie sowohl die Bauern auf dem flachen Land als auch die Kleinbürgerliche Schicht in den Städten erreichen. Die politische Lage war also stabilisiert, die Ordnung in Frankreich wiederhergestellt.
Nun trat der Bruch zwischen den Regierungsfraktionen offen zu Tage. Für Louis-Philippe war das die Chance, die Kabinettsdoktrin vom herrschenden, aber nicht regierenden König ins Gegenteil zu verkehren. Die Abgeordneten in den Kammern und die Mitglieder der Regierung ergingen sich in endlosen Querelen. Zwischen April 1834 und März 1835 wurden vom König nicht weniger als fünf Regierungen ernannt. Sein Ziel war es, die unnachgiebigsten Gegner eines starken Königtums, de Broglie und Thiers, aus dem Kabinett zu entfernen, was ihm auch bis zum September 1836 gelang .
Zum neuen Regierungschef wurde der devote Hofbeamte Molé berufen. Nachdem Guizot aus seiner Regierung ausschied (April 1837), bildete er ein Kabinett, das bis auf wenige Ausnahmen von Beamten und Höflingen bestand und getragen wurde. Diese überließen wie ihr Président lieber dem König die Regierungsgeschäfte und waren eher auf Gunstbezeugungen ihres Monarchen aus, als Politik zu betreiben. Die neue Regierung wurde deshalb von einigen Abgeordneten der Deputiertenkammer gerne als Kabinett der „Kreaturen des Schlosses“ bezeichnet . Die neue Regierungskonstellation von dominantem König, unterwürfigem Kabinett und eben solchen Vertretern im Parlament wurde mit der Wahl im November 1837 bestätigt.
Während der folgenden Monate formierte sich eine Opposition um Thiers und Guizot unter Beteiligung der linken Kräfte um Barrot. 1839 erhielten sie die Stimmmehrheit in der Kammer. Molé trat zurück. Aber Louis Philippe ließ sich mit der Beauftragung zur Bildung einer neuen Regierung Zeit. Erst als es im Mai zu erneuten republikanischen Erhebungen in Paris kam, wurde Marschall Soult zum Vorsitzenden des Kabinetts berufen. Aber schon im März 1840 erhielt Thiers Soults Posten. Wie damals Lafitte versuchte auch er von ausbleibenden innenpolitischen Erfolgen durch außenpolitisches Engagement hinweg zu täuschen. Doch führte er Frankreich in der Orientkrise an den Rand eines neuen Krieges mit der Gefahr einer erneuten Besetzung Frankreichs durch die Heiligen Allianz. Und wie damals Lafitte musste auch er wegen seiner allzu großen außenpolitischen Umtriebigkeit seinen Hut nehmen .
Die Macht übernahm de facto jetzt Guizot als Außenminister unter Soult, 1847 dann auch als Ministerpräsident de jure. Er fuhr eine konservative Schiene unter Achtung der königlichen Autorität. So konnte er sich der Gunst seines Monarchen gewiss sein. Die bestehende innere Ordnung Frankreichs blieb unangetastet. So war er der Zustimmung seiner großbürgerlichen Wähler versichert .
Was aber von der Regierung und dem oligarchisch-plutokratischem Wahlvolk immer mehr in Vergessenheit geraten war, war die Tatsache, dass der große Rest Frankreichs, der vor allem die Revolution 1830 mitgetragen hatte, gar nicht von ihnen repräsentiert wurde. Die hohe Politik ging immer stärker an den Interessen des Volkes ebenso vorbei, wie gesellschaftliche Veränderungen scheinbar an der Politik vorbeigegangen waren. Die erneute Wirtschaftskrise 1846/47 verschärfte die ohnehin schon schlechte Verfassung des gemeinen Volkes. Genau hier hatte die Revolution 1848 ihren Hebel am verkrusteten System der Julimonarchie anzusetzen. Das Bürgerkönigtum war nach 18 Jahren so überkommen und festgefahren wie 1830 die Bourbonenherrschaft.

