Der
Aufstieg Karthagos zur Großmacht | ||
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1. EINLEITUNG
Aber wie konnte Karthago, ohne Staat zu sein, zu einer Großmacht werden und in welchem Verhältnis stand das beherrschte Territorium zur karthagischen Herrschaft? Was war die Triebkraft für die unermüdliche Expansion? Worauf begründete sich der Reichtum, welches waren die Gründe für die (späteren) Konflikte mit Griechen und Römern? Diese
Hausarbeit befaßt sich mit der Stadt Karthago ab der Zeit ihrer Gründung
im
2. QUELLENLAGE
Die starke Berücksichtigung Karthagos in der römischen und griechischen Geschichtsschreibung ist auf seine kontinuierlich zunehmende Bedeutung als Großmacht in archaischer Zeit, daraus resultierende Begegnungen und natürlich wirtschafts- und machtpolitischen Konflikten mit Griechen und Römern zurückzuführen. Vor dem Hintergrund dieses konfliktbeladenen Verhältnisses ist es nur einleuchtend, daß sowohl die griechische als auch später die römische Geschichtsschreibung leider nur verzerrte - da parteiische - Darstellungen liefert. Deshalb ist bei der Heranziehung solcher Quellen zu berücksichtigen, daß verschiedene Absichten hinter der Darstellung standen: hauptsächlich eine unwillkürliche Feindschaft gegenüber solch erbitterten Feinden, die man infolgedessen in das schlechteste Licht zu setzen versuchte. Des weiteren ist zu bedenken, daß in griechischen und römischen Quellen oft nur indirekte Informationen verarbeitet wurden, d.h. nicht unbedingt aus erster Hand ihren Weg in die Quellen fanden. Zusätzlich ist zu beachten, daß zum Beispiel Angaben über die effektive Stärke des Heeres und der Flotte Karthagos, überhaupt seines Volkes, den Reichtum der Stadt und die Größe ihrer Herrschaft, deren Darstellungen oft übertrieben waren, sicherlich auch dazu dienten, die Gefährlichkeit Karthagos und damit das Feindbild zu untermauern. 3. VORAUSSETZUNGEN 3.1. WURZELN IM OSTEN 3.1.1. Stadtstaaten als Organisationsform
3.1.2. Die phönizischen Händler
Mi: Aber was ist das für ein merkwürdiger Vogel, der da in seiner Tunika erscheint? Hat man im Bad den Mantel ihm stibitzt? Ag: Beim Pollux, sein Aussehen wenigstens ist ganz punisch! Mi: Er ist ein Gugga. Bei Gott, was für alte Sklaven der bei sich hat! Ag: Wieso? Mi: Siehst du nicht die Männer, die schwerbepackt ihm folgen? Ich glaube, die haben nicht mal Finger an den Händen. Ag: Weshalb? Mi: Weil sie daherkommen mit Ringen in den Ohren (975-981).
3.2. DIE STADT KARTHAGO 3.2.1. Dido & Aeneas und der Handel
Daher erscheint mir die Suche nach weiteren Erwerbsmöglichkeiten als Grund für die Neugründung, welchen Ameling kritisiert, einleuchtender. Auch wenn, wie er argumentiert, sicher nicht von einem gemeinsamen Vorgehen der Phönizier als Volk ausgegangen werden kann, so doch von einem Teil der Phönizier, eben Händlern aus Tyros. Man kann also annehmen, daß Karthago als Handelskolonie gegründet wurde; wenn auch nicht "als Teil eines bewußt gestalteten Stützpunktsystems", wie Heuß es sieht, so aber als Anlaufpunkt auf dem Weg in weiter entfernte Handelsgebiete und Warenumschlagplatz auf dem "Rückweg". So ist der Name der Stadt Qarthadasht - "Neue Stadt" - sicher als ein deutlicher historischer Hinweis auf die (strategischen) Absichten der Gründer zu verstehen. Elliger übersetzt den Stadtnamen gar mit "Neue Hauptstadt". Dies jedoch setzt voraus, daß es eine "alte" gegeben haben muß. Da aber keiner der phönizischen Städte - wohl gemerkt allesamt Stadtstaaten - eine derartige Vorrangstellung zufiel, kann es ergo auch keine "neue" Hauptstadt geben, die solch eine Stellung einer anderen streitig machen könnte. Außerdem kann nicht von nur einem Gründungsakt ausgegangen werden. Vielmehr wird es ein Prozeß gewesen sein, in dem sich nach und nach Karthago als Metropole etablierte. Die geographische Lage der Landzunge jedoch wird von Anbeginn erkannt und ganz bewußt gewählt worden sein. An dieser Stelle soll kurz die geographische Besonderheit der Stadt Karthago betrachtet werden. Ihre Lage war in der Tat außergewöhnlich. Erstens gab es die Möglichkeit der Expansion zur See, zweitens erschien es einfach, die Stadt im Hinterland zu befestigen. Als geräumige Landzunge zwischen zwei schützenden Lagunen gelegen war es im Hinterland durch einen sandigen Streifen mit dem Kontinent verbunden, welcher einfach zu überwachen und kontrollieren war (siehe hierzu Abb. 1). Dahinter befand sich ein anbaufähiges Gebiet, welches in den hügeligen Vorsprung mit einbezogen wurde, wodurch das Stadtgebiet isoliert wurde und besonders gut verteidigt werden konnte. (vgl. Abb.1). Dies zeigt, daß der Platz der Gründung sehr bewußt ausgewählt wurde und bestätigt die strategische und handelsrelevante Komponente, die Karthago zukam.
Die Landzunge von Karthago | ||
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3.2.2. Bevölkerungswachstum
Abb.2: Grundriß der Stadt Karthago | ||
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Bei einer solch großen Bevölkerungszahl ergibt sich zwangsläufig das Problem der Versorgung mit Nahrungsmitteln. Theoretisch hat eine Großstadt fünf Möglichkeiten, in solch einem Fall zu überleben: 1. Ausbau der einheimischen Produktion 2. Herrschaft über andere (um von den Tributzahlungen zu leben) 3. Kolonisation 4. Import durch Handel und 5. staatlich organisierte Verteilung des Vorhandenen. Ersteres ist unter den Voraussetzungen der Antike relativ schwer umsetzbar, letzteres wird nur in Ausnahmesituationen angewandt. Import durch Handel setzt einen höheren Ertrag der kaufmännischen Tätigkeit voraus, als im Altertum zu erzielen war. Demnach blieb Karthago nur die Expansion und Kolonisation (und damit im Zusammenhang die Herrschaft über andere) zur Lösung es Versorgungsproblems, welche im nächsten Kapitel behandelt werden sollen. Auf jeden Fall berichten zwei Passagen bei Aristoteles davon, daß Karthago regelmäßig einen Teil des Volkes in bereits existierende Städte schickte, was die Lage in Karthago entspannt haben dürfte.
4. DER AUFSTIEG 4.1. EXPANSION UND KOLONISATION 4.1.1. Karthagische Expansion
Karthagischen Ursprungs jedoch sind viele der nordafrikanischen Siedlungen entlang der Küste, deren Bezeugung als punische Gründungen meist archäologischer Natur oft Nekropolen oder Stelen sind, während Utica in unmittelbarer Nachbarschaft westlich von Karthago die älteste phönizische Kolonie in Afrika gewesen sein dürfte. Die punischen Pflanzstädte mögen der Absicherung der nordafrikanischen Küste gedient haben, sie hatten jedenfalls nicht den Status von Kolonien in modernem Sinne. Das Verhältnis zwischen ihnen und Karthago war sogar relativ gleichberechtigt und sehr eng, sie unterstützten Karthago im Bestand seiner Herrschaft, auch wenn man nicht von einer Art Reichseinheit sprechen kann. Das Hinterland wurde von Katrhago ab einem bestimmten Zeitpunkt direkt kontrolliert, denn es gab dort Wiesen, Weinberge Getreidefelder und Olivenhaine - also wichtige Rohstoffe, die sich Karthago dadurch nutzbar machte. Im 6. Jahrhundert faßte Karthago nicht nur in Spanien und auf Ibiza Fuß, sondern auch in Marokko und an der Atlantikküste und relativ spät, nämlich erst im 4. Jahrhundert auch auf Korsika. Hier war jedoch nicht die Gründung neuer Kolonien der Grund, vielmehr ging es Karthago um den Ausbau seiner Handelsbeziehungen. Die punischen Ansiedlungen - oft innerhalb existierender Städte wie z. B. Massalia (heute Marseille) - sollten lediglich als Handelsstützpunkte dienen.