5. Die außenpolitischen Grundzüge der Julimonarchie

„Überdies musste nach außen hin 1830, das nicht mehr Revolution war und Monarchie wurde, Europa vorangehen. Den Frieden erhalten – eine weitere Schwierigkeit. Eintracht zur Unzeit gewünscht ist oft drückender als Krieg. Aus dem schwelenden Konflikt, der immer wieder zum Schweigen gebracht wurde, doch stets weitergrollte, entstand der Friede in Waffen [...]. Ob es wollte oder nicht, das Julikönigtum bäumte sich im Gespann der europäischen Regierungen. Metternich hätte ihm gerne die Zügel kurzgehalten.“
Die Außenpolitik der Julimonarchie war durch die Nachwirkungen von Waterloo und der Bestimmungen des Wiener Kongresses geprägt. Erste Priorität hatte die Wiederherstellung des alten Platzes im Konzert der Mächte in Europa. Dazu musste den ehemaligen Mitgliedern der Heiligen Allianz zunächst gezeigt werden, dass das Frankreich des Julis 1830 keineswegs an einem Export der Revolution in das restaurative Europa interessiert war. Dass die drei glorreichen Tage einen kontinentalen Flächenbrand von Aufständen erzeugt hatten, war weniger in Frankreich angelegt als vielmehr in der revolutionären Grundstimmung der Staaten der Restauration.
Aus diesem Grunde war zweifelsohne die erklärte Nichteinmischung in Belgien oder Polen ein sehr taktischer Schachzug der Politik gewesen. Gekoppelt mit einer Politik der Androhung aktiver Unterstützung der revolutionären Bewegungen in Europa, sobald die Allianz die Julimonarchie durch eine Invasion in Frankreich infrage stellen würde, hatte Louis-Philippe eine wirkungsvolle Außenpolitik entwickelt, mit der Revolutionsangst der Großmächte spielend, Frankreich wieder in Europa zu etablieren .
Die Erinnerung an die Revolutionskriege nach 1789 saß tief im Bewusstsein Europas. Deswegen musste Lafitte entlassen werden, als er mit seiner allzu ungestümen Forderung nach einer revolutionären französischen Außenpolitik die Regierung vor den anderen Mächten unmöglich zu machen drohte. Die republikanischen Gruppierungen sahen darin die Möglichkeit, die Revolution doch noch in ihrem Sinne zu beenden. Doch konnten sie nicht an einen „Geist der Revolution“ der Trois Glorieuses im Volk anknüpfen, das keine Notwendigkeit sah für einen nicht von außen aufgezwungenen Offensivkrieg Frankreichs. Die Franzosen mussten nach 1830 mit anderen inneren Problemen kämpfen, und hatten kein Interesse für einem Prinzipienkrieg, den eigentlich keiner wollte, außer den linken Kräften. Damit wurde natürlich das Bild des Bürgerkönigtums und seiner Hinwendung zu den Großmächten gefestigt, das einem im Grunde konservativen Staat vorstand .
Unterstützt von Périer bewies Louis-Philippe diplomatisches Geschick, indem er die Wahl seines Sohnes, des Duc de Nemours, zum ersten belgischen König zurückwies und statt dessen die Wahl Leopolds von Sachsen-Coburg-Gotha auf den Thron unterstützte (August 1831) , da England auf ein neutrales Belgien wert legte. Die Niederlande, an die es nach dem Wiener Kongress angegliedert worden und von denen es nun wieder abgefallen war, wollten sich mit der neuen Lage nicht zufrieden geben und entsandten Militär. England gab seine Zustimmung zu einer französischen Expedition zur Wahrung der Unabhängigkeit des jungen Belgiens, die mit der Eroberung Antwerpens erfolgreich beendet werden konnte. Damit war eine englisch-französische Annäherung zu Stande gekommen und die außenpolitische Isolation Frankreichs wirkungsvoll durchbrochen worden .
Als Österreich in die Aufstände Oberitaliens mit der Besetzung Bolognas eingriff, sah Frankreich hier nicht nur seine Interessen, sondern auch das europäische Mächtegleichgewicht gefährdet und besetzte kurzerhand Ancona (März 1831/Februar 1832) .
Andererseits vermied Louis-Philippe jedoch ein Eingreifen auf Seiten der polnischen Aufständischen. Damit konnte er die Ostmächte von der „antirevolutionären“ Julimonarchie überzeugen. Im Grunde wurde nach außen gezeigt, dass im périerschen Sinne lediglich die Person an der Spitze Frankreichs ausgewechselt worden war.
Neben der Aussöhnung mit den anderen Großmächten Europas ist auch das koloniale Engagement der Julimonarchie zu erwähnen. Bereits unter Charles X. legte Frankreich den Grundstein eines neuen Kolonialreiches mit seinen Aktionen in Algerien (Juni 1830) . Nach der Eroberung Algiers wurden weitere wichtige Städte des Landes unter französische Kontrolle gebracht, um sich ganz Algerien zu bemächtigen. In diesem Zusammenhang ist auch die Bildung der Fremdenlegion (Legion Étrengère) zu sehen. Diese Politik wurde allerdings nicht vom König getragen, dessen Metier eher die Euroapolitik war. Hier agierten eher seine Minister, zuletzt Guizot. In dessen Amtszeit fiel auch die kriegerische Auseinandersetzung mit den Arabern unter Abd-el-Kader seit 1839. Bis zum Ende der Auseinandersetzungen 1847 waren 88.000 französische Soldaten in Nordafrika im Einsatz. Ihre Kriegsführung soll der ihrer Gegner in Brutalität und Blutrünstigkeit in nichts nachgestanden haben .
Eher passiv verlief die Politik während der Orientkrise 1839/40. Entstanden ist sie durch den Konflikt des Paschas von Ägypten, Mehmed Ali, und des Sultans von Konstantinopel, Mahmoud II., um die Provinz Syrien. In diesen Konflikt wurde schon 1832/33 Russland hinein gezogen, was Proteste und Besorgnis Frankreichs und Englands hervorrief. Ein Vertrag sollte Ruhe in die Region bringen, die aber 1839 durch erneute Kämpfe ihr Ende fand. Während sich bereits im Vorfeld England und die Ostmächte auf eine gemeinsame Überwachung des Osmanischen Reiches geeinigt hatten, erklärte Frankreich, d.h. Thiers, seine Unterstützung für Kairo. Damit war in Europa die Alte Situation zwischen Frankreich und der Heiligen Allianz heraufbeschworen worden. Diese verschärfte Thiers durch eine allgemeine Mobilmachung und die Verstärkung der französischen Festungen. Da aber die Erfolge Mehmeds ausblieben, schlug seine Politik fehl. Er wurde entlassen .
Frankreich hatte sich aus der Isolation des Wiener Kongresses herausmanövriert. Seine Europapolitik trieb wieder Früchte. Es wurde als europäische Großmacht anerkannt und gefürchtet. Zunächst weil von ihm die Gefahr der revolutionären Brandfackel ausging und später, weil es sich wieder zu einer ernstzunehmenden militärischen Macht gemausert hatte. Seine gelungene Annäherung an England bildete den Grundstein der Entente Cordiale von 1904 und für einen zweiten Machtblock in Europa neben den drei Ostmächten.
Die Vertretung kolonialer Interessen war nach den Verlusten in Amerika ein neuerlicher Versuch, neben den bereits vorhandenen Kolonialreichen auf diesem Gebiet selbst wieder Fuß zu fassen. Es ist nicht anzunehmen, dass die Algerienfrage ohne Julimonarchie anders behandelt worden wäre, da sie schon unter Charles X. in Angriff genommen worden ist, wohingegen die Orientkrise ohne das selbstherrliche Eingreifen Thiers sicher einen anderen Verlauf für Frankreich genommen hätte.

6. Die unruhigen Nachwehen der Julirevolution – Opposition, Aufstände und Aufruhr

„Die alten legitimistischen Parteien fielen des ungeachtet über die Revolution von 1830 mit all dem Ungestüm her, das falschen Schlüssen entspringt. Irrtümer sind vortreffliche Geschosse. Jene Parteien trafen geschickt die Revolution da, wo sie verwundbar war, an ihrer schwachen Stelle, in ihrem Mangel an Logik. Sie griffen sie in ihrer Monarchie an, riefen ihr zu: „Revolution, weshalb denn dieser König?“ Die Faktionen sind Blinde, die genau zielen.
Der gleiche Zuruf kam auch von den Republikanern. Aber bei ihnen war er folgerichtig. Was Blindheit war bei den Legitimisten, war Hellsichtigkeit bei den Demokraten. 1830 hatte dem Volk gegenüber sein Wort nicht gehalten. Die empörte Demokratie warf es ihm vor.“