4.1.2. Karthagische Kolonien
"Vom 6. bis ins 4. Jahrhundert entwickelte sich ein System politischer Abhängigkeit derjenigen Emporia, in denen die Karthager nicht nur die Kontrolle über den Warenaustausch und die persönliche Sicherheit der Kaufleute, sondern zunehmend auch den Schutz der betreffenden Siedlungen vor Übergriffen einheimischer Stämme oder griechischer Poleis garantierten."
4.1.3. Sizilien
Die Beziehungen Karthagos zu den einheimischen Bewohnern Nordwestsiziliens basierten auf dem freundschaftlichen Verhältnis zwischen den phönizischen Kolonien Motye, Panormos, Solus und den Elymern. Das Gleichgewicht der friedlichen phönizisch-griechischen Coexistenz brach zum ersten Mal um 580 v. Chr. zusammen, als die griechischen Städte allen voran Selinunt und Akragas - eine sehr aggressive Expansionspolitik betrieben und Pentathlos nach Sizilien sandten, woraufhin die phönizischen Siedlungen Karthago zu Hilfe riefen. Die folgende Beschränkung der sizilischen Siedlungen in ihrer Autonomie seitens Karthagos lag lediglich in der außenpolitischen Entscheidungsgewalt, die sie an Karthago abtreten mußten, und in der Tributpflicht. Neben den Getreidelieferungen und Tributzahlungen Siziliens hatte die Insel auch noch einen anderen wertvollen Nutzen für die Karthager: die Nähe zu den griechischen Märkten sicherte den Städten Wohlstand und Reichtum auch in Krisenzeiten. Daß das Interesse Karthagos nach einem wirksamen Schutz der punischen Kolonien auf Sizilien und der Seewege im Vordergrund stand, dokumentiert die verstärkte karthagische Präsenz in Eryx. Bei dem Bau der Befestigungsanlagen in Eryx und deren Erweiterung waren punische Steinmetze und Baumeister am Werk, und auch die elymische Münzprägung im 5. Jahrhundert zeigt, daß die Kontakte zwischen Karthago und den Siedlungen Nordwestsiziliens fortgesetzt und intensiviert wurden. Die Intervention der Karthager folgte wenige Jahre nach der Auseinandersetzung mit Pentathlos um 550 v. Chr. und ist mit der Person des Generals Malchus verbunden, der nach Sizilien entsandt wurde, um den "status quo ante" wiederherzustellen, und laut Iustinus (XVIII 7,1-2) "einen Teil davon unterwarf". Die letzte Intervention der Karthager auf Sizilien während des 6. Jahrhunderts steht in Zusammenhang mit der versuchten Neugründung einer griechischen Kolonie in der Gegend von Eryx durch den Spartaner Dorieus. Doch schon davor galt die Vorherrschaft der Karthager im Westen Siziliens als gesichert.
4.2. HANDEL UND AUßENPOLITIK 4.2.1. Handelsmonopol
"Das politische Handeln zielte vor allem darauf ab, den punischen Händlern gewaltsam oder friedlich - das Monopol über verschiedene Märkte zu sichern." Insofern kann man feststellen, daß die Politik als solche zwar kein großes Interesse bei den Karthagern weckte, wohl aber die Möglichkeit, durch Politik den Handel und dadurch Macht und Reichtum auszubauen und zu sichern. So war "in Karthago alles erlaubt, um die beiden höchsten Güter zu gewinnen: Macht und Geld." Die Karthager waren durch ihre weitreichenden Handelsbeziehungen unschätzbare Zwischenhändler für Waren wie Erze, die im Durchgangshandel aus Spanien kamen, Zinn aus Britannien und Gold aus Senegal. Im Austausch dafür bekamen sie von Alexandria griechische Erzeugnisse, die Karthago fehlten. Der Tausch als Handelsart blieb lange Zeit bestehen, erst 404 begann Karthago Münzen zu prägen. Bis dahin stapelten sich die ungemünzten Edelmetalle barrenweise in den karthagischen Schatzkammern der öffentlichen Hand wie der Privatleute. Durch die Erschließung wichtiger getreidereicher Kolonien im Mittelmeerraum wie Sardinien und Sizilien stieg Karthago zu einer Agrargroßmacht auf, dessen Getreide auch für Griechenland, das sich nicht selbst zu ernähren vermochte, lebensnotwendig war. Und wie andere Völker auch versuchte Karthago, die Warenströme über Zölle und Steuern für Ein- und Ausfuhr von Waren zu lenken. Das "punische Dreieck" mit den Spitzen Karthago, Sardinien und Westsizilien wuchs immer mehr zum Zentrum der karthagischen Großmacht. Denn alle Handelstreibenden, egal ob Grieche, Römer, ob Händler aus Kleinasien oder Südfrankreich, mußten die Meerenge zwischen Karthago und Sizilien passieren. Die Notiz des Strabon allerdings, die Karthager hätten jedes fremde Schiff, das sich in ihren Gewässern auf dem Weg nach Sardinien oder der Straße von Gibraltar bewegte, versenkt, ist sicherlich stark übertrieben. Eine zeitweilige Sperrung der Meerenge im 6./ 5. Jahrhundert ist nicht ganz unwarscheinlich, doch Einzelheiten dazu kennen wir leider nicht.
4.2.2. Außenpolitik als Machtpolitik?
Im Bündnis mit den Etruskern den stärksten Verbündeten der Karthager für lange Zeit kämpften sie gegen die Griechen und Phokäer, um ihren Einfluß zurückzudrängen und die eigenen Märkte zu sichern. Gegen die Griechen kämpfte Malchus mit den Etruskern um 550v. Chr. auf Sizilien, denn die Griechen und insbesondere die ursprünglich aus Kleinasien stammenden, aus Massilia (Marseille) kommenden Phokäer drangen in den Metallhandel der Karthager ein und fuhren bis nach Tartessos (Tarschisch/ Tarsis), wo auch sie intensiven Handel trieben. Außerdem waren sie von Natur aus an Korsika interessiert. Dadurch waren sie in den karthagischen Handelsraum eingedrungen; und die Auseinandersetzung folgte bald, nämlich um 540 v. Chr. vor der Ostküste Korsikas in einer Seeschlacht. Die bedeutende Beziehung auch in kultureller Hinsicht zwischen Etruskern und Karthagern sind durch viele etruskische Funde belegt. Mit der Zunahme der eigenen Bevölkerung stiegen auch Karthagos militärische Möglichkeiten. Das Ausgreifen auf die dem Vielvölker-"Staat" zugehörigen Gebiete wie das afrikanische Hinterland und die nordafrikanische Küste, Sizilien, Sardinien und Spanien brachte ein enormes Kapital an Heeresstärke mit sich, die allein mit den Karthagern nie häte erreicht werden können. Mago, der Stammvater der Magoniden und damit Kopf eines der großen Geschlechter in der karthagischen Geschichte, war derjenige, der für die "Grundlegung der karthagischen Macht das Entscheidende [dadurch] geleistet" hatte, daß er statt des bisherigen Bürgerheeres ein Söldnerheer aufstellte und das Militärwesen neu gestaltete. Die Söldner wurden in den vielen Gebieten Karthagos angeheuert, wodurch eine neue Einrichtung erschaffen wurde, die Griechen und Römer später übernehmen sollten. In Zukunft überließen die Karthager den Söldnerheeren den Schutz ihrer außenpolitischen Interessen. Die erste Erwähnung des politischen Gebildes Karthagos als "Staat" findet sich im "punisch-römischen Vertrag" aus dem Jahre 509 v. Chr.; ein Handelsabkommen, das bezeichnenderweise nach der Niederlage des Dorieus auf Sizilien geschlossen wurde. Der Vertrag, dessen Inhalt uns durch Polybios (III 22, 4-13) überliefert ist, regelt die jeweiligen Einflußzonen beider Seiten und bestärkt Karthagos Machtposition, die zu dieser Zeit auf ihrem Höhepunkt angelangt war.
5. RESÜMEE
Es bleibt festzustellen, daß Karthago alle Voraussetzungen zu einem großen Staatswesen bot und den Grundsatz der örtlichen Autonomien gut zu verwirklichen wußte. Sein merkantilischer Ursprung und die typsche Stadtorganisation erlaubten ihm aber keineswegs, diese Voraussetzungen bis zum Auf- und Ausbau eines starken und beständigen Imperiums weiterzuentwickeln.
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Bibliographie:
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Autor: Ricarda
D. Herbrand
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