6.1. Der legitimistische Widerstand

Die Legitimisten waren Anhänger der alten bourbonischen Dynastie. Einzig Charles X. bzw. Henri V., Sohn des ermordeten Herzogs de Berry, hatten Anspruch auf den französischen Thron, der nur durch einen gewaltsamen Akt der Usurpation an Louis-Philippe gekommen war. Der Bürgerkönig war mit der Abdankung Charles X. zum Generalstatthalter für den noch unmündigen „Nachfolger“ bestimmt worden. Deshalb wurden für die Legitimisten die Orléans und ihre Anhänger zu Verrätern am Königshaus und an Frankreich.
Verstärkt wurde diese Apathie gegen den Orléanismus durch die nach dem Thronwechsel einsetzende Säuberungswelle. Der Verlierer von 1830, der Adel, wurde von der Spitze bis zur Basis der Verwaltung, quasi vom Monarchen bis zum kleinen Finanzangestellten, aus dem Staatsapparat verdrängt. Eine der umfassendsten Säuberungsaktionen in der französischen Geschichte! Die betroffenen Adligen mussten frustriert den Weg in eine Art Emigration im eigenen Land antreten.
Sie bildeten die erste Opposition im neuen Staat. Ihr Programm, sofern man davon sprechen konnte, war denkbar einfach. Henri V. sollte auf den französischen Thron und eine dritte Restauration herbeigeführt werden. Die Ideologie war durch traditionalistische, konservative, klerikale, insgesamt reaktionäre Grundzüge gekennzeichnet. Sie lehnten den Industrie- und den Finanzkapitalismus ab, durch die sie aus ihrer alten gesellschaftlichen Position hinausgedrängt worden waren. Damit war auch die strikte Verwerfung von Individualismus und Wirtschaftsliberalismus verbunden. Denn diese waren in ihren Augen für Materialismus und Massenverelendung verantwortlich, die als soziale Krankheiten der neuen Gesellschaft ebenso bekämpft werden mussten wie die politischen Gegner.
Um eine repräsentative Monarchie zu errichten, wurde eine Ausweitung des Wahlrechts, was in einer Abschaffung des Zensus münden sollte, und ein dezentralisierter Staatsaufbau mit betonter Regionalisierung gefordert. Es sollte also nicht nur der bourbonische Thron wiederhergestellt, sondern eine partikularistische Adelsaristokratie geschaffen werden. Der französische Adel, von dem eine Restitution der Bourbonen abhing, besann sich also seiner Wurzeln und wollte bei dieser Gelegenheit an eine Machtentfaltung aus grauer Vorzeit anknüpfen.
Mit dem Ziel, eine Linderung des Pauperismus von Staatswegen herbeizuführen und ein neues weitergefasstes Wahlrecht durchzusetzen, waren Schnittstellen mit der Linken geschaffen. Diese hätten eine Koalition beider Kräfte ermöglicht . Damit konnten aber auch die Legitimisten ihren Rekrutierungspool auf die städtische Mittel- und Unterschicht ausweiten. Auf dem flachen Land hatten sie traditionell mehr Anhänger, allein wegen ihrer Herkunft als Grundbesitzer, welche früher eng durch das Feudalwesen mit der Landbevölkerung verbunden waren.
Eine dritte Restauration herbeizuführen, war auf drei Wegen möglich. Der erste führte über die Erlangung der Parlamentsmehrheit zur legalen Absetzung Louis-Philippes, welche durch beharrliche Propaganda geschürt und durch die Wahlrechtserweiterung begünstigt werden sollte. Der zweite Weg war der einer Restauration von außen durch die reaktionären Mächte Europas. Allerdings hätte die damit verbundene Möglichkeit eines zweiten Waterloo die revolutionären Stimmungen im Volk gegen die Aristokratie gelenkt. Dieser Weg wurde jedoch durch die Entspannungspolitik der Julimonarchie in Europa in unerreichbare Ferne gerückt. Der dritte Weg war der des offenen Aufstands. Dieser wurde beschritten und bildete den Höhepunkt und gleichzeitig das Ende einer wirkungsvollen legitimistischen Bewegung.
Oft wird der Erhebung unter Führung der Herzogin de Berry zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet. Der Aufstandsversuch wird als eine in Lächerlichkeit endende Episode des kaum noch nennenswerten tätlichen legitimistischen Widerstands abgetan, die lediglich den Schlussstrich unter die Abwicklung der alten Aristokratie zieht . Es wird aber immer vergessen, dass dieser offene Aufstand nur der Höhepunkt einer ganzen Reihe von royalistischen Aufständen im Westen und Südwesten Frankreichs war, die schon seit Monaten die Regierung in den Departements und in Paris in Atem hielten.
Seit dem Juli 1830 etablierte sich ein legitimistischer Untergrund in ganz Frankreich, der seine Hochburgen im eher ländlichen Westen hatte, im historischen Kernland der Vendée (elf aneinander grenzende Departements). Seit dem Sturz Charles’ X. war die Region, die „treuste Provinz des Königs“, im Aufstand gegen die vermeidliche Usurpation durch die Orléanisten. Die Wurzeln der seigneuralen Lehenverfassung wurden durch die Revolutionen nicht ausgemerzt. Es bestanden immer noch zumindest emotionale Bindungen zum ehemaligen Herrn, oft verstärkt durch wirtschaftliche Abhängigkeit der Bauern. So hatte der ansässige Adel kein Problem seine Truppen hier zu rekrutieren. Verstärkt wurden die Aufständischen durch ehemalige Militärs, Offiziere wie Soldaten der Restaurationsarmee, die ihren Dienst quittiert hatten oder quittieren mussten. Unterstützung kam außerdem vom katholischen Klerus, der unter Charles X. gefördert worden war und nun nicht nur das Wort der Konterrevolution predigte, sondern sich auch aktiv an der Organisation beteiligte.
Seit Beginn der Revolten im Westen operierten hier auch Regierungstruppen, welche arge Probleme mit der von den Aufständischen verfolgten Guerillataktik hatten. Sie hatten mit Überfällen auf Waffen- und Munitionsdepots, Kasernen, Gefängnissen, Bürgermeistereien, Patrouillen und Geldtransporten zu kämpfen. Diese Aktionen hatten meistens die Erbeutung von Geld, Waffen und Munition als Zweck. Das sprach für die Vorbereitung eines größeren Aufstandes. Auch erhielt der Weiße Terror eine Neuauflage in dieser Zeit.
Die Herzogin de Berry wollte die Startschwierigkeiten der Julimonarchie nutzen und einen Aufstand im Inneren Frankreichs provozieren. Sie war der Illusion aufgesessen, dass ihr bloßes Erscheinen dazu ausreichen würde. So geriet schon ihre Landung in Marseille am 30. März 1832 zum Fiasko. Im Mai erreichte sie das eigentliche Operationsgebiet, wo sie eine Verschiebung des großen Aufstandes beschließt (vom 24. Mai auf den 3./4. Juni). Doch nur ein Teil der örtlichen Anführer erreichte die Nachricht von der Verschiebung. Deshalb schlugen die ohnehin schwachen Kräfte der legitimistischen Insurgenten geteilt in zwei Phasen zu. Der Aufstand konnte von den Regierungstruppen nicht ohne Schwierigkeiten niedergeschlagen werden. Die Herzogin bliebt in Frankreich und konnte sich auch monatelang verstecken, bis sie verraten und gefangengesetzt wurde. Sie wurde als Heldin und Märtyrerin der legitimistischen Bewegung gefeiert. Doch im Februar 1833 erhielt die Öffentlichkeit Kenntnis von ihrer Schwangerschaft, die auf eine heimliche Heirat mit einem unstandesgemäßen niederen Adligen aus Italien zurückzuführen war. Damit war der letzte Keim legitimistischer Hoffnung erstickt.
Der Aufstand der Legitimisten 1830 – 1833 wurde und wird von der Geschichtsschreibung vernachlässigt. Objektiv betrachtet stellt er wohl eine der größten innenpolitischen Krisen der Julimonarchie dar, die das noch junge Bürgerkönigtum in seiner Existenz bedrohten. Louis-Philippes Regime musste eine Menge militärischer Macht und polizeilicher Tätigkeit aufbringen, um mit dieser Herausforderung erfolgreich fertig zu werden. Fehlplanungen und ein zu langes Abwarten brachten jedoch die Anhänger der Bourbonen um die Siegeschance und die Etablierung einer dritten Restauration.


6.2. Der linke Widerstand

Das Erscheinungsbild der Linken war sehr heterogen. Sie war stets republikanisch geprägt. Der an der Politik beteiligte Anteil der Bewegung befand sich immer im Rahmen des politischen Systems der Julimonarchie, obgleich er immer gegen die offizielle Regierungspolitik opponierte, egal von welcher Kabinettsfraktion sie gemacht wurde. Doch der größte Teil der linken Kräfte partizipierte in keiner Weise an der Politik. Er stand außerhalb der Julisystems.
Diese Kräfte stellten die „Armee zum Schlagen“ während der drei glorreichen Tage. Sie bestanden aus Mitgliedern der städtischen Unter- und Mittelschicht. Das waren Arbeiter, insbesondere Facharbeiter aus dem Handwerk, Bildungsberufe wie Advokaten, Journalisten und Publizisten des weiteren Studenten und Selbständige aus dem Kleingewerbe. Sehr schnell hatte sich eine Grundstruktur der Linken herausgebildet, in der eine bildungsbürgerliche Führungsschicht einer Basis aus Arbeitern, Handwerkern und Kleingewerbetreibenden gegenüberstand. Ebenso wie die Legitimisten ihre Hochburgen im Westen Frankreichs hatten, hatte die Linke besonders im stark urbanisierten Osten des Landes ihre großen Standorte ausgeprägt, weil hier eine besonders hohe Gewerbedichte und eine hohe Alphabetisierung vorherrschte, was die Propaganda erleichterte.
Die Linke profitierte vor allem von der politischen Praxis der Regierung, insbesondere unter Guizot. Diese war nämlich gekennzeichnet durch Desinteresse für die sozialen Missstände. Es wurde im Gegenteil gegen die Unzufriedenheitsdemonstrationen der Straße teilweise mit übertrieben harten Maßnahmen vorgegangen. So bedurfte es keines großen propagandistischen Aufwands seitens der linken Kräfte, diese Gruppe der Unzufriedenen für sich zu gewinnen und eine Radikalisierung der Arbeiterschaft herbeizuführen.
Die Organisation der Linken stützte sich vor allem auf ein gut ausgebautes Vereinswesen. Die „société des amis du peuple“ existierte schon als Untergrundbewegung während der Restauration und war prädestiniert für die Übernahme der Führung der Linken. Doch die innere Konfusion, die nur teilweise durch die heterogene Zusammensetzung ihrer Mitglieder bedingt war, verhinderte dies.
Diese Tatsache ist auch nicht ganz unschuldig am Scheitern des ersten größeren Aufstandsversuchs im Juni 1832 anlässlich der Beerdigung von General Lamarque. Schon im Dezember 1830 während der Prozesse gegen die letzten Restaurationsminister fehlte eine Spitze, um das kampfbereite Volk von Paris in den Aufstand zu führen. Auch jetzt waren alle Bedingungen gegeben, um erfolgreich einen Umsturzversuch zu wagen. Es grassierte seit April die Cholera in Paris und forderte besonders in den Armenvierteln der Hauptstadt ihre Opfer. Die auf diese makabre Weise offenbarte Ungleichheit selbst vor dem Tode heizte die Stimmung an . Diese war ohnehin durch den auf Höchstwerte gestiegenen Getreidepreis und die konjunkturbedingte hohe Arbeitslosigkeit überreizt.
Der plötzliche Tod Périers und die darauf folgende Vakanz seines Amtes sollte von den Kammer-Linken ausgenutzt und die Beerdigung zu einer Machtdemonstration der Kräfte der Straße umfunktioniert werden. Nach gezielter Provokation bewaffneter Demonstranten folgte eine übertriebene Reaktion der Ordnungskräfte. Es kam zur Solidarisierung durch Mitläufer, die in blutigen Barrikadenkämpfen endeten. Mangels einer etablierten Führung der Aufständischen, z.B. durch Kammer-Linke oder durch die Volksfreunde, brach dieser Aufstand sehr bald zusammen.
Aus diesem Aufstand und der zweiten Vendée war die Julimonarchie gestärkt hervorgegangen. Die Volksfreunde lösten sich auf und bildeten mit einigen radikaleren Linken die „Société des droits de l’homme“, die nun die Leitung der republikanischen Bewegung übernahm. Gleichzeitig fand jetzt eine allgemeine Radikalisierung der Linken statt.
Die Gesellschaft der Menschenrechte zeichnete sich auch verantwortlich für die Organisation des letzten größeren Aufstandes in der Konsolidierungsphase der Julimonarchie. Dieser war von der Regierung Thiers wohlweißlich provoziert worden, um die Kräfte der Linken in Frankreich unschädlich zu machen , wenn auch nur vorübergehend. Die Verschärfung des Vereinsgesetzes lösten 9. April 1834 in Lyon einen von Republikanern geschürten und unterstützten Arbeiteraufstand aus, der drei Tage später mit aller Macht in Blut erstickt wurde. Durch ein Täuschungsmanöver der Regierung Thiers setzten sich die Kämpfe auch in anderen Städten fort, wo man von Regierungsseiten aus vorbereitet war, so auch in Paris. Die linke Bewegung war damit tatsächlich für die nächste Zukunft ausgeschaltet worden . Die Regierung hatte sich gefestigt und war so schnell nicht mehr aus dem Sattel zu heben.


6.3. Soziale Unruhen

In Frankreich setzte erst relativ spät die Industrialisierung ein. Das vorher sehr agrarisch geprägte Land hatte durch die Wirren der Großen Revolution und den Kriegen in ihrem Schlepptau kaum Zeit sich wie England zu entwickeln . Seit 1790 war die französische Bevölkerung stetig gewachsen. In den Grenzen Frankreichs mussten 1830 fünf Millionen Menschen mehr versorgt sein als noch 40 Jahre zuvor . Diese Menschen fanden auf dem Lande kaum noch Broterwerb. Denn die Landwirtschaft hatte den Anschluss an die moderneren Produktionsmöglichkeiten noch nicht geschafft . Es folgte eine allgemeine Landflucht in die Städte. Aber dort war die Industrie noch nicht soweit entwickelt, um das Angebot an Arbeitskräften voll auszuschöpfen. Daraus resultierte eine Lohnkonkurrenz unter den Arbeitern, die Hungerlöhne hervorbrachte. Mit dem weiteren Voranschreiten der Industrialisierung waren Kleingewerbetreibende der Konkurrenz der Maschinen in den Fabriken nicht mehr gewachsen. Das Verlagswesen nutzte dies ebenfalls durch Drücken von Löhnen auf niedrigstes Niveau aus. All das stand aber in keinem Verhältnis zu den gestiegenen Lebenshaltungskosten in den Großstädten . Es kam zur Massenverelendung in den Städten, die mit mangelndem Hygienewesen und unmöglichen Wohnverhältnissen einherging. Sie gipfelte im Massensterben während der Choleraepidemie in der ersten Jahreshälfte von 1832.
In diesem sozial-ökonomischen Spannungsfeld bewegten sich die nun zu besprechenden Proteste. Diese konnten nicht wie politische Opposition bekämpft werden. Diesen schwelenden Konfliktherden Herr zu werden, bedurfte es Reformen und einer sozialen Gesetzgebung. Oder man handhabte die Sache wie die Julimonarchie, die mit Gewalt versuchte, Proteste, Demonstrationen und Unruhen unter Kontrolle zu bekommen.
Diese unpolitischen Proteste wurden von einer Schicht getragen, die 1830 erst knapp ein Zehntel der französischen Bevölkerung ausmachte. In Frankreich gab es zwischen drei und vier Millionen Arbeiter. Diese Schicht konnte noch zu Beginn der Industrialisierung in drei Gruppen eingeteilt werden. Die erste waren die Facharbeiter bzw. Handwerksmeister. Sie stellten eine Art Elite unter den Arbeitern dar. Doch ihr Status verschlechtert sich rapide durch die zunehmenden Verbesserungen der Fabrikproduktion, die eine schnellere und billigere Herstellung ermöglichten als in den kleinen Handwerksbetrieben.
Die zweite Gruppe stellten die ländlichen Heimarbeiter. Sie waren in den klein- und unterbäuerlichen Schichten anzutreffen. Wegen ihrer sozialen Herkunft hatten sie eine etwas krisensicherere Ausgangsposition als die Arbeiter in den Städten, da sie voll in den dörflichen Gemeinden integriert waren mit ihrer eigenen Parzelle und den landwirtschaftlichen Nutzungsrechten der Dorfgemeinschaften. Sie produzierten vor allem im Rahmen des Verlagswesens in der Textilherstellung. Aber auch sie waren durch die voranschreitende Industrialisierung und der damit verbundenen Stückpreis- und Lohnsenkung betroffen. Sie wanderten in die Städte ab, um dort als ungelernte Fabrikarbeiter eine Stelle zu bekommen. Aber hier kamen sie lediglich vom Regen in die Traufe. Hier war die Massenverelendung sogar stärker ausgeprägt als auf dem Lande.
Die dritte Gruppe bildeten die schon erwähnten ungelernten Fabrikarbeiter. Das waren gescheiterte und abgewanderte ländliche Heimarbeiter, aber auch Landarbeiter, die sich mehr Chancen in der Stadt ausgemalt hatten, und Tagelöhner. Drei Viertel dieser Gruppe stellten die Textilarbeiterschaft, der Rest verteilte sich vorwiegend auf den Bergbau und der Metallurgie.
Alle drei Gruppen waren gleichermaßen von der sozialen Unsicherheit unter der Julimonarchie betroffen. Sie waren gezwungen, selbst in Aktion zu treten, um eine Änderung der Zustände herbeizuführen. Zum ersten Mal kam es zu Unruhen, die ausschließlich sozial motiviert waren und denen keine politische oder aufrührerische Haltung zu Grunde lag. Zu den klassischen Formen des Arbeitskampfes, wie Streiks, Maschinenstürmerei, Raufereien mit konkurrierenden Arbeitergruppen, trat der offene Aufstand.
Der erste und zugleich größte Arbeiteraufstand fand nicht in Paris, sondern in der zweitgrößten Stadt Frankreichs, Lyon, statt. Er wurzelte in einer seit 1827 dauernden Krise der Seidenindustrie, die ihren Schwerpunkt hier in Lyon hatte. Ebenso ist die immer stärker zu Tage tretende, sich verschärfende Verelendung, selbst bei den Handwerksmeistern, als Grund anzusehen. 1831 setzte eine leichte Konjunktur ein. Die im Verlagswesen produzierenden Seidenweber wollten diese nutzen und forderten eine Erhöhung der Stücklöhne. Eine von Handwerksmeistern gegründete, seit 1828 agierende Selbsthilfeorganisation namens „Société de Duvoire mutuel“ erreichte die Vermittlung eines Ausschusses von Arbeitern und Unternehmern, durch den Präfekten des Departements und den Bürgermeister von Lxon. Man konnte sich auch am 25. Oktober 1831 auf einen Lohntarif und eine Stücklohnerhöhung einigen. Doch einige Unternehmer schalteten die Regierung Périer ein, der den Tarifvertrag für ungültig erklärte.
Die Seidenweber fühlten sich verraten und dadurch legitimiert zu Notwehrmaßnahmen. Zum 21. November wurde eine große Protestdemonstration organisiert. Nachdem die ersten Schüsse der Ordnungskräfte ihre Opfer verlangten, brach der offene Aufstand los. An ihm beteiligten sich ca. 20.000 bis 30.000 Arbeiter und mit ihnen fraternisierende Soldaten und Nationalgardisten. Nach drei Tagen blutigen Straßenkampfes hatten die Aufständischen die Stadt unter Kontrolle . Damit hofften sie, ein wichtiges Faustpfand für weitere Verhandlungen in der Hand zu haben. Sie bildeten mit Teilen des Stadtrates und dem Präfekten eine Interimsregierung. Sie bestand bis zum 3. Dezember, als Marschall Soult an der Spitze von 20.000 Mann die Stadt kampflos überlassen wurde, und die alten Verhältnisse wiederhergestellt worden sind.
Die alten Verhältnisse wurden aber nicht nur in der Stadt, sondern auch in der sozialen Frage wiederhergestellt, die ja die Ursache der Unruhen war. Die Regierung wurde vielleicht wachgerüttelt durch dieses eindrucksvolle Voraugenführen der Problematik. Doch sah sie sich nicht gezwungen zur Besserung beizutragen. Zu groß war ihr Rückhalt in der besitzenden „Mittelschicht“, die sie auch zu gewinnen verstand, indem der Aufstand von ihr propagandistisch gegen Republikaner und Legitimisten als angebliche Drahtzieher in die Schuhe geschoben worden ist. Der Aufstand wurde politisiert. Er sei angelegt gewesen, um gegen das Eigentum der Fabrikanten und Verleger vorzugehen. Man konnte sich so als Schützer der bürgerlichen Rechte und der Ordnug profilieren und oppositionelle Kräfte in Misskredit bringen .


6.4. Die Bonapartisten

Obgleich sich Napoléon I. bei den Franzosen einer großen Popularität erfreute, fanden die Anhänger des Bonapartismus kaum eine breite Basis im Volk. Sie konnten nicht an dem Bild der nationalen Legende anknüpfen. Das wurde noch dadurch erschwert, dass nach 1830 eine allgemeine Napoléon-Verehrung in Frankreich um sich griff. Regierung und Opposition, außer den Legitimisten, beanspruchten Napoléon für ihre Politik. Der Versuch der Bourbonen während der Restauration war vergeblich, den Mythos um den Kaiser der Franzosen auszumerzen. Eher verstärkten sie noch den Kult um den Kaiser der Franzoswn, der seine Höhepunkte 1833 in der Errichtung der Vendôme-Säule, 1836 in der Fertigstellung des Arc de Triomphe und 1840 in der Überführung der Gebeine Napoléons I. von St. Helena und ihrer Beisetzung im Invalidendom in Paris fand.
Dieses Fahrwasser nutzend forderten die Bonapartisten die Wiedereinsetzung der Kaiserfamilie. Der legitime Nachfolger Napoléons I. sei dessen Sohn der Herzog von Reichstadt, welcher als Napoléon II. offiziell anerkannt war und seit 1814 in Wien lebte. Hier stand er quasi unter direkter Kontrolle Metternichs. Der Herzog starb allerdings schon im Juli 1832. Damit war den Bonapartisten der Thronanwärter genommen. Infrage kamen nun die Brüder Napoléons I., die zwar am Machtanspruch ihrer Familie festhielten, aber das nur äußerten und nicht durch Aktionen unterstrichen.
Ganz anders sah das der Neffe des Kaisers, Louis-Napoléon. Er stellte sich an die Spitze der Bonapartisten und konnte sich sogar bei ihnen als Thronanwärter durchsetzen. Zu diesem Zeitpunkt waren aber die Anfangsprobleme der Julimonarchie bereits überwunden. Außerdem hatte Louis-Philippe durch eine geschickte Politik mögliche Sympathisanten der Bonapartisten für sich gewinnen können. Er behandelte die einstigen Opfer der Restauration bevorzugend, indem er ihnen nicht nur die Rückkehr aus dem Exil gestattete, sondern im System der Julimonarchie auch (re-)integrierte. So wurden napoleonische Offiziere und Generäle wieder in der Armee aufgenommen und ehemalige Parteigänger des Kaisers bei der Personalpolitik in der Pairskammer berücksichtigt. Die Strategie, den Napoléon-Kult zu fördern und für sich in Anspruch zu nehmen und ehemalige Kaisertreue in die eigene Politik einzuspannen, erweist sich als erfolgreich, um den Bonapartisten das Wasser abzugraben und politisch einflusslos zu machen.
Nicht zuletzt deswegen konnten sich die Bonapartisten nicht auf eine breite Trägerschaft stützen wie die beiden anderen großen politischen Gruppierungen. Sie waren auf eine kleine Truppe von Gefolgsleuten angewiesen. Daher war die einzige Möglichkeit, sich in Frankreich durchzusetzen, nur über einen Putsch gegeben. Aus Mangel einer Basis fielen nämlich Volkserhebungen oder gar Bürgerkriege zur Machtergreifung aus. Aus diesem Grund wurde verstärkt nach Anhängerschaft bei hohen Militärs gesucht. Zu Ausgangspunkten der Aktionen wurden deshalb die Garnisonen im Osten Frankreichs gewählt.
Von hier aus sollte bereits ein Staatsstreich zugunsten Napoléons II. im Sommer 1831 seinen Ausgang nehmen. Die Verschwörung wurde aber von der Polizei frühzeitig entdeckt. Ihr Ziel war die Aufwiegelung der Regimenter in Strassburg, Metz, Lunéville und anderen Standorten gegen das Regime, um mit ihnen dann eine Stadt nach der anderen erobern und in Paris einzumarschieren. Die Ermittlungen deckten ein großes Netz von Beteiligten auf. Unter den Verschwörern waren neben Ausländern und Intellektuellen auch Finanziers, ein Abgeordneter der Deputiertenkammer, aber vor allem auch eine Vielzahl hochgestellter Offiziere. Die Regierung hatte offenbar kein Interesse an einem Aufbauschen der Affäre und hielt die Verschwörer für ungefährlich, weswegen der Prozess im April 1832 mit Freisprüchen endete.
Am 30. Oktober 1836 wird das geplante Muster von 1831 noch einmal in die Tat umgesetzt. Es beginnt in Strassburg, wo sich ein Artillerieregiment sofort Louis-Napoléon anschloss. Das Vorhaben scheiterte aber schon wenige Stunden nach Beginn am Widerstand der anderen Regimenter in der Stadt.
Unter Ausnutzung der Orientkrise und überschwänglichen Napoléon-Begeisterung wegen der
Gebeinüberführung unternahm der Neffe Napoléons I. am 6. August 1840 einen weiteren Putschversuch in Boulogne-sur-Mer, der nach dem selben Muster wie seine Vorgänger geplant war. Dieser scheiterte aber noch kläglicher als das Experiment vier Jahre vorher, was vor allem an der schlechten Vorbereitung und der Entziehung zugesagter Unterstützung von hohen Militärs lag. Louis-Napoléon wurde zu Festungshaft verurteilt, aus der ihm im Mai 1846 die Flucht gelang.
In Anbetracht der Situation, dass der Führer der Bonapartisten für die Franzosen am Beginn seiner „Verschwörerlaufbahn“ ein Unbekannter war und seine Putschversuche nicht mit Erfolg gekrönt waren, dienten sie doch der Mehrung seines Bekanntheitsgrades in der französischen Öffentlichkeit.
Seine politische Unerfahrenheit und seine Jugend, 1836 war er gerade einmal 28 Jahre alt, schienen zu seinen Misserfolgen das ihre beigetragen zu haben. Aber das größte Manko der von ihm verfolgten Politik dürfte seine irrtümliche Überzeugung gewesen zu sein, er könne die Popularität und die Aura seines Onkels auf sich übertragen. Er verkannte sie Tatsache, dass die Franzosen den Kaiser verehrten, aber keineswegs eine Rückkehr des alten Bonaparte-Regimes wünschten. Er war deshalb außer Stande, eine „zweite Rückkehr von Elba“ zu zelebrieren. Dennoch sind sein Ehrgeiz und seine hartnäckige Unbeirrbarkeit in der Verfolgung seiner Ziele zu bewundern.

7. Fazit – Die Bedeutung der Julimonarchie

„Doch eines ist die Arbeit der Weisen, ein anderes die der Schlauköpfe.
Die Revolution von 1830 war rasch zum Stillstand gekommen.
Sobald eine Revolution gestrandet ist, nehmen die Schlauköpfe das Strandgut auseinander.
Die Schlauköpfe haben sich in unserem Jahrhundert selbst die Bezeichnung Staatsmänner zuerkannt. Und so nimmt es sich nicht wunder, dass das Wort Staatsmann schließlich ein bisschen wie Argot klingt. Es sollte freilich nicht vergessen werden, dass, wo nur Schläue herrscht, dies zwangsläufig zu einer niedrigen Gesinnung führt. Statt schlau kann man auch mittelmäßig sagen, und statt Staatsmann mitunter Verräter.
Nach Meinung der Schlauköpfe sind also Revolutionen, wie die Julirevolution, durchtrennte Schlagadern. Da heißt es rasch abbinden. Das zu feierlich verkündete Recht gerät ins Wanken. Auch muss, ist erst einmal das Recht bestätigt, der Staat wieder gefestigt werden. Und ist die Freiheit gesichert, sollte man an die Macht denken.
[...] Die Macht schön und gut! Aber erstens, was ist die Macht? Zweitens, wo kommt sie her?
[...] Jenen Politikern zufolge – erfinderisch, wie sie sind, den vorteilhaften Hypothesen eine Maske der Notwendigkeit aufzusetzen – braucht ein Volk nach einer Revolution, wenn es zu einem monarchisch regierten Kontinent gehört, erst einmal eine Dynastie. Auf diese Weise, sagen sie, bekommt es Frieden nach seiner Revolution, das heißt Zeit, sich die Wunden zu verbinden und sein Haus auszubessern. Die Dynastie verbirgt das Baugerüst und entzieht das Lazarett den Blicken.“

1830 war die Restauration in Frankreich endgültig gescheitert. Zu stark waren die Franzosen mit ihrer französischen Vergangenheit aufs engste verbunden. So konnte auch ein künstliches Wiederherstellen der Bourbonenherrschaft 1814/15 nur mit Konzessionen in Form der Charte Constitutionelle vonstatten gehen.
25 Jahre nach dem Sturm auf die Bastille hatten sich Veränderungen in der Grundstruktur der französischen Gesellschaft in Gang gesetzt, die immer noch anhielten und deren Ende immer noch nicht abzusehen war. Die alte Aristokratie des Adels konnte sich nur mit Hilfe des reaktionären Europas seine Alten Positionen zurückerobern. Doch war sie nicht mehr allein Bestandteil der gesellschaftlichen Elite. Eine neue Aristokratie des Besitz- und Finanzbürgertums hatte sich in den vergangenen Jahrzehnten in Frankreich etabliert. Sie forderte ebenfalls ihr Recht an der Führung Frankreichs.
Je länger die Restauration anhielt, um so morscher wurde ihr System. Anfänglich noch mit einem relativ liberalen Programm hantierend, war die Politik gegen Ende nicht nur konservativ, sondern regelrecht reaktionär. Offenbar glaubte die Regierung ab der Mitte der 1820er, ihre Position sei gefestigt.
Das sie nicht gefestigt genug war, um ihren repressiven Kurs weiterzufahren, bestätigte 1830. Mit den Juliordonanzen wurde gegen die selbst auferlegte Verfassung verstoßen und eine der wichtigsten Freiheiten, die der Meinung in Wort und Schrift, außer Kraft gesetzt. Die Franzosen aber waren aber den Respekt vor ihrer Verfassung seitens der Regierung gewöhnt. Auch mussten die seit einiger Zeit offenkundigen Ambitionen, ein starkes Königtum gegen die Kammern zu etablieren, dem politisierten Teil der Bevölkerung zuwider laufen. Auch die soziale Lage wurde von Charles X. und seinem Beraterstab verkannt. Die soziale Mobilität innerhalb der bürgerlichen Schicht hatte sich zuungunsten der Kleinbürger verschoben. Die erst in den 1820er Jahren richtig einsetzende industrielle Revolution erzeugte zu diesem Zeitpunkt bereits einen Problemdruck von Massenarbeitslosigkeit, Massenverelendung, Landflucht. Auch dieser Faktor fand keinerlei Beachtung bei den Ultras.
So brach die Julirevolution überraschend über die Restauration herein und entfachte in ganz Europa einen Flächenbrand des Aufruhrs. Scheinbar war auf dem gesamten Kontinent ein revolutionäres Potential während der letzten 15 Jahre angestaut worden, das nur eines Startsignals bedurfte, welches in Frankreich gegeben wurde. Früh genug, um nicht in Bürgerkrieg und Chaos zu versinken, und früh genug, um eine „jacobinische“ Republik zu verhindern, übernahm die neue Aristokratie die Führung und beeilte sich, Louis-Philippen, den Herzog von Orléans, einer jüngeren Bourbonenlinie, zum neuen König, zum Bürgerkönig, zu erheben. Damit war die Revolution beendet oder, wenn man so will, „gestrandet“.
Auch wenn vor allem aus der Tradition der vergleichenden Geschichtsforschung stammende Meinungen die Revolution mit den drei Tagen nicht beendet sehen wollen, sondern die Jahre danach als weiteren festen Bestandteil der Umwälzungen betrachten, ist nach meinem Dafürhalten die Julirevolution spätestens mit der Thronbesteigung des Bürgerkönigs und seinem Schwur auf die Verfassung am 9. August 1830 beendet. Die weiteren Ereignisse bis 1833/34, die mit ihren Barrikaden den Aufständen und Revolutionen im 19. Jahrhundert ein Symbol schufen, das immer wiederkehrte, kommen über den Versuch eines Umsturzes nie hinaus. Sie scheiterten am Mangel revolutionären Interesses der bürgerlichen Gesellschaft. Der Rückhalt der republikanischen Revolutionäre in der Bevölkerung wurde mit Fortdauer der Julimonarchie immer schwächer. Das Fiasko von 1834 macht dies auf unwiderlegbare Weise deutlich. Die Nationalgarde, die revolutionäre Bürgerwehr, ging mit aller Gewalt gegen die Aufrührer vor. Der Seidenweberaufstand in Lyon 1831 kann nicht als Ausdruck der revolutionären Grundhaltung der Franzosen gewertet werden. Dies zeigt zum einen die Disziplin, die herrschte nach der Übernahme der Stadt. Zum anderen belegt es auch die kampflose Übergabe der Stadt an die Regierungstruppen. Dieser Aufstand ist eher als Notwehrhandlung der Arbeiterschaft im Rahmen ihres Arbeitskampfes zu werten.
Die Verfassung der Julimonarchie war die nur geringfügig geänderte Charte von 1814. Am schwerwiegendsten waren die Machterweiterung der Kammern und die Abänderung des Zensuswahlrechts, die nun den Großteil des Besitz- und Finanzbürgertums an der Regierung teilhaben ließen. Aus den Machtkämpfen mit den Legitimisten bis 1832 und den Linken bis 1834 ging die neue herrschende Aristokratie jedes Mal gestärkter hervor. Jedes Mal verloren die oppositionellen Kräfte an Einfluss. Bis sie schwer in Misskredit gebracht waren, was nicht zuletzt auf die Regierungspropaganda gegen diese „Feinde der Ruhe und Ordnung“ zurückzuführen ist.
Das Bürgertum hatte sich spätestens jetzt endgültig etabliert. Vom kleinen Ladenbesitzer bis zum großen Finanzier hatte sich eine konservative, traditionalistische Grundeinstellung durchgesetzt. Ihre Mittelpunkte stellten die verfassungsrechtlich garantierten Rechte, aber auch der Wunsch nach Erhaltung von Ruhe und Ordnung dar. Diese Haltung bot keinen Platz für republikanische Forderungen, die lediglich vom „pueple“ getragen wurden. Schließlich wurden dadurch nur der erworbene Besitz und durch die bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen zu Beginn der Julimonarchie die öffentliche Sicherheit und rechtliche Ordnung gefährdet.
Diese Phase der Konsolidierung, des „Wundenverbindens und Hausausbesserns“, war durch eine liberale Politik gekennzeichnet. Denn diese Konsolidierung war geprägt durch Politik, die von den Kammern gemacht worden ist und sich kaum auf den König stützte. Nach der Festigung der Julimonarchie war die Opposition außerhalb der Kammer mundtot, aber nicht eliminiert. Sie hatte sich durch ihre Aufstandsversuche verausgabt und musste sich erst einmal regenerieren. Derweil schwenkte die Politik innerhalb der Kammern um. Die innerfraktionellen Querelen nahmen zu und schwächten die bürgerliche Regierung. Das endete mit einer faktischen Machtübernahme in der Regierung durch den König und einem konservativen, ihm ergebenen Kabinett.
Ähnlich wie die Restaurationsmonarchie verlor die des Bürgerkönigs das Gefühl für zeitgemäße Politik. Man hielt wie jene an seinem alten Kurs fest und musste wie jene früher oder später scheitern, da man zu keiner Anpassung fähig war. Was fortschrittlich in der Julirevolution begann, hörte in der Februarrevolution auf.



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LITERATURVERZEICHNIS

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• GIESSELMANN, WERNER: „Die Manie der Revolte“. Protest unter der Französischen Julimonarchie (1830 – 1848), Habilitationsschrift, München 1993.
• HINRICHS, ERNST (Hrsg.): Kleine Geschichte Frankreichs, durchgesehene und aktualisierte Ausgabe, Stuttgart 1997.
• HOLZAPFEL, KURT: Julirevolution 1830 in Frankreich: Französische Klassenkämpfe und die Krise der Heiligen Allianz (1830 – 1832), Berlin 1990.
• HOLZAPFEL, KURT: Die Französische Julirevolution von 1830 – Meinungen und Kontroversen, in: Kossok, Manfred/ Loch, Werner: Die Französische Julirevolution von 1830 und Europa, Berlin 1985.
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• KOSSOK, MANFRED: Revolutionen der Weltgeschichte. Von den Hussiten bis zur Pariser Commune, Lizenzausgabe Leipzig 1989, Stuttgart, Berlin, Köln, Mainz 1989.
• KOSSOK, MANFRED: 1830 als Ereignis und Aufgabe, in: Kossok, Manfred/ Loch, Werner: Die Französische Julirevolution von 1830 und Europa, Berlin 1985.
• MAGER, WOLFGANG: Frankreich vom Ancien Régime zur Moderne: Wirtschafts-, Gesellschafts- und politische Institutionsgeschichte 1630 – 1830, Stuttgart, Berlin, Köln, Mainz 1980.
• MOMMSEN, WOLFGANG J.: 1848 – Die ungewollte Revolution. Revolutionären Bewegungen in Europa, Frankfurt/M. 1998.
• TULARD, JEAN: Frankreich im Zeitalter der Revolutionen 1789 – 1851, Stuttgart 1989.
• WILLMS, JOHANNES: Paris. Hauptstadt Europas 1800 – 1914, München 2000.

Autor: Michael Heinz
Hochschule: FSU Jena

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